Die herausfordernde Gründerzeit

Die herausfordernde Gründerzeit

Die herausfordernde Gründerzeit

© Alessandro Gallo / CC BY-SA

Zukunft braucht Herkunft. Im Rahmen einer Serie setzen wir uns daher mit unseren Wurzeln auseinander. Wir beleuchten Persönlichkeiten und Umstände, die für unsere Gründerzeit prägend waren. Teil 1 widmet sich den Umständen, in die hinein die ersten Gemeinden gegründet wurden.

Wir leben in einer Zeit zahlreicher gesellschaftlicher, ethischer und politischer Herausforderungen. Vergessen wir dabei nicht: In solchen Zeiten und für solche Zeiten wurden die ersten Chrischona Gemeinden gegründet.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war in der Schweiz eine Zeit mit enormen Herausforderungen: 1847 kämpften im Sonderbundskrieg Schweizer auf Schweizer Boden gegen Schweizer. 1848 wurde der Staatenbund Schweiz in einen Bundesstaat umgewandelt. Diese politische Errungenschaft musste in den folgenden Jahrzehnten verdaut, eingeübt und gefestigt werden. 1871 floh die französiche „Bourbaki-Armee“ mit 87‘000 Mann vor den Deutschen in die Schweiz, was grosse Anforderungen mit sich brachte.

Die Industrialisierung förderte eine starke Landflucht, Umverteilung und Zunahme der Bevölkerung. Durch den Bau des schweizerischen Eisenbahnnetzes wurde der Transport von Waren und Personen revolutioniert. Gleichzeitig mussten bis 1877 aufgrund der tiefen Löhne oft auch Frauen und Kinder bis zu 90 Stunden pro Woche arbeiten. Es war eine Zeit des Aufbruchs und der Erfindungen, aber auch von grassierender Armut und moralischen Niedergängen.

1855 und 1867 wurde die Schweiz von Cholera-Epidemien heimgesucht, die jeweils mehrere hundert Tote forderten. Die Tuberkulose raffte im 19. Jahrhundert in Europa jährlich Hunderttausende dahin.

In einem Kulturkampf wurde der Einfluss der Kirche auf das neue liberal-säkulare Staatswesen eingeschränkt. Im Zuge des „Apostolikumsstreits“ wurde die Verpflichtung auf das Apostolische Glaubensbekenntnis in den evangelischen Landeskirchen in den 1870er-Jahren aufgehoben. Dies führte dazu, dass nicht-liberale Pfarrer und Gläubige (die sich nicht auf die aufkommend historisch-kritische, rationalistische Theologie einlassen wollten) sich von den Landeskirchen distanzierten und neue Gemeinschaften gründeten: Unter anderem ab 1872 Chrischona Gemeinden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab der Glaube an Jesus zahlreichen Menschen wie dir und mir die Kraft, mit solchen Herausforderungen und Möglichkeiten umzugehen und konstruktiv auf sie einzuwirken. Ihre Zuversicht, weil sie an Christus glaubten, hatte Auswirkungen auf ihr Denken, Reden und Handeln. Sie verkündeten das Evangelium und legten praktisch Hand an.

Unsere Wurzeln liegen in einer Zeit, deren Herausforderungen nicht kleiner waren als unsere heutigen. In solchen und für solche Zeiten: Chrischona Schweiz.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Auch ein Gottesdienst-Verbot wäre eine Chance

Auch ein Gottesdienst-Verbot wäre eine Chance

Auch ein Gottesdienst-Verbot wäre eine Chance

 © iStock.com/cordeschi, Bearbeitung: Josias Burgherr

Werden wir in den kommenden Wochen und Monaten unsere Gottesdienste weiterhin im gewohnten Stil durchführen können? – Dass wir uns heute, in Zeiten des Corona-Virus Covid-19, mit solchen Fragen auseinandersetzen, hätten wir noch vor wenigen Wochen kaum für möglich gehalten. Aber jetzt unterliegen unsere Gottesdienste ab einer gewissen Teilnehmerzahl staatlicher Bewilligungspflicht. Und wir sind aufgefordert, besonders gefährdeten Personen abzuraten, an unseren Gottesdiensten teilzunehmen. Wie können wir Gemeinde leben, wenn sich die Gemeinde (oder ein namhafter Teil davon) nicht mehr im gemeinsamen Gottesdienst treffen kann?

