Kirchliche Führung in der VUKA-Welt

Kirchliche Führung in der VUKA-Welt

Kirchliche Führung in der VUKA-Welt

© liufuyu

Eine Frage, die sich gerade jetzt nach einigen Monaten der Pandemie-Erfahrung mit COVID-19 stellt, lautet: «Wie können wir als Chrischona Kirche jetzt, in unserer heutigen Welt ge-sellschaftsrelevant Christsein leben und gleichzeitig Menschen auf den biblischen Glauben aufmerksam machen?»

Eines ist dabei schon zum Vorschein gekommen und vielen klar: Einfach so mit Kirche weitermachen, wie das vor «Corona» gelebt wurde, wird in Zukunft wohl nicht mehr zielführend sein. Denn viele Christen stellen sich momentan die Frage, warum sie wieder Gottesdienste und gemeindliche Veranstaltungen regelmässig besuchen sollen, wenn es doch jetzt auch sehr leicht per livestream von zu Hause oder mobil von unterwegs möglich ist, online an Kirche teilzunehmen?

Das ursprünglich aus dem Militär stammende Akronym VUKA gab es bereits lange bevor von gesellschaftlichem «Lock-Down» und «sozialer oder physischer Distanz» die Rede war. Aber gerade durch die aktuelle Krise wurde vielen bewusst, dass sich unsere Welt nicht nur schneller bewegt und verändert, sondern dass sie auch wesentlicher komplexer zu verstehen ist und vieles unübersichtlich zusammenhängt. Unser Leben gleicht oft einem Mobilee, dass an einem Ort angestossen, an vielen anderen Stellen ebenfalls in Bewegung/Unruhe kommt.

VUKA bedeutet ausgeschrieben:

V          Volatilität

U         Unsicherheit

K          Komplexität

A          Ambiguität

VUKA bringt vier Herausforderungen auf den Punkt, denen sich Kirche in einer zunehmend globalisierend-digitalisierten Welt stellen muss. Das Zusammenspiel und die Abhängigkeit einzelner Fragestellungen zueinander kann man wie folgt definieren:

«Sind viele einzelne Teile miteinander verbunden (strukturelle Komplexität), so kann eine Veränderung in einem Teil eine Kettenreaktion bei anderen auslösen (Volatilität). Dadurch wird es viel schwieriger, die Situation richtig einzuschätzen (Ambiguität), was sichere Prognosen erschwert (Unsicherheit). Oder einfach erklärt: Niemand wird erklären und voraussagen können, was passiert und sich ändert, wenn man eine einzelne Spaghetti aus einem vollen Teller Nudeln mit seiner Gabel aus dem Teller „fischt“? An der einen Spaghetti bleiben vielleicht andere mit hängen, die Anordnung der gesamten Teigware auf dem Teller ändert sich und wird „durcheinander“ gebracht…

Noch bis vor wenigen Jahren hat man in unseren Kirchen (platonisch geprägt) meist sehr dualistisch gedacht. Man sprach entweder von «Himmel & Hölle», «gut oder böse», «konservativ oder liberal» und von «richtig oder falsch» Jede Ursache hatte ihre eigene Wirkung und jede Tat zog ihre eigene Konsequenz nach sich. Vieles wurde in solchen gegensätzlichen «Komplementär-Paaren» gedacht und beschrieben. Was ja durchaus auch Sinn macht, wenn man dem zu Grunde legt, dass es lediglich zwei Optionen gibt, zwischen denen zu wählen und auch zu unterscheiden ist.

Dennoch ist unsere Welt, wir Menschen und auch der biblische Glaube deutlich komplexer, als dass man es in einem bloss binären Denken verstehen und zusammenfassen könnte! (siehe Spaghetti-Teller) Duales Denken zeigt sich zwar gerade in Krisen extrem hilfreich, da in ausserordentlichen (Krisen-) Situationen oft schnell, zeitnah, für alle Betroffenen klar entschieden und gehandelt werden muss.

Allerdings zeigt uns schon die Trinität Gottes etwas von der Komplexität, die Gott nicht nur als Vater und Sohn veranschaulicht, sondern sich auch in der zusätzlich dritten Person des Heiligen Geistes manifestiert und uns offenbaren will. Schon diese geistliche Tatsache ist für manche Christen bereits eine (unüberschaubare) spirituelle Überforderung;-)

Nun steht es frei, sich über die Art und Weise, wie sich die Welt, unsere Umgebung und ihre Menschen in ihrer Vielfalt und gleichzeitigen Individualität präsentieren, aufzuregen. Man kann die Schnelllebigkeit, Optionenvielfalt und Komplexität, mit der sich Dinge heute verbinden entweder ignorieren, simplifizieren, oder aber sich auf sie einlassen und dadurch partizipieren.

Was man aus meiner Sicht aber nicht mehr kann, ist diese Diversität zu leugnen! Wir können uns als Kirche nicht der Tatsache entziehen, dass unsere (kirchliche) Welt nicht (mehr) zu überschauen und einfach, oder zwiefach zu erklären ist!

Daher braucht es heute christliche Führungskräfte (Pastoren), die sich dieser herausfordernden VUKA-Welt stellen und mit Gottes Hilfe bestmöglich, Kirche und ihre Mitglieder in dieser Herausforderung, führen. Der immer grösser werdenden Geschwindigkeit und der volantilen Dynamik von Veränderungen, sollte eine Vision entgegengesetzt werden, die den Zweck wichtiger macht als die Art und Weise, wie man einen bereits angedachten Plan umsetzt. Denn das «why» ist immer wichtiger als das «how». In der gegenwärtigen Form, dass und wie hybride Gottesdienste gestaltet werden, ist das bereits geschehen und dabei darf nicht stehengeblieben werden. Die gesellschaftlichen Schutz-Massnahmen von Corona werden noch weitere Planänderungen mit sich bringen, wie relevante Kirche zukünftig aufgestellt werden muss.

