Kirchliche Führung in der VUKA-Welt

Kirchliche Führung in der VUKA-Welt

Kirchliche Führung in der VUKA-Welt

© liufuyu

Eine Frage, die sich gerade jetzt nach einigen Monaten der Pandemie-Erfahrung mit COVID-19 stellt, lautet: «Wie können wir als Chrischona Kirche jetzt, in unserer heutigen Welt ge-sellschaftsrelevant Christsein leben und gleichzeitig Menschen auf den biblischen Glauben aufmerksam machen?»

Eines ist dabei schon zum Vorschein gekommen und vielen klar: Einfach so mit Kirche weitermachen, wie das vor «Corona» gelebt wurde, wird in Zukunft wohl nicht mehr zielführend sein. Denn viele Christen stellen sich momentan die Frage, warum sie wieder Gottesdienste und gemeindliche Veranstaltungen regelmässig besuchen sollen, wenn es doch jetzt auch sehr leicht per livestream von zu Hause oder mobil von unterwegs möglich ist, online an Kirche teilzunehmen?

Das ursprünglich aus dem Militär stammende Akronym VUKA gab es bereits lange bevor von gesellschaftlichem «Lock-Down» und «sozialer oder physischer Distanz» die Rede war. Aber gerade durch die aktuelle Krise wurde vielen bewusst, dass sich unsere Welt nicht nur schneller bewegt und verändert, sondern dass sie auch wesentlicher komplexer zu verstehen ist und vieles unübersichtlich zusammenhängt. Unser Leben gleicht oft einem Mobilee, dass an einem Ort angestossen, an vielen anderen Stellen ebenfalls in Bewegung/Unruhe kommt.

VUKA bedeutet ausgeschrieben:

V          Volatilität

U         Unsicherheit

K          Komplexität

A          Ambiguität

VUKA bringt vier Herausforderungen auf den Punkt, denen sich Kirche in einer zunehmend globalisierend-digitalisierten Welt stellen muss. Das Zusammenspiel und die Abhängigkeit einzelner Fragestellungen zueinander kann man wie folgt definieren:

«Sind viele einzelne Teile miteinander verbunden (strukturelle Komplexität), so kann eine Veränderung in einem Teil eine Kettenreaktion bei anderen auslösen (Volatilität). Dadurch wird es viel schwieriger, die Situation richtig einzuschätzen (Ambiguität), was sichere Prognosen erschwert (Unsicherheit). Oder einfach erklärt: Niemand wird erklären und voraussagen können, was passiert und sich ändert, wenn man eine einzelne Spaghetti aus einem vollen Teller Nudeln mit seiner Gabel aus dem Teller „fischt“? An der einen Spaghetti bleiben vielleicht andere mit hängen, die Anordnung der gesamten Teigware auf dem Teller ändert sich und wird „durcheinander“ gebracht…

Noch bis vor wenigen Jahren hat man in unseren Kirchen (platonisch geprägt) meist sehr dualistisch gedacht. Man sprach entweder von «Himmel & Hölle», «gut oder böse», «konservativ oder liberal» und von «richtig oder falsch» Jede Ursache hatte ihre eigene Wirkung und jede Tat zog ihre eigene Konsequenz nach sich. Vieles wurde in solchen gegensätzlichen «Komplementär-Paaren» gedacht und beschrieben. Was ja durchaus auch Sinn macht, wenn man dem zu Grunde legt, dass es lediglich zwei Optionen gibt, zwischen denen zu wählen und auch zu unterscheiden ist.

Dennoch ist unsere Welt, wir Menschen und auch der biblische Glaube deutlich komplexer, als dass man es in einem bloss binären Denken verstehen und zusammenfassen könnte! (siehe Spaghetti-Teller) Duales Denken zeigt sich zwar gerade in Krisen extrem hilfreich, da in ausserordentlichen (Krisen-) Situationen oft schnell, zeitnah, für alle Betroffenen klar entschieden und gehandelt werden muss.

