Es lebe die Kirche!

Es lebe die Kirche!

Es lebe die Kirche!

© rozum

Einer Welt, in der die Kirche offensichtlich oder subtil bekämpft wird,
in der die öffentliche Meinung sehr kritisch auf die christliche Szene blickt,
einer Gesellschaft, die als nach-christlich bezeichnet wird,
erklären wir mit Freude, Mut und Glauben:
Es lebe die Kirche – viva Kirche!

Einer pluralistischen Gesellschaft, in der verschiedene Weltanschauungen darum ringen,
gehört, akzeptiert, befolgt und geliebt zu werden,
bezeugen wir die Schönheit und Bedeutsamkeit der christlichen, biblischen Botschaft
und sagen über die Botschafterin dieser Botschaft:
Es lebe die Kirche – viva Kirche!

Einer Bevölkerung, die sich nach sinnerfülltem Leben sehnt
und der von verschiedenen Organisationen Leben versprochen wird –
was sich unter anderem darin zeigt, dass Heime, Versicherungen,
Medikamente und Autogaragen «viva» in ihren Namen tragen –
verkündigen wir, dass bei Jesus das wahre Leben zu finden ist
und dass es eine Gemeinschaft gibt, die dieses Leben miteinander feiert:
Es lebe die Kirche – viva Kirche!

Menschen, die darauf hinweisen, dass es auch unter Christen zuweilen allzu menschlich zugeht,
gestehen wir ein, dass auch unser Leben aus Höhen und Tiefen,
aus Gelingen und Versagen besteht
und dass die Kirche nicht deshalb so gut ist, weil die Christen so gut wären,
sondern weil Jesus so gut ist und über die Kirche sagt:
Es lebe die Kirche – viva Kirche!

Der Bibel entnehmen wir, dass es einen lebendigen Tempel gibt,
ein lebendiges Haus eines lebendigen Gottes,
das aus Menschen als lebendigen Steinen gebaut ist,
die eine lebendige Hoffnung in diese Welt hinaustragen
und die Kraft lebendigen Wassers verbreiten sollen:
Es lebe die Kirche – viva Kirche!

«Es lebe die Kirche – viva Kirche!»
Das ist eine Ansage an die Welt,
das ist ein Bekenntnis zum Herrn der Kirche,
das ist eine Losung an die Mitglieder der Kirche.
«Viva Kirche» als Namen zu tragen braucht Mut,
denn einer solcher Name ist Programm, ist Auftrag, ist ein Weckruf.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Mutige Christen und Christinnen braucht das Land

Mutige Christen und Christinnen braucht das Land

Mutige Christen und Christinnen braucht das Land

© francescosgura

Unser Umfeld wird gesellschaftlich, kulturell, weltanschaulich und religiös immer unterschiedlicher. In politischen Debatten, in den Medien und in Gesprächen werden christlich-ethische Überzeugungen, die bis vor wenigen Jahren weitgehend als Allgemeingut galten, in Frage gestellt oder sogar abgelehnt. Stellen wir uns diesen Realitäten! In einer pluralistischen Gesellschaft müssen wir damit leben, dass wir nicht immer die Mehrheitsmeinung vertreten. Dies ist kein Grund, uns zurückzuziehen. Im Gegenteil: Wir bleiben eine selbstbewusste Stimme auf dem „Markt der Weltanschauungen“.

Die folgenden vier Punkte (die Reihenfolge bringt keine Wertung zum Ausdruck) beschreiben nach meiner Überzeugung eine Haltung und Denkweise, die uns hilft, weiterhin mutig für christliche Werte und die christliche Botschaft einzustehen:

Christliche Werte sind eine Grundlage unserer freiheitlichen Demokratie

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ (Ernst-Wolfgang Böckenförde). Unsere liberale Gesellschaft fusst zu grossen Teilen auf dem Fundament einer christlich geprägten Kultur. Ein Grossteil unserer Bevölkerung bezeichnet sich nach wie vor als „christlich“. Es ist ein Risiko, diese bewährte Grundlage zu verlassen.