Die Unsicherheit in der Voraussehbarkeit, wie sich etwas entwickeln wird, braucht Mut auch kleine Schritte zu wagen, experimentierfreudig zu werden, ohne genau zu wissen, wo man am Ende ankommen oder landen wird. Langfristige Planung sollte nur noch in dem Masse geschehen, wie man auch die Bereitschaft hat, aufgrund zeitnaher Ereignisse, die erarbeiteten Pläne gegebenenfalls wieder in Frage zu stellen und in Folge der neuen Situation auch verwerfen zu können.

Bei der grossen Komplexität von Handlungs-, Wahl- und Interessenoptionen einzelner Individuen, braucht es einen noch gezielteren Fokus und eine betonte Klarheit, die dem unüberblickbaren (Meinungs-)Chaos innerhalb und ausserhalb der Kirche doch Sinn geben.

Da auch die christliche Welt mehrdeutig und viele biblische Themen breit interpretierbarer geworden sind, braucht es eine hohe Ambiguitätstoleranz von uns Christen, um die verschiedenen individuellen Wahrnehmungen zunächst auszuhalten, ohne sie gleich (alle) an- oder übernehmen zu müssen.

Eine neue geistliche Bescheidenheit ist notwendig, die sich auch zu den Grenzen menschlicher Plan- und Machbarkeit bekennt, ohne dabei gleich passiv oder lethargisch zu werden. Genauso wenig wie wir Menschen Gott (ganz) verstehen und (komplett) einordnen können, weil er transzendent und damit ausserhalb unserer Immanenz existiert, sollten wir anerkennen, dass wir auch das (kirchliche) Leben, wie es uns tagtäglich neu begegnet, nicht permanent steuern oder ständig beherrschen können.

Als Jesus Christus die Verantwortung für das neuentstandene christliche Start-Up an seine 12 Führungsleute überträgt, verabschiedet er sich mit der empathischen Wahrnehmung für seine Jünger: «In dieser (herausfordernden) Welt habt ihr Angst». Aber gleichzeitig empowert/ermächtigt er sie mit der tröstlichen Gewissheit seiner göttlichen Kompetenz, dass er «die Welt, seit seiner Auferstehung an Ostern, doch bereits für uns überwunden» hat.

Genau die Tatsache, dass Kirche von Jesus Christus bereits seit 2000 Jahren, in dieser sich ständig veränderten Welt Bestand hat, gibt Hoffnung und Zuversicht, dass wir den aktuellen und kommenden Herausforderungen gewachsen sind. Denn Jesus ist in diese Welt gekommen, um seine Kirche, gemeinsam mit uns zu bauen und nichts und niemand wird sie seiner Prognose nach, überwältigen können (Mt. 16,18). Aus diesem Grund ist der «Purpose» (Zweck, Absicht, Bestimmung) der Kirche wichtiger als das «How», also die Art und Weise wie sich Kirche zeigt und äussert. Es gilt die äusseren Erscheinungsformen und Strukturen von Kirche ständig den wechselnden Gegebenheiten anzupassen, denn «nichts ist so beständig wie der Wandel», äusserte sich schon der griechische Philosoph Heraklit. Während der kostbare Inhalt des befreienden Evangeliums von Jesus Christus, eine allgemein- und ewiggültige Botschaft ist, damit Menschen erstmals zu ihrem Schöpfergott finden und auch dauerhaft bei ihm bleiben.

Die VUKA-Welt kann einem Angst machen, muss es aber nicht! Denn wir leben mit der Zusage von Jesus Christus, dass er uns an jedem einzelnen Tag unseres Lebens und in unseren Aufgaben (Mission) begleitet, bis er wiederkommt. Dann wird Jesus die Gesamt-Situation so verändern, dass es nicht mehr vuka-mässig in der Welt zugehen wird, sondern innerliche Ruhe mit äusserer Gelassenheit einher geht… 

Christian Seitz

Christian Seitz

Regionalleiter Mitte

Christian lebt in Zug, ist verheiratet und hat drei Kinder. Zur Region Mitte gehören Gemeinden in den Kantonen Aargau, Bern, Luzern, Schwyz, Uri, Zürich und Zug. Seine Leidenschaft gilt den Zweirädern, motorisiert oder nicht.

Auf ins V.U.K.A.-Erlebnis!

Auf ins V.U.K.A.-Erlebnis!

Auf ins V.U.K.A.-Erlebnis!

© anatoliy_gleb – de.freepik.com

Für viele Leute sind Traum-Skipisten frisch planiert, bequem zu fahren, ohne jegliche unwillkommene Überraschung. Pisten, wo man noch die Rillen des Pistenfahrzeuges sieht. Andere Leute träumen von Skipisten, auf denen einige Zentimeter unberührten Neuschnees liegen, man wie auf Watte fährt und sich fühlt, als würde man schweben. Und dann gibt es Skipisten, die sind V.U.K.A.

V: veränderlich (volatility)

Eisflächen, leichter und nasser Schnee wechseln sich ebenso ab wie ebene Bereiche und veritable Buckel.

U: unsicher (uncertainty)

Man weiss nicht genau, was einem wo erwartet. Scheinbar schöner Schnee entpuppt sich als Eisfläche, die mit minimal wenig Schnee bedeckt ist, der sofort wegrutscht, wenn man mit dem Ski Kante gibt.

K: komplex (compexity)

Die Reaktion des Schnees unter den Skiern kann nicht genau vorhergesagt werden. Nur weil der Schnee in der einen Kurve gut hält, muss das noch lange nicht bedeuten, dass er es in der nächsten Kurve noch tut und nicht doch wegrutscht, auch wenn er eigentlich gleich aussieht.

A: ambig (ambiguity)

Ambiguität steht für Mehrdeutigkeit und Widersprüchlichkeit. Selbst wenn man sich auf der Skipiste die Zeit nehmen und über jeden Schwung nachdenken könnte, gäbe es verschiedene mögliche Überzeugungen, welche Route die beste ist.