Allerdings zeigt uns schon die Trinität Gottes etwas von der Komplexität, die Gott nicht nur als Vater und Sohn veranschaulicht, sondern sich auch in der zusätzlich dritten Person des Heiligen Geistes manifestiert und uns offenbaren will. Schon diese geistliche Tatsache ist für manche Christen bereits eine (unüberschaubare) spirituelle Überforderung;-)

Nun steht es frei, sich über die Art und Weise, wie sich die Welt, unsere Umgebung und ihre Menschen in ihrer Vielfalt und gleichzeitigen Individualität präsentieren, aufzuregen. Man kann die Schnelllebigkeit, Optionenvielfalt und Komplexität, mit der sich Dinge heute verbinden entweder ignorieren, simplifizieren, oder aber sich auf sie einlassen und dadurch partizipieren.

Was man aus meiner Sicht aber nicht mehr kann, ist diese Diversität zu leugnen! Wir können uns als Kirche nicht der Tatsache entziehen, dass unsere (kirchliche) Welt nicht (mehr) zu überschauen und einfach, oder zwiefach zu erklären ist!

Daher braucht es heute christliche Führungskräfte (Pastoren), die sich dieser herausfordernden VUKA-Welt stellen und mit Gottes Hilfe bestmöglich, Kirche und ihre Mitglieder in dieser Herausforderung, führen. Der immer grösser werdenden Geschwindigkeit und der volantilen Dynamik von Veränderungen, sollte eine Vision entgegengesetzt werden, die den Zweck wichtiger macht als die Art und Weise, wie man einen bereits angedachten Plan umsetzt. Denn das «why» ist immer wichtiger als das «how». In der gegenwärtigen Form, dass und wie hybride Gottesdienste gestaltet werden, ist das bereits geschehen und dabei darf nicht stehengeblieben werden. Die gesellschaftlichen Schutz-Massnahmen von Corona werden noch weitere Planänderungen mit sich bringen, wie relevante Kirche zukünftig aufgestellt werden muss.

Die Unsicherheit in der Voraussehbarkeit, wie sich etwas entwickeln wird, braucht Mut auch kleine Schritte zu wagen, experimentierfreudig zu werden, ohne genau zu wissen, wo man am Ende ankommen oder landen wird. Langfristige Planung sollte nur noch in dem Masse geschehen, wie man auch die Bereitschaft hat, aufgrund zeitnaher Ereignisse, die erarbeiteten Pläne gegebenenfalls wieder in Frage zu stellen und in Folge der neuen Situation auch verwerfen zu können.

Bei der grossen Komplexität von Handlungs-, Wahl- und Interessenoptionen einzelner Individuen, braucht es einen noch gezielteren Fokus und eine betonte Klarheit, die dem unüberblickbaren (Meinungs-)Chaos innerhalb und ausserhalb der Kirche doch Sinn geben.

Da auch die christliche Welt mehrdeutig und viele biblische Themen breit interpretierbarer geworden sind, braucht es eine hohe Ambiguitätstoleranz von uns Christen, um die verschiedenen individuellen Wahrnehmungen zunächst auszuhalten, ohne sie gleich (alle) an- oder übernehmen zu müssen.

Eine neue geistliche Bescheidenheit ist notwendig, die sich auch zu den Grenzen menschlicher Plan- und Machbarkeit bekennt, ohne dabei gleich passiv oder lethargisch zu werden. Genauso wenig wie wir Menschen Gott (ganz) verstehen und (komplett) einordnen können, weil er transzendent und damit ausserhalb unserer Immanenz existiert, sollten wir anerkennen, dass wir auch das (kirchliche) Leben, wie es uns tagtäglich neu begegnet, nicht permanent steuern oder ständig beherrschen können.

Als Jesus Christus die Verantwortung für das neuentstandene christliche Start-Up an seine 12 Führungsleute überträgt, verabschiedet er sich mit der empathischen Wahrnehmung für seine Jünger: «In dieser (herausfordernden) Welt habt ihr Angst». Aber gleichzeitig empowert/ermächtigt er sie mit der tröstlichen Gewissheit seiner göttlichen Kompetenz, dass er «die Welt, seit seiner Auferstehung an Ostern, doch bereits für uns überwunden» hat.