Wir werden christliche Werte auch in Zukunft beherzt hochalten. Wir tun dies nicht, weil wir sie immer für mehrheitsfähig erachten, sondern weil wir sie für aufbauend halten. Wir vertreten die christlichen Werte im demütigen Bewusstsein, dass auch wir diesen nicht immer gerecht werden. Wir benennen christliche Werte deshalb nicht in einem moralisierenden, belehrenden Sinn, sondern auf Augenhöhe als unsere Stimme in aktuellen Diskussionen.

Als Christinnen und Christen sind wir konstruktive Mitgestalter der Gesellschaft

Freiwilligenarbeit und soziales Engagement sind nachgewiesene Wesensmerkmale der Freikirchen („Studie zum Gesellschaftlichen Engagement der Freikirchen Schweiz 2020“). Durch unser Engagement im Kinder- und Jugendbereich, in Seelsorge, Ehe- und Familienförderung und Diakonie tragen wir zur gesellschaftlichen Stabilität bei. Wir ermutigen und fördern unsere Mitglieder darin, sich sozial, politisch und wirtschaftlich zum Wohl der Gesellschaft zu engagieren.

„Überzogene Erwartungen“ an den Staat führen oft zu „Staatshörigkeit“ oder „Staatsverdrossenheit“ (Reiner Mayer), was wir beides kritisch sehen. Wir anerkennen die primäre Aufgabe des Staates, lebensförderliche Strukturen zu unterhalten und unterstützen ihn dabei. Wir anerkennen den Rechtsstaat der Schweiz mit seinen Institutionen und Behörden.

Der christliche Glaube bleibt eine lebensfördernde, attraktive Weltanschauung

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, christliche Werte im Alltag auszuleben und konkret werden zu lassen. Gleichzeitig halten wir die christliche Botschaft aus der Bibel hoch, die hinter den christlichen Werten steht und uns motiviert, entsprechend zu leben. Es ist die Botschaft, dass Jesus Christus uns voraussetzungsfreie Liebe, unantastbare Würde, befreiende Versöhnung, inspirierende Zuversicht und wirksames Potenzial schenkt – in einer Welt mit viel Lieblosigkeit, Entwürdigung, Krieg und Misstrauen, Hoffnungslosigkeit und Machtlosigkeit.

Innerhalb des religiösen und weltanschaulichen Pluralismus unserer Gesellschaft bezeugen wir auch zukünftig die Schönheit und Bedeutsamkeit der christlichen Botschaft. Wir tun dies durch unser Leben und Reden. 

Die christliche Botschaft reagiert auf gesellschaftliche Trends, wird aber nicht von ihnen bestimmt

Der Zeitgeist unterliegt Pendelbewegungen, das christliche Bekenntnis bleibt in seinen Grundsätzen gleich. Die Kirche hat den Auftrag, in Taten und Worten auf aktuelle Fragen und Nöte zu antworten. Gleichzeitig ist es der Kirche nicht möglich, „die Gestalt ihrer Botschaft […] ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen [zu] überlassen“ (Barmer Theologische Erklärung, These V). Wir verstehen uns nicht als „Verkäufer“ des christlichen Glaubens, sondern als seine „Botschafter“ (Josua Hunziker).

Eine Kirche, die ihre Botschaft, Überzeugungen und Werte zu stark der Gesellschaft anpasst, verliert ihr Profil, ihr Unterscheidungsmerkmal und schlussendlich ihre Relevanz und Bedeutung für die Gesellschaft. Aus diesem Grund werden wir unsere weltanschaulichen Überzeugungen, die biblische Botschaft, das Evangelium von Jesus Christus weiterhin bekennen und äussern.