 

 

Solche Skipisten findet man oft an sonnigen Frühlingsnachmittagen, nachdem Sonne und Massen von Skifahrern ihnen schon stark zugesetzt haben. Viele Leute fühlen sich von V.U.K.A.-Skipisten überfordert und meiden sie wenn möglich. Aber wenn man sich darauf einlässt, die nötigen Grundsätze beherrscht und genügend fit ist, können solche Pisten sehr positiv sein.

Nicht nur Skipisten können V.U.K.A. sein. In verschiedenerlei Hinsicht wird die gesamte westliche Welt und das Lebensgefühl darin (auch unabhängig von Corona) immer mehr V.U.K.A.: Dauernde Veränderungen (V) werden zur einzigen Konstanten. Unsicherheit (U) macht sich breit und man weiss je länger je weniger, was einem in einem Monat, Jahr oder Jahrzehnt erwartet. Die Komplexität (K) des Lebens steigt und der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung wird immer schwieriger zu erkennen. Informationen und Sachverhalte scheinen mehrdeutig oder gar widersprüchlich, sprich ambig (A).

Eine V.U.K.A.-Skipiste souverän hinunterzufahren oder sich in einer V.U.K.A.-Welt zu bewegen braucht ähnliche Kompetenzen, die sich ebenfalls mit „V.U.K.A.“ zusammenfassen lassen, allerding in einem anderen Sinn:

V: Vision

Wer sich souverän bewegen will, braucht eine möglichst klare Vision davon, nach welchen Werten und Zielen er leben will. Auf der Skipiste wähle ich zum Beispiel in der Regel: Kurzschwünge im Zwei-Sekunden-Rhythmus.

U: Understanding (Verständnis)

Man braucht ein Verständnis von der Umwelt, die man als gegeben akzeptiert und nicht nostalgisch der Vergangenheit nachtrauert. Auf der V.U.K.A.-Skipiste auf das Pistenfahrzeug mit seiner Planierraupe zu warten, ist keine Option. Die V.U.K.A.-Welt scheint wie eine ausgefahrene Skipiste vielleicht weniger bequem als die gehabte, aber wenigstens durch die Begriffe „veränderlich, unsicher, komplex, ambig“ einigermassen verstehbar.

K: Klarheit

Auf einer ausgefahrenen Skipiste braucht es wie in einer V.U.K.A.-Welt eine gewisse Fokussierung und ein gewisses Selbstvertrauen mit leichtem Hang zur Sturheit. Ich halte meine Linie.

A: Anpassungsfähigkeit und Agilität

Bei aller nötigen Klarheit und gewissen Sturheit braucht es auf ausgefahrenen Skipisten und in unserer heutigen Welt die Fähigkeit, spontan und entspannt auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Klarheit, Fokussierung uns Selbstvertrauen müssen gepaart sein mit entspannter Anpassungs- und Adaptionsfähigkeit.

 

 

Sicher scheint mir: Die V.U.K.A.-Welt ist Realität und diese wird nicht mehr so schnell verschwinden. Für wohl 80 Prozent der Menschen dieses Planeten ist die V.U.K.A.-Welt schon längst Realität und diese Menschen haben wohl auch überhaupt kein Erbarmen mit uns. Und das brauchen auch wir nicht mit uns selbst zu haben, denn das Positive ist: Wenn so viele Menschen schon längt in einer V.U.K.A.-Welt leben, dann können auch wir es lernen! Vielleicht wirst du nie lernen, eine V.U.K.A.-Skipiste zu geniessen, aber du kannst lernen, eine V.U.K.A.-Welt zu lieben! Wenn du dich darauf einlässt, die nötigen Grundsätze beherzigst und geistlich genügend „fit“ bist, kann das Leben in der V.U.K.A.-Welt sehr positiv sein!

Wir können lernen, in einer V.U.K.A.-Welt dort, wo wir sind, Leitungsverantwortung wahrzunehmen.

Wir können lernen, in einer V.U.K.A.-Welt Kirche zu sein und zu bauen

Die V.U.K.A.-Welt bietet sogar ausgeprägte Chancen für beides. Schreibe mir doch, welche Chancen du siehst! Was sind die positiven Tugenden, mit denen wir auf „veränderlich, unsicher, komplex und ambig“ antworten können? Welche Herzenshaltungen, Denkweisen und Strategien könnten uns helfen?

 

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Der Chrischona-Turbo der 80er-Jahre

Der Chrischona-Turbo der 80er-Jahre

Der Chrischona-Turbo der 80er-Jahre

© aapsky – de.freepik.com

Fast jede christliche Gemeinde führt auf ihrer Webseite einen geschichtlichen Rückblick über ihre Entstehungszeit. Dabei stellt der aufmerksame Leser fest, dass viele Chrischonagemeinden entweder um die Jahrhundertwende in der Erweckungszeit zwischen 1890-1925 oder aber zwischen 1975-2000 entstanden sind. Meistens waren es weitsichtige, geistlich wache Pioniere, die eine Gemeinde vor Ort gegründet haben.

Die 80er Jahre waren ganz besonders innovativ und fruchtbar. Bestehende Gemeinden gründeten Ableger und Aussenstationen und versuchten den Segen ihrer Gemeinde zu multiplizieren.

Es war gang und gäbe, dass Pastoren neben ihrer Arbeit innerhalb der Gemeinde auch apostolisch tätig waren und Nachbardörfer oder Städte zu besuchten, um dort mutig neue Hauszellen zu gründen. Solche kleine Communities wurden teilweise jahrelang begleitet, bis sich später neue Gemeinden bildeten.