Genau die Tatsache, dass Kirche von Jesus Christus bereits seit 2000 Jahren, in dieser sich ständig veränderten Welt Bestand hat, gibt Hoffnung und Zuversicht, dass wir den aktuellen und kommenden Herausforderungen gewachsen sind. Denn Jesus ist in diese Welt gekommen, um seine Kirche, gemeinsam mit uns zu bauen und nichts und niemand wird sie seiner Prognose nach, überwältigen können (Mt. 16,18). Aus diesem Grund ist der «Purpose» (Zweck, Absicht, Bestimmung) der Kirche wichtiger als das «How», also die Art und Weise wie sich Kirche zeigt und äussert. Es gilt die äusseren Erscheinungsformen und Strukturen von Kirche ständig den wechselnden Gegebenheiten anzupassen, denn «nichts ist so beständig wie der Wandel», äusserte sich schon der griechische Philosoph Heraklit. Während der kostbare Inhalt des befreienden Evangeliums von Jesus Christus, eine allgemein- und ewiggültige Botschaft ist, damit Menschen erstmals zu ihrem Schöpfergott finden und auch dauerhaft bei ihm bleiben.

Die VUKA-Welt kann einem Angst machen, muss es aber nicht! Denn wir leben mit der Zusage von Jesus Christus, dass er uns an jedem einzelnen Tag unseres Lebens und in unseren Aufgaben (Mission) begleitet, bis er wiederkommt. Dann wird Jesus die Gesamt-Situation so verändern, dass es nicht mehr vuka-mässig in der Welt zugehen wird, sondern innerliche Ruhe mit äusserer Gelassenheit einher geht… 

Christian Seitz

Christian Seitz

Regionalleiter Mitte

Christian lebt in Zug, ist verheiratet und hat drei Kinder. Zur Region Mitte gehören Gemeinden in den Kantonen Aargau, Bern, Luzern, Schwyz, Uri, Zürich und Zug. Seine Leidenschaft gilt den Zweirädern, motorisiert oder nicht.

Auf ins V.U.K.A.-Erlebnis!

Auf ins V.U.K.A.-Erlebnis!

Auf ins V.U.K.A.-Erlebnis!

© anatoliy_gleb – de.freepik.com

Für viele Leute sind Traum-Skipisten frisch planiert, bequem zu fahren, ohne jegliche unwillkommene Überraschung. Pisten, wo man noch die Rillen des Pistenfahrzeuges sieht. Andere Leute träumen von Skipisten, auf denen einige Zentimeter unberührten Neuschnees liegen, man wie auf Watte fährt und sich fühlt, als würde man schweben. Und dann gibt es Skipisten, die sind V.U.K.A.

V: veränderlich (volatility)

Eisflächen, leichter und nasser Schnee wechseln sich ebenso ab wie ebene Bereiche und veritable Buckel.

U: unsicher (uncertainty)

Man weiss nicht genau, was einem wo erwartet. Scheinbar schöner Schnee entpuppt sich als Eisfläche, die mit minimal wenig Schnee bedeckt ist, der sofort wegrutscht, wenn man mit dem Ski Kante gibt.

K: komplex (compexity)

Die Reaktion des Schnees unter den Skiern kann nicht genau vorhergesagt werden. Nur weil der Schnee in der einen Kurve gut hält, muss das noch lange nicht bedeuten, dass er es in der nächsten Kurve noch tut und nicht doch wegrutscht, auch wenn er eigentlich gleich aussieht.

A: ambig (ambiguity)

Ambiguität steht für Mehrdeutigkeit und Widersprüchlichkeit. Selbst wenn man sich auf der Skipiste die Zeit nehmen und über jeden Schwung nachdenken könnte, gäbe es verschiedene mögliche Überzeugungen, welche Route die beste ist.

 

 

Solche Skipisten findet man oft an sonnigen Frühlingsnachmittagen, nachdem Sonne und Massen von Skifahrern ihnen schon stark zugesetzt haben. Viele Leute fühlen sich von V.U.K.A.-Skipisten überfordert und meiden sie wenn möglich. Aber wenn man sich darauf einlässt, die nötigen Grundsätze beherrscht und genügend fit ist, können solche Pisten sehr positiv sein.

Nicht nur Skipisten können V.U.K.A. sein. In verschiedenerlei Hinsicht wird die gesamte westliche Welt und das Lebensgefühl darin (auch unabhängig von Corona) immer mehr V.U.K.A.: Dauernde Veränderungen (V) werden zur einzigen Konstanten. Unsicherheit (U) macht sich breit und man weiss je länger je weniger, was einem in einem Monat, Jahr oder Jahrzehnt erwartet. Die Komplexität (K) des Lebens steigt und der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung wird immer schwieriger zu erkennen. Informationen und Sachverhalte scheinen mehrdeutig oder gar widersprüchlich, sprich ambig (A).