 

Diese vier Punkte wurden am 26. September 2021 auf freikirchen.ch als Medienmitteilung «Weiterhin mutig für christliche Werte einstehen» veröffentlicht.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Ich liebe St. Chrischona

Ich liebe St. Chrischona

Ich liebe St. Chrischona

© jb

Als Gemeindeverband Chrischona Schweiz denken wir darüber nach, unseren Namen zu ändern. Dies löst bei mir selbst einen gewissen Schmerz aus. Ich liebe St. Chrischona: den Ort, seine Geschichte und seine Berufung.

Chrischona ist ein Ort grosser Visionen

Als 1840 auf dem Basler Hausberg St. Chrischona die Chrischona Bewegung gegründet wurde, wollte man die Gesellschaft zum Positiven verändern. Der Gründer Christian Friedrich Spittler verstand sich als «Handlanger am Bau des Reiches Gottes» und hinterliess zahlreiche Zitate, die uns noch heute herausfordern, zum Beispiel:

«Was hilft’s, wenn wir beim warmen Ofen und einer Pfeife Tabak die Notstände der Zeit bejammern, Hand anlegen müssen wir, und sei es auch ganz im Kleinen.»

«Es ist nicht genug, durch das Evangelium die Heiden zu Christen zu machen, wir müssen auch sorgen, dass unsere Christen nicht wieder Heiden werden.»

«Ach, ich möchte Blut weinen, wenn Männer, von denen ich zuverlässig weiss, dass sie in Hauptpunkten einig sind, sich in untergeordneten Punkten streiten.»

Christian Friedrich Spittler suchte nach Antworten auf die Not seiner Zeit und gründete etwa 30 christlich-diakonische Werke. Sein Lieblingswerk wurde die 1840 von ihm gegründete Pilgermission St. Chrischona. (blog.chrischona.ch/2020/03/tausendsassa-und-start-up-gruender/)

Auch nach Spittler war der Chrischona Berg immer wieder ein Ort grosser Visionen und gemeinsamer Schulterschlüsse, ein «Handlanger am Bau des Reiches Gottes», der die Gesellschaft zum Positiven verändert. Am Dreiländereck auf der Grenze des deutsch- und französischsprachigen Europas war der Ort Zeuge der schlimmsten Abgründe der Europäischen Geschichte, aber auch ein Leucht- und Sendeturm in notvollen Zeiten. Auf St. Chrischona wurden Menschen ermutigt und inspiriert, in dieser Welt etwas zu bewegen und mutige Schritte zu tun. Auch ich habe auf St. Chrischona viel Ermutigung und Inspiration für meinen Dienst im Reich Gottes und darüber hinaus erfahren, was mich bis heute prägt. Man kann eine solche Dynamik mich machen, aber suchen. Wenn Europa das je brauchte, dann jetzt.

Chrischona ist ein Ort geistlicher Aufbrüche

Ab 1874 wurde St. Chrischona zu einem Zentrum der damaligen «Erweckungsbewegung». Sogenannte «Heiligungskonferenzen» zogen Hunderte an. Rappard schrieb:

«Daß in unseren Kirchen, Versammlungen und Anstalten landauf, landab ein tiefes Bedürfnis ist nach geistlicher Erleuchtung und Kraft, ist nicht zu leugnen … wie denn auch die Prediger es vielfach schmerzlich empfinden, daß das Wort zu wenig wirkt.“ „Werden die Kinder Gottes lebendig, tun wir aufrichtig Buße, lassen wir uns reinigen, und erwacht in uns der Geist des Gebets, so wird Gott antworten. Warum soll das Wort Jesu sich nicht erfüllen, daß von denen, die an Ihn glauben, Ströme lebendigen Wassers fließen sollen?“

„Was wir brauchen, wenn wir Zeiten der Erweckung erleben wollen, das sind nicht neue Methoden und Ausdrücke, sondern es sind geisterfüllte Menschen, in deren Herzen das Feuer des Herrn brennt und die darum dieses heilige Feuer verbreiten“.