Dies waren Gründungen durch Ableger, Aussenstationen und Satelliten! Eine innovative Zeit! Hier ein kleiner Überblick, der aufzeigt, aus welchen Gemeinden eine evangelistische Arbeit initiiert wurde, die dann später zu einer Gemeindegründung führte und die heute als etablierte Gemeinde gilt. Bitte überlege dir beim Lesen, was passieren könnte, wenn wir heute wieder so bewusst unsere Begeisterung für Gott multiplizieren würden.

 

Neue Gemeinde Sendende Gemeinde
Rümlang Aussenstation von Buchs
Oberweningen Aussenstation von Buchs
Brunnadern Aussenstation von Wattwil
Nesslau Aussenstation von Ebnat Kappel
Pfyn/Felben Aussenstation von Frauenfeld u. Weinfleden
Steckborn Aussenstation von Stein am Rhein
Rüti Aussenstation von Gossau
Aadorf Aussenstation von Weingarten
Hinwil Aussenstation von Gossau
Dottikon Aussenstation von Lenzburg
Schinznach Aussenstation von Brugg
Sursee Aussenstation von Kirchleerau
Schöftland Aussenstation von Kirchleerau
Sierre Aussenstation von Sion
Saas Grund Aussenstation von Sierre
Giubiasco Aussenstation von Locarno
Ins Aussenstation von Neuchâtel
Oberdorf Aussenstation von Ziefen u. mission. Dienst
Arth und Brunnen aus Kontaktmission Innerschweiz mit Richard Stäheli
Frick Neugründung missionarischer Dienst
Mendrisio Neugründung missionarischer Dienst
Lugano Neugründung missionarischer Dienst
Schattdorf Neugründung missionarischer Dienst
Montreux Neugründung missionarischer Dienst

Dieser Gründerwille und innovative Geist der 80er Jahre kam aus einer starken Sehnsucht vieler Pastoren und der Leitung von Chrischona, die Schweiz noch mehr mit dem Evangelium zu erreichen. Ein Missionsteam rund um den Missionar und späteren Regionalleiter Richard Stäheli setzte drei Schwerpunkte:

  • Missionierung der katholischen Regionen in der Schweiz
  • Missionarische Ferienwochen
  • Schulung der Gemeinden zu missionarischem Lebe

Dieses Konzept wurde während rund 30 Jahren hartnäckig verfolgt und wir sehen heute die positiven Früchte dieser Strategie. Ein berührendes Beispiel dazu erzählte Fritz Rolli, pensionierter Pastor, in einem Interview zum 25-Jubliäum der Chrischona Gemeinde Frick. Er wollte die Strategie missionarischen Handelns einfach umsetzen. Treu und mit Leidenschaft. Er gründete 1986 einen Hauskreis in Frick als es noch keine Gemeinde gab. Auslöser war die Sorge um eine junge Frau, die gerade nach Frick geheiratet hatte. Sie hatte sich damals in Reinach frisch bekehrt und Fritz wollte sicherstellen, dass sie in ihrem Glauben im katholischen Gebiet gut betreut war. So ging er alle 14 Tage von Reinach AG nach Frick und begleitete eine kleine Hausgemeinde von 4 Personen. 1987 wurde dann die Gemeinde offiziell gegründet mit 11 Erwachsenen und 13 Kindern. Heute existiert in Frick ein wachsende mittelgrosse Chrischona Gemeinde. Es ist beeindruckend, wie dieser Mann einfach und mit Hingabe den Grundstein einer neuen Gemeinde gesetzt hat. Im Interview zum Jubiläum sagte Fritz Rolli:

«Ich war nicht so begabt in meinem Dienst im Allgemeinen, ich bin erstaunt, was aus diesem Hauskreis geworden ist – Gut, dass ich da drangeblieben bin und Gott mich so brauchen konnte.»

Das gemeinsame Anliegen Menschen zu Jesus zu führen und das ernsthafte Bestreben mit Gott für sein Reich zu leben und zu handeln, dies waren die Turbomotoren der achtziger Jahre.

Der damalige Inspektor Aeschlimann sagte dazu: «Weil nur in Jesus Christus das Heil ist, bemühen wir uns, unsere Mitmenschen mit Jesus bekannt zu machen».

Heute leben wir in anderen Zeiten und mit anderen Menschen, aber die Schweiz braucht wieder neue Gemeinden und neue Formen von Gemeinden. Was aber auffällt, ist der Community Aspekt. Er ist immer noch da. Damals wie heute finden Menschen durch kleine authentische Gruppen Zugang zum Glauben. Im Kreis dynamischer leidenschaftlicher Christen, die sich durch Jesus verbunden wissen, entsteht ein Momentum der Hingabe. Im Wohnzimmer und im Garten ist es einfach, offen zu reden und zu beten, zu singen und sich einander anzuvertrauen. Jesus ist mitten unter uns, besonders wenn wir ihn zusammen anrufen. Jesus, sein Geist und seine Kraft sind unsere grösste Hoffnung. Was gibt es Besseres als immer mehr Menschen in diese Gemeinschaft hineinzubringen. Er wird uns in alle Ewigkeit begleiten.

Stefan Fuchser

Stefan Fuchser

Regionalleiter Romandie/Basel/Ticino und Leiter Gemeindepflanzungsteam

Stefan ist verheiratet mit Prisca und hat drei erwachsene Kinder. Er ist für die flächenmässig grösste Chrischona-Region zuständig und macht sich in unserem Team für Gemeindegründungen, Weiterbildung der Pastoren und die Mehrsprachigkeit unseres Movements stark.

Merkmale echter Chrischona Gemeinden

Merkmale echter Chrischona Gemeinden

Merkmale echter Chrischona Gemeinden

Zukunft braucht Herkunft. Im Rahmen einer Serie setzen wir uns daher mit unseren Wurzeln auseinander. Wir beleuchten Persönlichkeiten und Umstände, die für unsere Gründerzeit prägend waren. Teil 4 widmet sich drei charakteristischen Merkmalen der ersten Gemeindegründungen.