Wenn wir uns nicht mehr im Grossen treffen können, tun wir das, was die Gemeinde die letzten 2000 Jahre bis heute immer wieder tat: Wir treffen uns in Kleingruppen. Wenn sich die Gemeinde nicht im „Kirchenhaus“ treffen kann, trifft sie sich in „Hauskirchen“. Wenn sich die Gemeinde nicht zentral zu Gottesdiensten treffen kann, trifft sie sich dezentral zu Gottesdiensten. Dies kann je nach Situation die ganze Gemeinde betreffen oder besonders gefährdete Teile der Gemeinde.

Das ist nicht einfach eine Notlösung, sondern kann viel Positives bewirken!

  • Kleingruppenleiter/innen und andere Gemeindeglieder werden in der Wahrnehmung ihrer geistlichen Bevollmächtigung gefördert.
  • Einer gewissen Tendenz, als Nachfolger/innen Jesu die geistliche Selbstverantwortung an die Gemeinde und den Pastor zu delegieren, wird entgegengewirkt.
  • Beziehungen in Kleingruppen werden vertieft. Neue Kleingruppen werden gebildet und sofort intensiv gelebt. Die Tragfähigkeit des Kleingruppennetzes wird konkret erlebt und gestärkt.
  • Die Gemeinde wächst als Ganze in ihrer Mündigkeit, Bevollmächtigung und Agilität. Im Rahmen der Kleingruppen werden Begabungen entdeckt und gefördert.

Gottesdienste im kleinen Rahmen mit 2 bis 12 Personen können inspirierend sein:

  • Zeit der Anbetung mit Liedern und gesprochenen Gebeten:
    Liedtexte können über einen Fernseher oder Beamer projiziert oder auf Liedblätter gedruckt werden. Präsentationen und Liedblätter können von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden.
    Dies kann ganz ohne musikalische Begleitung geschehen oder mit Begleitung durch eine Gitarre, ein Klavier, CDs, Streaming, youtube-Videos oder Livestream beziehungsweise Aufnahmen der Gemeinde.
    Es könnte auch eine gute Erfahrung sein, Liturgieblätter mit Liedtexten und im Wechsel gelesenen Bibeltexten und Gebeten anzubieten.
  • Die Predigt kann in Bild und Ton aufgenommen und via Internet zur Verfügung gestellt oder per Livestream empfangen werden. Danach kann man sich als Gruppe darüber austauschen.
    Alternativ dazu kann man gemeinsam einen Bibeltext oder einen Abschnitt aus einem geistlich-theologischen Buch lesen und darüber austauschen.
  • Als Gruppe kann man füreinander beten, Eindrücke austauschen und sich gegenseitig segnen oder auch salben.
  • Vor oder nach solch „gottesdienstlichen Elementen“ kann man gemeinsam etwas Einfaches essen und so die Gemeinschaft pflegen.

All dies kann auch unter Einbezug von Kindern geschehen, wie ich dies selbst schon öfters erlebt habe. Zu all dem können Pastoren und Pastorinnen die KleingruppenleiterInnen entsprechend schulen, bevollmächtigen und ermutigen. Dadurch werden Pastoren und Pastorinnen noch ausgeprägter zu Multiplikatoren und Multiplikatorinnen, was sie ja sowieso sein sollen.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin ein Fan von inspirierend gestalteten Gottesdiensten als Gesamtgemeinde! Ich glaube, dass sie eine Ausstrahlung in unsere Gesellschaft haben können und dass geistliche Erfahrungen oft gemeinschaftliche Erlebnisse sind. Aber falls wir solche Gottesdienste für eine gewisse Zeit nicht erleben dürfen, können wir in dieser Situation Dinge fördern, die uns später, wenn wir uns wieder mit Freude gemeinsam treffen, immer noch gut anstehen werden.

Es gibt also keinen Grund, in Angst vor einer möglichen Auf-Eis-Legung unserer gemeinsamen Gottesdienste zu erstarren. Nein, falls es soweit kommt, liegt es an uns, trotz realen Herausforderungen die Chancen zu sehen und zu nutzen. So werden wir gestärkt aus dieser Situation hervorgehen – als Einzelpersonen, als Kleingruppen und als Gemeinden.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Die Würfel sind gefallen

Die Würfel sind gefallen

Die Würfel sind gefallen

Credit: iStock.com/Mumemories

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„Die Gegenwart des Herrn öffnet Türen, die niemand schliessen kann.“

Diesen Satz haben wir als Leitung Schweiz bekommen, als wir Gott bewusst nach einem Wort für 2020 fragten. Zwei Bibelstellen stecken dahinter: Josua 5,13-15 und Offenbarung 3,7-8. Im Laufe des Jahres werden wir verschiedene Beiträge zu diesen Versen und diesem Satz veröffentlichen.