Eine V.U.K.A.-Skipiste souverän hinunterzufahren oder sich in einer V.U.K.A.-Welt zu bewegen braucht ähnliche Kompetenzen, die sich ebenfalls mit „V.U.K.A.“ zusammenfassen lassen, allerding in einem anderen Sinn:

V: Vision

Wer sich souverän bewegen will, braucht eine möglichst klare Vision davon, nach welchen Werten und Zielen er leben will. Auf der Skipiste wähle ich zum Beispiel in der Regel: Kurzschwünge im Zwei-Sekunden-Rhythmus.

U: Understanding (Verständnis)

Man braucht ein Verständnis von der Umwelt, die man als gegeben akzeptiert und nicht nostalgisch der Vergangenheit nachtrauert. Auf der V.U.K.A.-Skipiste auf das Pistenfahrzeug mit seiner Planierraupe zu warten, ist keine Option. Die V.U.K.A.-Welt scheint wie eine ausgefahrene Skipiste vielleicht weniger bequem als die gehabte, aber wenigstens durch die Begriffe „veränderlich, unsicher, komplex, ambig“ einigermassen verstehbar.

K: Klarheit

Auf einer ausgefahrenen Skipiste braucht es wie in einer V.U.K.A.-Welt eine gewisse Fokussierung und ein gewisses Selbstvertrauen mit leichtem Hang zur Sturheit. Ich halte meine Linie.

A: Anpassungsfähigkeit und Agilität

Bei aller nötigen Klarheit und gewissen Sturheit braucht es auf ausgefahrenen Skipisten und in unserer heutigen Welt die Fähigkeit, spontan und entspannt auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Klarheit, Fokussierung uns Selbstvertrauen müssen gepaart sein mit entspannter Anpassungs- und Adaptionsfähigkeit.

 

 

Sicher scheint mir: Die V.U.K.A.-Welt ist Realität und diese wird nicht mehr so schnell verschwinden. Für wohl 80 Prozent der Menschen dieses Planeten ist die V.U.K.A.-Welt schon längst Realität und diese Menschen haben wohl auch überhaupt kein Erbarmen mit uns. Und das brauchen auch wir nicht mit uns selbst zu haben, denn das Positive ist: Wenn so viele Menschen schon längt in einer V.U.K.A.-Welt leben, dann können auch wir es lernen! Vielleicht wirst du nie lernen, eine V.U.K.A.-Skipiste zu geniessen, aber du kannst lernen, eine V.U.K.A.-Welt zu lieben! Wenn du dich darauf einlässt, die nötigen Grundsätze beherzigst und geistlich genügend „fit“ bist, kann das Leben in der V.U.K.A.-Welt sehr positiv sein!

Wir können lernen, in einer V.U.K.A.-Welt dort, wo wir sind, Leitungsverantwortung wahrzunehmen.

Wir können lernen, in einer V.U.K.A.-Welt Kirche zu sein und zu bauen

Die V.U.K.A.-Welt bietet sogar ausgeprägte Chancen für beides. Schreibe mir doch, welche Chancen du siehst! Was sind die positiven Tugenden, mit denen wir auf „veränderlich, unsicher, komplex und ambig“ antworten können? Welche Herzenshaltungen, Denkweisen und Strategien könnten uns helfen?

 

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Die Stunden mit unseren Kindern

Die Stunden mit unseren Kindern

Die Stunden mit unseren Kindern

© iStock.com/MartenBG

Jetzt sind alle Kinder zuhause und die Eltern auch häufiger. Hoffen wir, dass es nur eine Phase ist und Corona wieder verschwindet. Hoffen wir aber auch, dass wir die Chancen dieser Zeit nutzen. Allen Eltern rufen wir zu: Wenn ihr die Möglichkeit habt, euch in dieser Zeit besonders in eure Kinder zu investieren, dann tut es. Investiert in Qualitäts-Zeiten mit euren Kindern.