Ein Jahr nach dem Versterben von Carl-Heinrich Rappard schrieb seine Frau Dora 1910 seine Biografie. Sie enthält wichtige Hinweise dafür, wie innerhalb von 40 Jahren über 60 Chrischona Gemeinden gegründet werden konnten. Drei Aspekte waren offenbar entscheidend.

Einladung an Menschen

1869 wurde Wilhelm Baumbach als erster Evangelist von St. Chrischona nach Mattwil (TG) gesandt. 1871 waren es bereits vier Evangelisten in verschiedenen Regionen der Schweiz. 1872 kam Markus Hauser als Evangelist nach Mattwil, um die Arbeit des inzwischen verstorbenen Wilhelm Baumbach weiterzuführen. Er reiste von Ort zu Ort und hielt stark besuchte Stubenversammlungen. Weil die Wohnzimmer bald zu klein wurden, erbauten Gläubige der Region in Mattwil die erste Chrischona-Kapelle mit Platz für 250 Personen. Sie wurde am 10. August 1873 eingeweiht.

Die ersten Gemeindegründer nannte man „Evangelisten“ und sie verstanden sich auch als solche. Sie wollten, dass die Menschen die christliche Botschaft nicht nur vom Hörensagen her kannten. Man folgte der Vision, dass sich Menschen vom Evangelium berühren und zu einem Leben mit Jesus einladen lassen. Rappard schrieb über die Evangelisten: „Die Umstände bringen es mit sich, dass sie unter den für Jesus Gewonnenen auch als Hirten und Lehrer zu wirken haben, wie denn auch mancher ‚Hirte‘ entschieden in evangelistischer Weise arbeitet.“ Es ging diesen Evangelisten um „innere Mission“ unter „Namenchristen“.

Die ersten Gemeindegründer wurden „Evangelisten“ genannt. Sie wollten Menschen zu einer lebendigen Beziehung mit Jesus einladen und sie in dieser Beziehung stärken. Lasst uns diese gewinnende Sucherorientierung weiterhin hochhalten!

Bekenntnis zu Jesus und zur Bibel

In den 1870er-Jahren wurde in den schweizerischen evangelischen Landeskirchen die Verpflichtung auf das Apostolische Glaubensbekenntnis aufgehoben. Dies führte dazu, dass nicht-liberale Pfarrer und Gläubige sich von den Landeskirchen distanzierten und neue Gemeinschaften gründeten, unter anderem Chrischona Gemeinden.

Rappard wollte ursprünglich keine eigene Chrischona Kirche gründen. Er erklärte noch 1900: „Wir wollen keine neue Denomination einführen.“ Stattdessen wolle man Menschen zu Jesus führen und „die zu ihm Gebrachten“ in Gemeinschaften sammeln und pflegen. Rappard war überzeugt, dass diese Arbeit in der Landeskirche Raum habe. Er betont die Tatsache, dass überall da, wo lebendige Gemeinschaften sind, „der Besuch der kirchlichen Gottesdienste (sofern sie von gläubigen Seelsorgern gehalten sind) ein regerer geworden ist.“ Von ausserhalb kategorisierte man diese Gemeinschaftsarbeit mit ihren Erbauungs-, Bibel- und Gebetsstunden zum Teil in einer abwertenden Weise als „Stündeliwesen“, ihre Teilnehmenden als „Stündeler“. Trotz ursprünglich anderer Absicht traten aber dann mit der Zeit zahlreiche Gläubige aus den Landeskirchen aus und aus den Erbauungs-Versammlungen wurden Chrischona Gemeinden. Rappard stellte später fest: „Wo die Vertreter der Landeskirche den biblischen Boden verlassen haben und einen andern Christus verkündigen, als die Apostel es taten, bleiben die Gemeinschaftsglieder von solchen Gottesdiensten fern.“ Mit pointierten Worten erklärte Rappard schliesslich: „Wir sind es, die in der Kirche bleiben, die wir das Bekenntnis festhalten, auf dem die Kirche ruht: ‚Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.‘ Die diesen Felsengrund aufgeben, das sind die ‚unkirchlichen Leute‘.“ Und er machte deutlich, woran sich dies zeigen soll:

„Um zu widerstehen den vielen Versuchungen unserer Zeit, ist es nötig, zu bleiben auf den alten, klaren, bewährten Wegen der Bibel. Dann wird man nicht irren, weder nach rechts in unnüchterne Überschwenglichkeiten, noch nach links in Lauheit und Weltförmigkeit.“

Die ersten selbstständigen Chrischona Gemeinden entstanden in Abgrenzung zu einer liberalen, rationalistischen, bibelkritischen Theologie. Trotz teilweisen Verunglimpfungen hielt man am vollen Vertrauen in die Bibel fest. Lasst uns diese gegründete Theologie weiterhin hochhalten!

Wirken des Heiligen Geistes

Rappard schrieb: „Dass in unseren Kirchen, Versammlungen und Anstalten landauf, landab ein tiefes Bedürfnis ist nach geistlicher Erleuchtung und Kraft, ist nicht zu leugnen.“ Und auf die Frage, wie Erweckung geschehen kann, antwortete er: „Werden die Kinder Gottes lebendig, tun wir aufrichtig Busse, lassen wir uns reinigen, und erwacht in uns der Geist des Gebets, so wird Gott antworten.“ Woraufhin er fragt: „Warum soll das Wort Jesu sich nicht erfüllen, dass von denen, die an Ihn glauben, Ströme lebendigen Wassers [des Heiligen Geistes] fliessen sollen?“ An anderer Stelle betont er:

„Was wir brauchen, wenn wir Zeiten der Erweckung erleben wollen, das sind nicht [in erster Linie] neue Methoden und Ausdrücke, sondern es sind geisterfüllte Menschen, in deren Herzen das Feuer des Herrn brennt und die darum dieses heilige Feuer verbreiten. … Wir müssen uns von dem Heiligen Geist als Werkzeuge gebrauchen lassen und so gefügig werden in der Hand Gottes, wie die Feder in der Hand des Schreibers … damit wir, wenn der Herr uns dazu treibt, die Schranken althergebrachter Sitten durchbrechen können.“

Erweckliche Aufbrüche geschahen durch das Wirken des Heiligen Geistes. Durch Busse und Gebet suchte man als Gläubige die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Lasst uns diese lebendige Spiritualität weiterhin hochhalten!