St. Chrischona war ein Ort der Erweckung, ein Ort, von dem einen enorme Inspiration in die ganze Welt ausging. Auf dem aktivistischen Boden des Pietismus wirkte die Entdeckung der Liebe von Jesus und der Gegenwart des Heiligen Geistes wie frische Luft für die müden Arbeiter. Ein Aufatmen ging durch die Reihen, vor allem deshalb, weil nicht nur Christus wortreich in den Mittelpunkt gestellt wurde, sondern seine Kraft und seine Gegenwart die müden Herzen tatsächlich berührte und erneuerte. (blog.chrischona.ch/2020/04/carl-heinrich-rappard/)

Auch nach Rappard war der Chrischona Berg immer wieder ein Ort geistlicher Aufbrüche. Menschen erlebten Gott und seinen Geist an diesem Ort überdurchschnittlich oft und überdurchschnittlich intensiv. Auch ich habe an diesem Ort tiefe Gotteserfahrungen gemacht, was mich bis heute prägt. Man kann eine solche Dynamik mich machen, aber suchen. Wenn Europa das je brauchte, dann jetzt.

Chrischona ist ein Ort des mutigen Bekenntnisses

In den 1870er-Jahren wurde im Zuge des sogenannten «Apostolikumsstreits» in den schweizerischen evangelischen Landeskirchen die Verpflichtung auf das Apostolische Glaubensbekenntnis aufgehoben. Rappard erklärte 1900:

«Wir sind es, die in der Kirche bleiben, die wir das Bekenntnis festhalten, auf dem die Kirche ruht: ‚Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.‘ Die diesen Felsengrund aufgeben, das sind die ‚unkirchlichen Leute‘.» (blog.chrischona.ch/2020/04/merkmale-echter-chrischona-gemeinden/)

Auch nach Rappard war der Chrischona Berg ein Ort, auf dem das christliche Bekenntnis mutig hochgehalten wurde. Die theologische Ausbildung war immer geprägt durch eine gewisse theologische Breite, wobei man an den Bekenntnissen der Alten Kirche und der Reformation festhielt. Auch ich schätzte im Studium auf St. Chrischona ein Klima, in welchem meine Wurzeln und meine Flügel wachsen durften, was mich bis heute prägt. Es gibt keinen Grund, etwas daran zu ändern. Wenn Europa das je brauchte, dann jetzt.

Chrischona ist ein Ort ständiger Neuhingabe

Ich habe als junger Erwachsener vier Jahre auf dem Chrischona Berg studiert und gelebt. Seit zehn Jahren habe ich an zahlreichen Leitungstreffen teilgenommen, seit einigen Jahren bin ich im Vorstand des Theologischen Seminars St. Chrischona. Ich habe kein verklärtes Bild von diesem Ort und kenne einen Grossteil der täglichen Herausforderungen. Auch auf dem Chrischona Berg geht es zuweilen menschlicher zu, als mir lieb sein kann. Während des Studiums und danach habe ich Verletzungen erlebt und selbst andere verletzt. – Ist es angesichts solcher Zustände nicht naiv und vermessen, vom Chrischona Berg als einem Ort «grosser Visionen», «geistlicher Aufbrüche» und «des mutigen Bekenntnisses» zu reden? Lassen wir dazu nochmals Rappard zu Wort kommen:

«Werden die Kinder Gottes lebendig, tun wir aufrichtig Buße, lassen wir uns reinigen, und erwacht in uns der Geist des Gebets, so wird Gott antworten. Warum soll das Wort Jesu sich nicht erfüllen, daß von denen, die an Ihn glauben, Ströme lebendigen Wassers fließen sollen?»

Auch nach Spittler und Rappard mussten Chrischona-Leute ihre Verfehlungen und Lauheiten bekennen, umkehren, sich Gott neu hingeben, sich neu nach Dingen wie «grossen Visionen», «geistlichen Aufbrüchen» und «mutigem Bekenntnis» ausstrecken. Auch ich werde durch Vorbilder wie Spittler und Rappard ermutigt, aber auch kleinlaut und demütig. Wenn Gott den Chrischona Berg in den letzten bald zweihundert Jahren immer wieder gebraucht hat, dann nicht, weil der Chrischona Berg oder die Chrischona Bewegung so gut gewesen wären, sondern weil Gott so gut ist. Man spricht in diesem Zusammenhang von Gnade. Man kann sie nicht machen, aber suchen. Wenn Europa das je brauchte, dann jetzt.