Am 10.Januar 49 v. Chr. überschritt der römische Heerführer Iulius Caesar mit seinen Truppen den Rubikonfluss mit diesen Worten «Alea iacta est». Die Würfel sind gefallen, wir marschieren Richtung Rom. Es gab kein Zurück mehr.

Ähnlich musste es Josua ergangen sein, als er mit den Trägern der Bundeslade den Jordan überquerte und Richtung Jericho marschiert. Kein Zurück mehr. Hinter uns die Wüste und vor uns der Kampf um das verheissene Land.

So ging es auch Mose am brennenden Dornbusch: Ein Ruf, eine Berufung Gottes zum Aufbruch in ein neues Abenteuer. Kein Schafehüten mehr in der Wüste, sondern mutige Schritte mit Gott in die Zukunft.

Und so geht es uns, allen, Chrischona Schweiz. Wir starten in ein Jahr der Neuorientierung und Vision. Wir verlassen das Vergangene zurück und wenden uns den Herausforderungen der nächsten Jahre zu.

Wenn wir dies tun, dann gibt es zwei wichtige Grundsätze:

  1. Nicht wir sind die grossen Helden der Zukunft, sondern unser Herr geht uns voran und bestimmt den Weg.
  2. Dort wo er uns offene Türen gibt, gehen wir hindurch.

Als Josua mit erhobener Brust und gestärkt nach dem erfolgreichen Durchgang durch den Jordan den ersten Schritt als starker Leiter Richtung Jericho machen wollte, begegnete ihm plötzlich ein Engel mit einem gezückten Schwert und stellte sich ihm vor als Befehlshaber über das Heer des Herrn (Josua 3,5). Josua, der Leiter, der Held, der Hoffnungsträger der Zukunft musste auf die Knie und sich seinem Gott und Herrn ganz ausliefern. Hingabe und Respekt vor Gott war die erste Bedingung für einen Gang in die abenteuerliche Zukunft. Volles Vertrauen auf Gottes Führung! Bereitschaft sich führen zu lassen, bevor man andere Leute führt. Nicht «ich bin der Leiter, sondern « er muss wachsen, ich aber muss abnehmen» (Joh 3,30). Der Erfolg von Jericho wurde auf diesem Prinzip des Hörens und Gehorchens aufgebaut. Das war eine erste Vorbedingung für eine gute Führung: Sich von Gott leiten zu lassen.

Leider für viele von uns nicht ganz einfach, denn auf Gott hören, bevor man entscheidet, ist ein schwieriger Weg für Macher, Umsetzer und Leiter. Aber Gott fordert uns heraus und fragt uns: Wollen wir in eine gemeinsame Zukunft als Chrischona Movement, die aus Gott herauskommt und von ihm bestimmt wird, oder wollen wir einfach unsere Kompetenzen und Visionen feiern

Markus Hauser, der erste Gemeindegründer der Chrischonabewegung in der Schweiz hat uns vordemonstriert, wie diese Gottesführung praktisch aussieht. Bevor die Erweckung in Mattwil ausbrach und er dort eine Gemeinde gründete, lernte er auf Gottes Führung zu warten und hat sich Gott vollkommen ausgeliefert. Er schreibt: «So verschlossen auch der Himmel zu sein schien, so trocken und dürre auch mein Herz blieb, hielt ich doch an mit Lesen und Flehen. ‘Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine grosse Belohnung hat’». Später schreibt er dann: «Ich fühlte mich in Gott; so kindlich und einfältig wie jetzt konnte ich vorher nie mit ihm verkehren.»

Durch diese Zeiten der Hingabe an Gottes Führung wurde Markus Hauser offen und bereit für die Zukunft. Er lernte auf Gott zu hören und zu warten, bis er die Türen aufmacht. Später sagte er einmal, dass er nun in allen Entscheidungen Gottes Stimme verstehen könne und damit seine Aufgabe viel effizienter mache. Als er nach fruchtbaren Jahren in Frauenfeld einen neuen Weg suchte, wartete und betete er, bis Gott ihm eine Tür für nationale evangelistische Projekte öffnete. Es war Gott, der ihn in die Zukunft führte. Gott sagte zu ihm: «Geh hin, ich habe eine weite Tür für dich aufgetan; diene meinem Volk, wohin immer ich dich sende»