Die Kombination ist entscheidend

Authentische Sucherorientierung, gegründete Theologie und lebendige Spiritualität lassen sich verbinden und müssen geradezu miteinander verbunden werden.

Unser Bekenntnis und unsere Spiritualität sind ohne Einladung an unsere Mitmenschen egoistisch. Unserer Sucherorientierung und unserer Spiritualität fehlt ohne Bekenntnis zu Jesus und zur Bibel die verlässliche Grundlage. Unsere Einladung und unsere Theologie sind ohne Wirken des Heiligen Geistes kraftlos.

Wir brauchen alle drei Aspekte:
• Einladung an Menschen (authentische Sucherorientierung)
• Bekenntnis zu Jesus und zur Bibel (gegründete Theologie)
• Wirken des Heiligen Geistes (lebendige Spiritualität)

Dies galt zumindest für die ersten Chrischona Gemeinden? Gilt dies heute noch? Sind andere Aspekte entscheidender? Was wird uns auch in die Zukunft führen?

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Carl-Heinrich Rappard

Carl-Heinrich Rappard

Carl-Heinrich Rappard

Zukunft braucht Herkunft. Im Rahmen einer Serie setzen wir uns daher mit unseren Wurzeln auseinander. Wir beleuchten Persönlichkeiten und Umstände, die für unsere Gründerzeit prägend waren. Teil 3 widmet sich dem zweiten Leiter der Pilgermission.

Innert 37 Jahren war Carl-Heinrich Rappard mitbeteiligt an über 60 Gemeindegründungen. Der damalige Leiter des Chrischona-Werks hatte 1869 den ersten Missionar in die Schweiz ausgesandt. Wenige Wochen vor seinem Tod eröffnete Rappard im Thurgau das 62. Vereinshaus. Damit ist Carl-Heinrich Rappard der geistliche Vater unseres Movements.

Angefangen hat diese explosionsartige Gemeindegründungsbewegung gegen Ende des 19. Jahrhunderts, durch eine tiefe Krise im Leben einiger christlichen Leiter. Rappard war damals Leiter der Pilgermission und einer derjenigen, der an der Oberflächlichkeit der Christen litt. Die Sehnsucht nach neuer voller Hingabe und Ausrüstung mit dem Heiligen Geist prägten sein Leben. Er schrieb damals (Rappard Dora 1910:29):

«Herr lass uns Leute werden, wie es die ersten Diakone waren: Männer voll Glaubens und Heiligen Geistes.»

Rappard war ein sehnsüchtiger Mann, der den Segen Gottes suchte, der bereit war, alles zu tun, damit Gott wirken kann. Und er litt darunter, wenn Menschen im Glauben unentschlossen und lau waren. Er betete regelmässig kniend vor Gott und bat um das Wirken des Heiligen Geistes.

1874 nahm er mit seinem Schwager an der Erweckungskonferenz in Oxford teil, an welcher 3000 Teilnehmer innere Erneuerung suchten. Obschon die meisten dort bereits engagierte Christen waren, hatten sie ein inneres Verlangen nach mehr Freude an Gott und nach mehr Verwirklichung des Reiches Gottes.

Nach einer intensiven Konferenzzeit der Hingabe und der Busse erlebte Rappard während einer Nacht ein neues Aufatmen in der Gegenwart Gottes. Er schreibt (Rappard 1875:9):

«Ich muss es freudig bezeugen, dass ich einmal auf meinem Lager während mehrerer Stunden der Nacht nichts anderes tun konnte, als den süssen Vaternamen in meinem Herzen zu bewegen. ⦋…] Ein seit der ersten Liebe schmerzlich vermisster oder auch wohl noch nie gekannter Friede mit einem freudigen Gefühl der Nähe eines versöhnten Gottes erfüllte die Herzen.»

Für viele Teilnehmer war diese Begegnung mit Gottes Gnade und Liebe eine Antwort auf die Suche nach einer inneren Erneuerung durch Gottes Geist. Rappard schreibt später darüber in der Schrift «des Christen Glaubensweg» (1875:11/Bd1):

«Das auf den Altar gelegte, lebendige Opfer empfängt das Feuer von Gott.»

Reich mit diesen wertvollen Erkenntnissen reiste Rappard zurück in die Schweiz, wo er auf St. Chrischona ähnliche Erweckungsveranstaltungen durchführte, die ebenso zu neuer Hingabe und Erweckung unter den Studenten führte.

Rappards Berichte über seine Erfahrungen öffneten überall in der Schweiz die Türen. Eine geistliche Erweckung begann viele Menschen zu erfassen, sowohl Christen wie Nichtchristen. Rappard war einer der ersten, der in Basel Evangelisationsveranstaltungen einführte. Er wollte möglichst viele Menschen zu einer Begegnung mit der Kraft und Gegenwart Gottes einladen. 1875 mietete er ein altes Zirkuszelt für ein paar Tage zum Thema «Helle Wochen», um dort mit O. Stockmeyer, E. Schrenk, A. Vischer und J.J. Riggenbach zu evangelisieren. Rappard sagt später zu seiner Frau, dass Menschen zu Jesus rufen «meine Lust» ist (D. Rappard 1919:41). Er führte tatsächlich viele Menschen zu einem lebendigen Glauben und begann eine intensive Reisetätigkeit als Evangelist in der Schweiz und in ganz Europa.