St. Chrischona – ich liebe diesen Berg und ich wünsche diesem Berg von Herzen, dass seine «besten Zeiten» noch vor ihm liegen. Als Einzelkirchen und Gemeindeverband haben wir unsere Wurzeln zu einem grossen Teil an diesem Ort und wollen weiterhin mit ihm verbunden bleiben. Wenn wir als Gemeindeverband über unseren Namen diskutieren, geht es nicht um unsere Geschichte und um unsere Wurzeln, sondern um unsere Zukunft und unsere Flügel. Wir wollen mit «grossen Visionen», «geistlichen Aufbrüchen», «mutigem Bekenntnis» und «ständiger Neuhingabe» in die Zukunft gehen.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Füsse waschen statt Köpfe

Füsse waschen statt Köpfe

Füsse waschen statt Köpfe

© goffkein

Petrus sagte zu Jesus: «Wasch mir den Kopf!» (Joh 13,9). Als Messias und Rabbi hätte Jesus allen Grund und alles Recht gehabt, dies zu tun. Stattdessen sagte Jesus zu Petrus: «Ich wasche dir die Füsse. Nur so kannst du Gemeinschaft mit mir haben.» (Joh 13,8.10).

Jesus entschied sich, an Petrus und allen Jüngern den demütigen Dienst des niedrigsten Dieners zu tun und ihm die Füsse zu waschen. – Jesus krönt seinen Jüngern den Kopf und wäscht ihnen die Füsse.

Dann sagte er zu seinen Jüngern: «Ihr nennt mich Rabbi und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch. Wenn nun ich, euer Herr und Rabbi, euch die Füsse gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füsse waschen.» (Joh 13,13-14)

Im Moment habe ich zum Beispiel im Umgang mit Covid und Covid-Impfung den Eindruck, dass Christen motivierter sind, einander die Köpfe zu waschen, als die Füsse. Das ist ein Fehler. Es birgt die Gefahr, dass wir einander beim Köpfewaschen die gottgegebenen Kronen antasten, was uns nicht zusteht. Unsere Köpfe und Kronen sollten uns heilig sein. Es ist gut, wenn wir unsere Kronen immer wieder demütig vor Gott ablegen (vgl. Off 4,10). Uns gegenseitig die Kronen vom Kopf zu schlagen, geht jedoch nicht.

Jesus wäscht uns nicht den Kopf, sondern krönt ihn. Reden und handeln wir gemäss dieser königlichen Würde. Dazu gehört sicher auch, dass wir füreinander und für unsere Gesellschaft und Verantwortlichen in der Regierung beten und sie segnen (vgl. dazu drastisch Lk 6,28; Mt 5,46-47). Und wenn Jesus, unser König seinen Jüngern die Füsse wusch, dann ist es Ausdruck auch unserer königlichen Würde, dass wir einander in Demut begegnen (vgl. Phil 2,3-4) und Schwieriges und Fehlbares mit einer gewissen Demut ansprechen (vgl. Gal 6,1-2).

Nochmals zur Covid-Situation. Vor einigen Tagen postete ich auf Facebook:

«Diesen Satz sollten wir alle einüben: ‘Sorry, ich habe mich bezüglich Covid geirrt.’ – In 10 Jahren wird klar sein, dass mindestens eine der heute zum Teil vehement vertretenen Überzeugungen zu Covid und der Impfung falsch ist, vielleicht auch diejenige, zu der ich neige. Wir sollten uns heute ALLE so verhalten, dass wir obigen Satz ohne grosse Hemmungen sagen könnten. Mit demselben Verhalten würden auch Freundschaften und kollegiale Beziehungen die Covid-Zeit eher überstehen.»