Zurzeit gibt es viele Tipp-Beiträge im Internet, wie man die Zeit zuhause meistern kann. Dass es eine Tagesstruktur braucht, dass Langeweile durchaus auch mal ok ist. Über all das müssen wir daher nicht weiter reden bzw. schreiben. Über was wir aber reden möchten, ist unsere Überzeugung, dass diese Zeit neben aller Herausforderung eine einmalige Chance ist für die Eltern, in die Beziehung zu ihren Kindern zu investieren. Eltern haben normalerweise 3000 Stunden pro Jahr, um ein junges Leben zu beeinflussen. Im 2020 werden es wohl ein paar Stunden mehr sein. Lasst sie uns nutzen als Chance, um mit unseren Kindern auch Glaubensgespräche zu führen. Die besten Gespräche entstehen da, wo sie nicht verkrampft gesucht werden. Konstruiere also keine künstlichen Szenen, um deine heimlich vorbereitete Spontan-Andacht zu platzieren. Sei stattdessen mit dir selbst ehrlich und rede über deinen eigenen Glauben, so wie er dich selbst beschäftigt und wie du den Eindruck hast, dass er dein Kind beschäftigt. Suche aktiv Chancen, gerade auch in der Natur (Ja du darfst mit deinem Kind raus, du sollst einfach andere Leute meiden) bieten sich in dieser Frühlingszeit viele Chancen, um über die Schöpfung und Gott zu staunen. 

Im Internet gibt es schon viele coole Clips für kleinere und ältere Kinder und in den nächsten Tagen werden wohl noch viele produziert. Auch das Fernsehprogramm wird laufend an die Kinder angepasst. Du könntest deine Kinder also den ganzen Tag mit Online- und Fernsehkonsum unterhalten. Hab kein schlechtes Gewissen, dass auch ab und zu so zu machen, aber definiere es als begrenzte Zeit und wo möglich, setze dich dazu und sprich anschliessend mit deinem Kind über die eben gesehene Geschichte. 

Die derzeitige Solidaritätswelle in der Schweiz ist beeindruckend – und auch für euch eine Chance. Entscheidet euch für eine Aktion, die ihr mit euren Kindern umsetzen könnt. Beachtet dabei aber die Vorschriften des Bundes, den Kontakt auf den engsten Kreis zu beschränken und Live-Kontakt nur mit den immer gleichen Personen zu haben. Solidarität kann auch ohne Live-Kontakt geschehen, bspw. mit Postkarten schreiben. 

Und in allem: Bald steht die Osterzeit an. Lasst uns dies zu einer besonderen Zeit machen. Lest gemeinsam in der (Kinder-)Bibel, schaut euch biblische Bilder- oder Wimmelbücher an, und so weiter. Entdeckt in dieser Osterzeit den Glauben gemeinsam neu, macht sie zu einer einmaligen Familienzeit. Diese Chance haben wir nur dieses Jahr. Betet auch gemeinsam, viele Kinder lieben es Fürbitte zu tun. Kurz: Pflegt die ganz normalen christlichen Rituale. Dabei können auch wir Eltern wieder ganz neu lernen, den Glauben im Alltag zu leben. Gottes Segen euch allen!

Und alle Eltern, die jetzt umso intensiver arbeiten – und gerne auch mehr Zeit mit ihren Kindern hätten: Vielen, vielen herzlichen Dank für das, was ihr für unser Land tut! Möge Gott euch jeden Tag die nötige Kraft geben. Und möge er euch und eure Kinder reich segnen! Er kennt viele Wege, dies zu tun.

Josias Burgherr

Josias Burgherr

Leiter Young Generation und Kommunikation

Josias ist verheiratet, lebt im Aargau und hat zwei Kinder. Er fördert und unterstützt mit seinem Young Generation Team die Kinder-, Teenie- und Jugendarbeit in den Chrischona Gemeinden. Zudem schreibt und gestaltet er für Chrischona Schweiz.

Auch ein Gottesdienst-Verbot wäre eine Chance

Auch ein Gottesdienst-Verbot wäre eine Chance

Auch ein Gottesdienst-Verbot wäre eine Chance

 © iStock.com/cordeschi, Bearbeitung: Josias Burgherr

Werden wir in den kommenden Wochen und Monaten unsere Gottesdienste weiterhin im gewohnten Stil durchführen können? – Dass wir uns heute, in Zeiten des Corona-Virus Covid-19, mit solchen Fragen auseinandersetzen, hätten wir noch vor wenigen Wochen kaum für möglich gehalten. Aber jetzt unterliegen unsere Gottesdienste ab einer gewissen Teilnehmerzahl staatlicher Bewilligungspflicht. Und wir sind aufgefordert, besonders gefährdeten Personen abzuraten, an unseren Gottesdiensten teilzunehmen. Wie können wir Gemeinde leben, wenn sich die Gemeinde (oder ein namhafter Teil davon) nicht mehr im gemeinsamen Gottesdienst treffen kann?