Die Motivation für seine Berufung fasst er folgendermassen zusammen (1877:222/Bd3):

«Der versöhnten Seele zu bezeugen, wie sie in Wahrheit durch völlige Übergabe und völligem Glauben bis zu dem persönlichen Jesus hindurchdringen solle, um dann an dieser Quelle aller Segnungen und aller Heiligung zu bleiben, auch mitten in der Unruhe des irdischen Lebens.»

Diese Erneuerungsbewegung verbunden mit evangelistischen Aktivitäten in der ganzen Schweiz brachte einen geistlichen Aufbruch. Nicht nur Rappard, auch andere Leiter und Pastoren erlebten eine Erweckung und erzählten davon. Die Hingabe, die Neuausrüstung mit dem Heiligen Geist war der Anfangspunkt einer flächenartigen Erweckung in der Schweiz. Viele Gemeinden wurden gegründet. Chrischona Gemeinden entstanden zuerst im Thurgau, dann in der Westschweiz und im Aargau.

Ich habe mich gefragt, warum gerade zu dieser Zeit eine solche Erweckung Fuss fassen konnte. C.H. Rappard gibt uns dazu einen entscheidenden Hinweis, der das Empfinden der damaligen Zeit widerspiegelt. Er schreibt über seine erste Zeit im Dienst für Gott, noch bevor er in Oxford die innere Erneuerung erlebt hat (CGW 1875:4/Bd1):

«Ich bin überzeugt, dass Tausende von gläubigen Christen mich verstehen werden, wenn ich sage, dass ich seit meiner Bekehrung zum Herrn und einer zehnjährigen Arbeitszeit als Zeuge des Evangeliums, oft schmerzlich den Mangel an innerer Heiligung vermisste.»

Warum wohl? Pietisten waren eifrige Leute, Umsetzer der biblischen Wahrheiten, Bibelkenner, die ihren Glauben praktisch umsetzten, aber ihre «Arbeit für den Herrn» liess der Innerlichkeit zu wenig Platz. Auf dem aktivistischen Boden des Pietismus wirkte die Entdeckung der Liebe von Jesus und der Gegenwart des Heiligen Geistes wie frische Luft für die müden Arbeiter. Ein Aufatmen ging durch die Reihen, vor allem deshalb, weil nicht nur Christus wortreich in den Mittelpunkt gestellt wurde, sondern seine Kraft und seine Gegenwart die müden Herzen tatsächlich berührte und erneuerte.

So ist es! Das Chrischona Movement in der Schweiz wurde durch begeisterte Anhänger von Jesus und das Wirken des Heiligen Geistes gegründet. Wir sind entstanden aus einer Jesusbegegnung und einer Geist Gottes Bewegung! Was heisst das für heute?

Stefan Fuchser

Stefan Fuchser

Regionalleiter Romandie/Basel/Ticino und Leiter Gemeindepflanzungsteam

Stefan ist verheiratet mit Prisca und hat drei erwachsene Kinder. Er ist für die flächenmässig grösste Chrischona-Region zuständig und macht sich in unserem Team für Gemeindegründungen, Weiterbildung der Pastoren und die Mehrsprachigkeit unseres Movements stark.

Christian F. Spittler

Christian F. Spittler

Christian F. Spittler

Zukunft braucht Herkunft. Im Rahmen einer Serie setzen wir uns daher mit unseren Wurzeln auseinander. Wir beleuchten Persönlichkeiten und Umstände, die für unsere Gründerzeit prägend waren. Teil 2 beleuchtet den Gründer der Pilgermission.

Es war der 8. März 1840, genau vor 180 Jahren, als Spittler gemeinsam mit dem Schreinermeister Epple und seiner Adoptivtochter Susette in dem zerfallenen Kirchlein St. Chrischona betend niederknien, um das verwahrloste Gotteshaus als Ausgangspunkt ihres kirchlichen Start-Up-Unternehmen zu weihen.

Genau genommen war es bereits der mindestens vierte Versuch eine Pilgermissionsanstalt für Handwerker ins Leben zu rufen, nachdem Spittlers Anläufe in Kandern, Grenzach-Wyhlen (ehemaliges Kloster Himmelspforte) und Riehen gescheitert waren. Dieses Mal allerdings zündete seine innovative Idee, dass man auf St. Chrischona erstmals praktische Handwerker biblisch-theologisch ausbildet, damit diese anschliessend als wandernde Pilgermissionare und Bibelkolporteure national und international auf Reisen geschickt werden, um Menschen auf Jesus Christus hinzuweisen.

Frei nach dem Motto: «Global denken und lokal handeln, gründete Spittler ca. 30 sozial-christliche Unternehmen, die durch verschiedenste Aussenstationen auf mehreren Kontinenten breit verteilt aufgestellt waren. So hatte Chrischona bereits Ende des 19. Jahrhunderts mitunter «Filialen» in Texas, Israel, Russland, Deutschland, Jugoslawien, Äthiopien und China.

Obwohl Spittler als überzeugter Nichtraucher galt, lautete sein Credo:

«Was hilft’s, wenn wir beim warmen Ofen und einer Pfeife Tabak die Notstände der Zeit bejammern, Hand anlegen müssen wir, und sei es auch ganz im Kleinen.»

Wie bescheiden der ideenreiche Tausendsassa dabei über sich selbst und seine innovativen christlichen Projekte urteilte wird an folgendem Zitat deutlich:

«Der Herr hat nebenbei bewiesen, dass er auch das Nichts, (das) gar Nichts aus grosser Gnade zu etwas machen will und kann.»

Auch wenn Spittler bei zahlreichen grösseren Start-Ups (Basler-Missionsgesellschaft, Schullehrer-Anstalt in Beuggen, Diakonissen-Anstalt in Riehen, Taubstummen-Anstalt in Beuggen, oder Kinderspital in Klein-Basel) beteiligt war, verlor er dabei den einzelnen Menschen und dessen Bedürfnisse nie aus dem Blick. Sein Mission-Statement definierte er mit folgenden Worten:

«Den Strom des Verderbens können wir zwar nicht aufhalten; aber unsere Sache ist es, einzelne aus demselben herauszuretten; und es gibt nichts Anziehenderes und Interessanteres als in dieser Weise für den Herrn zu arbeiten.»