Dieser Post war kein Plädoyer dafür, keine Meinung zu haben. Wir sollen uns eine Meinung bilden und dürfen sie auch engagiert vertreten. Dieser Post war eine Einladung, mit einer gewissen Demut zu agieren, wie Jesus es uns mit der Fusswaschung vorlebte. Wir müssten ja notfalls noch zurückrudern können. Und unsere Gemeinschaft soll die Covid-Zeit überleben können.

Wir sollen einander die Füsse waschen, nicht die Köpfe. Nur so können wir Gemeinschaft miteinander haben.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Wir sind Credo-Christen

Wir sind Credo-Christen

Wir sind Credo-Christen

© Goran Zivanovic, Pixabay

Ich glaube, jeder Christ sollte das Apostolische Glaubensbekenntnis lieben und hochachten. Seine Zeit ist noch nicht abgelaufen! Auch in einer Zeit, in der immer mehr Lebensbereiche, Werte und Normen als veränderlich, unsicher, komplex und ambig (V.U.K.A.) erlebt werden, gibt es Dinge, die bleiben. Ich meine, eines davon ist eben dieses.

Dies aus 5 Gründen:

1. Das Christentum war von Anfang an eine Bekenntnis-Bewegung

Schon in den neutestamentlichen Texten ist von „bekennen“ die Rede. Laut Matthäus 10,32 erklärt Jesus: „Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ Paulus erklärt in Römer 10,9-10: „Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.“ In 2. Korinther 9,13 ist vom „Bekenntnis zum Evangelium Christi“ die Rede und in Philipper 2,11 davon, dass alle „bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist“.

Irenäus beschreibt in seinem Werk Gegen die Häresien (Irrlehren) bereits zirka 180 n.Chr., was ein „rechtgläubiger“ Christ grundsätzlich glaubt. Diese „Richtschnur des Glaubens“ umfasst so gut wie alle Inhalte des späteren Apostolischen Glaubensbekenntnisses:

 

„Richtschnur des Glaubens“ gemäss Irenäus Apostolisches Glaubensbekenntnis
Den Glauben an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde und der Meere und alles was in ihnen ist, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
und an den einen Christus Jesus, Und an Jesus Christus,
den Sohn Gottes, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
der, um uns zu erlösen, Fleisch angenommen hat, empfangen durch den Heiligen Geist,
und an den heiligen Geist, der durch die Propheten die Heilsordnung Gottes verkündet hat, die zweifache Ankunft des Herrn, (unten genannt)
seine Geburt aus der Jungfrau, geboren von der Jungfrau Maria,
sein Leiden (unter Pontius Pilatus), gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
seine Auferstehung von den Toten am dritten Tage auferstanden von den Toten,
und die leibliche Himmelfahrt aufgefahren in den Himmel.
unseres lieben Herrn Christus Jesus Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
und seine Wiederkunft vom Himmel in der Herrlichkeit des Vaters, von dort wird er kommen,
um „alles wiederherzustellen“ [Eph 1,10] und alles Fleisch der ganzen Menschheit wiederzuerwecken, damit vor Jesus Christus, unserm Herrn und Gott, unserm Heiland und König, nach dem Wohlgefallen des unsichtbaren Vaters, „jedes Knie sich beuge derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind, und jegliche Zunge ihn preise“ [Phil 2,10-11]. Dann wird er ein gerechtes Gericht über alle halten. Die Geister der Bosheit und die ungehorsamen Engel, die von Gott abfielen, und die Gottlosen und Ungerechten und Frevler und Gotteslästerer wird er in das ewige Feuer schicken. Den Gerechten aber und Frommen und denen, die seine Gebote beobachtet haben, und die in seiner Liebe verharrt sind teils von Anfang, teils seit ihrer Bekehrung, denen wird er das ewige Leben in Gnaden schenken und mit ewiger Herrlichkeit sie umkleiden. zu richten die Lebenden und die Toten.
(oben genannt) Ich glaube an den Heiligen Geist,
(einziger nicht-genannter Aspekt) die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
(oben genannt) Vergebung der Sünden,
(oben genannt) Auferstehung der Toten
(oben genannt) und das ewige Leben. Amen

 

Das Apostolische Glaubensbekenntnis geht inhaltlich auf die „Richtschnur des Glaubens“ zurück, wie sie spätestens seit 200 n.Chr. formuliert war. Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist eine Variante dieser „Richtschnur des Glaubens“.