Die offenen Türen für Chrischona kommen aus dem Gebet und dem Hören auf Gott, der uns eben diese Türen aufmacht. Das Wort an die Gemeinde in Philadelphia ist unser Jahresvers:

Siehe, ich habe dir eine Tür geöffnet, die niemand verschliessen kann. Deine Kraft ist klein; doch du hast an dem, was ich gesagt habe, festgehalten und dich unerschrocken zu mir bekannt (Offb 3,8)

Lassen wir uns von ihm führen! Bitten wir ihn um offene Türen in der Schweiz, damit Jesus und seine unwiderstehliche Liebe und Gnade noch mehr Menschen erfasst! Innovative und mutige Christen werden von einem kreativen Gott geführt und geleitet. Wenn er Türen aufmacht, dann kann sie niemand zuschliessen.

Stefan Fuchser

Stefan Fuchser

Regionalleiter Romandie/Basel/Ticino und Leiter Gemeindepflanzungsteam

Stefan ist verheiratet mit Prisca und hat drei erwachsene Kinder. Er ist für die flächenmässig grösste Chrischona-Region zuständig und macht sich in unserem Team für Gemeindegründungen, Weiterbildung der Pastoren und die Mehrsprachigkeit unseres Movements stark.

Gottes Traum – Warum will Gott, dass Gemeinden gegründet werden?

Gottes Traum – Warum will Gott, dass Gemeinden gegründet werden?

Gottes Traum – Warum will Gott, dass Gemeinden gegründet werden?

rawpixel © 123RF.com

Gemeindegründung bedeutet in erster Linie, den Traum von Gott zu erfüllen. Gottes Sehnsucht ist es, ein Volk zu finden, eine Gruppe von Individuen in jedem Dorf, jeder Stadt, jeder Kultur und jeder ethnischen Gruppe, die bereit sind, sein Wohnort zu werden. Gott sehnt sich nach Menschen, durch die er seinen Willen tun kann, Menschen, die Licht und Salz sind in einer Welt, die von Dunkelheit und Verfall beherrscht wird.

Das ist der Grund, warum wir fragen sollten, wie wir bauen können und nicht, was wir bauen können. Es ist wichtig, wie wir sein Haus bauen. In den Epheser 3 bis 6 wird erklärt, wie das Leben im Haus Gottes gelebt werden soll: 

„…lebe ein Leben, das der Berufung würdig ist, die du erhalten hast. Seid vollkommen demütig und sanftmütig; seid geduldig und gehorcht einander in Liebe. Tut alles, um die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu bewahren“ (4,1-3). Wir müssen „die Lüge verwerfen und ehrlich zu unserem Nächsten sprechen, denn wir sind alle Glieder eines Leibes“ (4,25). Dazu gehört auch die Art und Weise, wie wir reden: „Lasst kein unheilsames Gerede aus eurem Mund kommen, sondern nur das, was hilfreich ist, um andere nach ihren Bedürfnissen aufzubauen, damit es denen zugute kommt, die zuhören“ (4,29). Es geht darum, einander zu vergeben: „Seid freundlich und mitfühlend zueinander, vergibt euch gegenseitig, so wie in Christus Gott euch vergeben hat!“ (4:32). Wir müssen „auf dem Weg der Liebe wandeln, so wie Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat“ (5,2). In allen Dingen müssen wir „die Wahrheit in der Liebe sprechen“ (4,15). 

Diese Verse sind ein praktischer Ausdruck seiner Herrlichkeit, die durch Menschen sichtbar wird, die in und durch ihre Gemeinschaft in „Gnade und Wahrheit“ leben.

Gemeindegründung bedeutet, Gottes Traum zu verwirklichen: dass an jedem geografischen Ort, in jeder Kultur und ethnischen Gruppe ein Volk wohnt, das danach strebt, nach dem zu leben, was er sagt. Auf diese Weise werden viel mehr neue Menschen glauben und Nachfolger werden, wenn sie sehen, „wie sie einander lieben“. Die Kraft des Wortes wird sichtbar, wenn Menschen es annehmen und ihr Leben davon beeinflussen lassen. 

Oivind Augland, frei übersetzt und ergänzt von Stefan Fuchser.

Stefan Fuchser

Stefan Fuchser

Regionalleiter Romandie/Basel/Ticino und Leiter Gemeindepflanzungsteam

Stefan ist verheiratet mit Prisca und hat drei erwachsene Kinder. Er ist für die flächenmässig grösste Chrischona-Region zuständig und macht sich in unserem Team für Gemeindegründungen, Weiterbildung der Pastoren und die Mehrsprachigkeit unseres Movements stark.