Parallel zu seiner sozial-missionarischen Ausrichtung, dass Menschen erstmals von Jesus hören und ihnen sozial-diakonische Hilfe durch praktische christliche Nächstenliebe zu Teil wird, war es Spittler auch ausserordentlich wichtig, dass Christen nicht wieder «rückfällig» werden, und sich irgendwann von Glauben, Kirche und Bibel wieder verabschiedeten. Aus diesem Grund prägte und wiederholte Spittler bei vielen Gelegenheiten immer wieder den Slogan:

«Es ist nicht genug, durch das Evangelium die Heiden zu Christen zu machen, wir müssen auch sorgen, dass unsere Christen nicht wieder Heiden werden.»

Bei vielen Erfolgen, die Spittler immer wieder verzeichnen konnte, hatte er aber auch permanent mit Herausforderungen und Niederlagen zu kämpfen. Oft fehlte es an finanziellem Kapital für seine Projekte, oder man verweigerte ihm von höherer Ebene die Zustimmung für geplante Vorhaben. Immer wieder verliessen auch treue Mitarbeitende das Unternehmen und auch damals schon gab es eine Art kirchlichen Fachkräftemangel. Doch Spittler war nicht problem-, sondern stets lösungsorientiert. «Neue Not, neue Hilfe!», lautete seine Maxime. In jeder Krise, sah er zeitgleich auch eine Chance, in der sich Gottes unterstützende Grösse offenbaren kann.

«Wir wollen aber nicht sowohl auf die Schwierigkeiten als vielmehr auf die allmächtige Hilfe dessen sehen, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden.»

Durch sein aussergewöhnlich organisatorisches Talent und seine beziehungsorientierte Art hatte sich Spittler, als Sekretär bei der Basler-Missionsgesellschaft ein grosses Netzwerk an internationalen Partnern & kirchlichen Verbündeten aufgebaut. Allein seine schriftliche Korrespondenz umfasste ca. 25.000 Briefe. Heute hätte Spittler sicher viele «Follower» und «Freunde» auf sozialen Netzwerken, um sich mit Gleichgesinnten zu verbünden und über aktuelle Geschehen im kirchlichen Kontext informiert zu sein. Spittler war überzeugter Christ mit Unternehmensgeist, der stark an Allianzen interessiert war und sich bewusst in kirchliche Kollaborationen investierte. «Wo er auf echtes Christsein stösst, ist es ihm egal, ob die Leute Katholiken, Lutheraner oder Reformierte sind.» Schon vor 200 Jahren bemängelte er die kirchliche Zersplitterung und das christliche Silo-Denken, da es so viele wichtige Ressourcen absorbiert, um sich sozial-missionarisch und gesellschaftsrelevant zu investieren. «Ach, ich möchte Blut weinen, wenn Männer, von denen ich zuverlässig weiss, dass sie in Hauptpunkten einig sind, sich in untergeordneten Punkten streiten.»

Trotz seinem nie ruhenden Geschäftssinn und seiner permanenten Investitionsbereitschaft für neue christliche Start-Ups, war sich Spittler sehr bewusst, dass er lediglich als «Handlanger Gottes» und nur als ein Angestellter in Gottes Reich beschäftigt ist. Immer wieder musste er seinen eigenen Elan bremsen, um Gottes Absichten nicht «vorauszueilen». Die wirkliche Innovationskraft für seine Projekte bekam der Tausendsassa, allerdings nicht aus sich selbst heraus, sondern er formulierte Erfolge wie folgt:

«Wir müssen eben warten, bis sich eins ums andere entwickelt. Unser Glaube muss geübt und ins Gebet getrieben werden, eher er siegen kann.»

Welch ein «ideenreicher Tausendsassa und innovativer Start-Up Gründer» Spittler wirklich war, bringt die Todesanzeige eines Missionsblattes der Baslermission 1867 auf den Punkt:

«Als Sekretär der deutschen Christentumsgesellschaft gingen ihm durch die Korrespondenz und die persönliche Bekanntschaft mit vielen Gottesmännern erst recht die Augen auf über das unermessliche Elend der Menschheit und über die Liebe und Kraft Gottes und Jesu Christi. Dies ergriff er mit fester Glaubenszuversicht und tatkräftiger Liebe; und hingebungsvoll, furchtlos, in hohem Grad erfinderisch, unermüdlich, unwiderstehlich, wie er von Natur aus schon war, und durch Gottes Gnade immer mehr wurde, schritt er nun an die Gründung einer menschenfreundlichen und christlichen Anstalt nach der anderen: Pläne sinnend, Freunde für sie suchend und gewinnend, Gelder sammelnd, Komitees organisierend; wenn die Sache im Gang, sich zurückziehend; wenn sie ins Stocken geraten wollte, wieder hervortretend und abermals verschwindend, aber bis ins hohe Alter und bis aufs Sterbelager die Überzeugung festhaltend, immer noch mehr könne und solle und müsse geschehen für das Heil der Verlorenen, und das sei sein von Gott ihm angewiesener Beruf.»

Christian Friedrich Spittler war ein begnadeter Netzwerker, ein Organisationsgenie und Meister im Sammeln von Spenden. Immer wieder suchte er nach Antworten auf die Not seiner Zeit. Sein Lieblingswerk wurde die 1840 von ihm gegründete Pilgermission St. Chrischona in Bettingen.

Christian Seitz

Christian Seitz

Regionalleiter Mitte

Christian lebt in Zug, ist verheiratet und hat drei Kinder. Zur Region Mitte gehören Gemeinden in den Kantonen Aargau, Bern, Luzern, Schwyz, Uri, Zürich und Zug. Seine Leidenschaft gilt den Zweirädern, motorisiert oder nicht.