Wenn wir uns nicht mehr im Grossen treffen können, tun wir das, was die Gemeinde die letzten 2000 Jahre bis heute immer wieder tat: Wir treffen uns in Kleingruppen. Wenn sich die Gemeinde nicht im „Kirchenhaus“ treffen kann, trifft sie sich in „Hauskirchen“. Wenn sich die Gemeinde nicht zentral zu Gottesdiensten treffen kann, trifft sie sich dezentral zu Gottesdiensten. Dies kann je nach Situation die ganze Gemeinde betreffen oder besonders gefährdete Teile der Gemeinde.

Das ist nicht einfach eine Notlösung, sondern kann viel Positives bewirken!

  • Kleingruppenleiter/innen und andere Gemeindeglieder werden in der Wahrnehmung ihrer geistlichen Bevollmächtigung gefördert.
  • Einer gewissen Tendenz, als Nachfolger/innen Jesu die geistliche Selbstverantwortung an die Gemeinde und den Pastor zu delegieren, wird entgegengewirkt.
  • Beziehungen in Kleingruppen werden vertieft. Neue Kleingruppen werden gebildet und sofort intensiv gelebt. Die Tragfähigkeit des Kleingruppennetzes wird konkret erlebt und gestärkt.
  • Die Gemeinde wächst als Ganze in ihrer Mündigkeit, Bevollmächtigung und Agilität. Im Rahmen der Kleingruppen werden Begabungen entdeckt und gefördert.

Gottesdienste im kleinen Rahmen mit 2 bis 12 Personen können inspirierend sein:

  • Zeit der Anbetung mit Liedern und gesprochenen Gebeten:
    Liedtexte können über einen Fernseher oder Beamer projiziert oder auf Liedblätter gedruckt werden. Präsentationen und Liedblätter können von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden.
    Dies kann ganz ohne musikalische Begleitung geschehen oder mit Begleitung durch eine Gitarre, ein Klavier, CDs, Streaming, youtube-Videos oder Livestream beziehungsweise Aufnahmen der Gemeinde.
    Es könnte auch eine gute Erfahrung sein, Liturgieblätter mit Liedtexten und im Wechsel gelesenen Bibeltexten und Gebeten anzubieten.
  • Die Predigt kann in Bild und Ton aufgenommen und via Internet zur Verfügung gestellt oder per Livestream empfangen werden. Danach kann man sich als Gruppe darüber austauschen.
    Alternativ dazu kann man gemeinsam einen Bibeltext oder einen Abschnitt aus einem geistlich-theologischen Buch lesen und darüber austauschen.
  • Als Gruppe kann man füreinander beten, Eindrücke austauschen und sich gegenseitig segnen oder auch salben.
  • Vor oder nach solch „gottesdienstlichen Elementen“ kann man gemeinsam etwas Einfaches essen und so die Gemeinschaft pflegen.

All dies kann auch unter Einbezug von Kindern geschehen, wie ich dies selbst schon öfters erlebt habe. Zu all dem können Pastoren und Pastorinnen die KleingruppenleiterInnen entsprechend schulen, bevollmächtigen und ermutigen. Dadurch werden Pastoren und Pastorinnen noch ausgeprägter zu Multiplikatoren und Multiplikatorinnen, was sie ja sowieso sein sollen.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin ein Fan von inspirierend gestalteten Gottesdiensten als Gesamtgemeinde! Ich glaube, dass sie eine Ausstrahlung in unsere Gesellschaft haben können und dass geistliche Erfahrungen oft gemeinschaftliche Erlebnisse sind. Aber falls wir solche Gottesdienste für eine gewisse Zeit nicht erleben dürfen, können wir in dieser Situation Dinge fördern, die uns später, wenn wir uns wieder mit Freude gemeinsam treffen, immer noch gut anstehen werden.

Es gibt also keinen Grund, in Angst vor einer möglichen Auf-Eis-Legung unserer gemeinsamen Gottesdienste zu erstarren. Nein, falls es soweit kommt, liegt es an uns, trotz realen Herausforderungen die Chancen zu sehen und zu nutzen. So werden wir gestärkt aus dieser Situation hervorgehen – als Einzelpersonen, als Kleingruppen und als Gemeinden.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.