Ein schrumpfendes Movement?

Ein schrumpfendes Movement?

Ein schrumpfendes Movement?

Weerapat Kiatdumrong © 123RF.com

„Chrischona Schweiz – Ein wachsendes Movement!“ Diesen Slogan haben wir uns vor einigen Jahren gegeben. Entsprechend müsste Chrischona Schweiz auf Expansionskurs sein, möchte man meinen. Ist dem so? Weit gefehlt! „Ein wachsendes Movement“ scheint kein empirischer Slogan zu sein. Im Gegenteil: In den letzten Jahren mussten wir Gemeinden schliessen. Klar, dem gegenüber stehen auch Gemeindegründungs-Projekte – und letztes Jahr durften wir eine neue Gemeinde bei uns aufnehmen. Aber davon, ein zahlenmässig wachsendes Movement zu sein, sind wir weit entfernt.

Warum bezeichnen wir uns so? Vielleicht weil wir hofften, mit diesem Slogan ein Szenario heraufzubeschwören? Nach dem Motto: „Wenn wir genug fest daran glauben, wird es vielleicht wahr?“ Ja, schön wär’s gewesen – und hätte ja auch sein können. Es war aber nicht unsere Motivation.

Vielleicht wollten wir uns hinter Besucherzahlen verstecken und sagen: Wir wachsen nicht, was die Anzahl Gemeinden betrifft, wohl aber im Blick auf die Gemeindebesucher? So à la: Auf den ersten Blick erkennt man es nicht, aber wenn man genauer hinschaut schon? Nein, auch hier können wir nicht dienen. Vielerorts wachsen unsere Gemeinden zwar leicht, aber nicht so, dass es einen solchen Slogan rechtfertigen würde. Und andere schrumpfen.

Warum machen wir das? Warum wählen wir einen Slogan, der scheinbar durch nichts zu rechtfertigen ist? Die Antwort drauf ist zweiteilig.

Der erste Aspekt ist nahe am bisher Geschriebenen: Wir pushen uns selber. Zu lange haben wir uns ausgeruht auf dem Errreichten und sind etwas träge geworden. In den letzten Jahren haben wir verschiedene Projekte gestartet, um neue Gemeinden zu gründen. Auch wenn es schon viele Gemeinden in der Schweiz gibt, hat es dennoch viele „weisse Flecken“. Hier setzen wir an. Unter einem weissen Fleck versteht man eine Region, in der sehr viele Einwohner auf sehr wenige Gottesdienstbesucher fallen. Sie sind nicht im Einzugsgebiet einer Freikirche. Hier packen wir an, zusammen mit anderen Freikirchen.

Der eigentliche Grund für unseren Slogan liegt aber anderorts, nämlich in der persönlichen Entwicklung jedes Einzelnen: Wir wollen ein Movement sein, dass inneres Wachstum ermöglicht. Ein wachsendes Movement – zuerst bei uns selbst. Wir wollen nicht stehen bleiben, sondern als Leitung, Pastorenschaft, Gemeindeleitungen und mit allen Gemeindebesucherinnen und -besuchern zusammen geistlich und geistig wachsen.

Es soll möglich sein und geschehen, dass Christen durch Chrischona-Gemeinden zu reifen Christen werden. Es soll möglich sein, dass unsere Kinder und Jugendlichen im Glauben erwachsen werden und eine bewusste Entscheidung für ein Leben mit Gott treffen können – und darin weiter wachsen. Es soll möglich sein, dass wir als ganzes Movement wachsen und reifen. Indem in jedem einzelnen Gottes Reich mehr und mehr Form annimmt und sichtbar wird, soll es durch Chrischona in der ganzen Schweiz spür- und erlebbar werden. Davon träumen wir, dafür leben wir, und darum sind wir ein „wachsendes Movement“.

Dass dabei auch unsere Gemeinden wachsen und mehr werden, das wünschen wir uns als schönen Nebeneffekt davon.

Was hältst du von unserem Slogan?

Josias Burgherr

Josias Burgherr

Leiter Young Generation und Kommunikation

Josias ist verheiratet, lebt im Aargau und hat zwei Kinder. Er fördert und unterstützt mit seinem Young Generation Team die Kinder-, Teenie- und Jugendarbeit in den Chrischona Gemeinden. Zudem schreibt und gestaltet er für Chrischona Schweiz.