2. Das Glaubensbekenntnis und der neutestamentliche Kanon kommen aus derselben Hand

Die neutestamentlichen Schriften und das Apostolische Glaubensbekenntnis (als Variante der „Richtschnur des Glaubens“) wurden in derselben Zeit festgelegt. Wir empfangen beides aus derselben Hand der Alten Kirche. Im Grundsatz ist auch der neutestamentliche Kanon ein Bekenntnis und eine „Richtschnur des Glaubens“. „Kanon“ bedeutet auf Griechisch „Regel“ oder „Richtschnur“.

3. Das Glaubensbekenntnis und der neutestamentliche Kanon bestätigen einander

Irenäus sieht in den neutestamentlichen Schriften und in der „Richtschnur des Glaubens“ zwei Zeugen, die sich gegenseitig bestätigen und gegen beide sich die Irrlehrer seiner Zeit stellen. Das Glaubensbekenntnis und das Neue Testament bestätigen sich gegenseitig. Noch heute gilt, dass eine liberale Haltung bezüglich Bibel und Apostolischen Glaubensbekenntnis in der Regel einhergehen. Eine liberale Theologie ist schlussendlich eine Theologie, die sich dem Apostolischen Glaubensbekenntnis nicht verpflichtet sieht.

Nach dem Motto, „Wie kann ich verstehen, was ich lese, wenn mich nicht jemand anleitet?“ (vgl. Apg 8,30-31), will das Apostolische Glaubensbekenntnis uns in unserem Verständnis der biblischen Schriften leiten. So schreibt auch das Evangelische Gemeinschaftswerk der Schweiz (EGW) in seinen Statuten: „Wegweisend für die Auslegung der Heiligen Schrift sind das Apostolische Glaubensbekenntnis und die Bekenntnisse der Reformation in ihren Grundaussagen.“

4. Das Glaubensbekenntnis führte zur Entstehung zahlreicher Freikirchen

In den 1870er-Jahren wurde im Zuge des sogenannten „Apostolikumsstreits“ in den schweizerischen evangelischen Landeskirchen die Verpflichtung auf das Apostolische Glaubensbekenntnis aufgehoben. Dies führte dazu, dass bekenntnistreue Pfarrer und Gläubige sich von den Landeskirchen distanzierten und neue Gemeinschaften gründeten: unter anderem Chrischona Gemeinden. Die ersten selbstständigen Chrischona Gemeinden und andere Freikirchen entstanden in Abgrenzung zu einer Theologie, die sich vom Apostolischen Glaubensbekenntnis loslöste.

Angesichts dieser Entstehungsgeschichte würde es vielen Freikirchen gut anstehen, das Apostolische Glaubensbekenntnis neu zu entdecken und in ihre Gottesdienste zu integrieren.

5. Das Glaubensbekenntnis ist ein zeitloser „Klassiker“

Bei Autos fährt man einen Klassiker im Bewusstsein: Neuere Vehikel sind vielleicht bequemer, schneller, sparsamer und hipper, aber wenn jene einmal zu Kühlschränken und Waschmaschinen recycelt sein werden, wird diese Kostbarkeit weiterhin Freude und Inspiration vermitteln. In meinem Glauben halte ich mich an Christus, das bewährte Evangelium, die biblischen Schriften und die alten Bekenntnisse: den Klassiker. Neuere sogenannt „christliche Strömungen“ sind vielleicht bequemer, schneller, sparsamer und hipper, aber wenn jene einmal bereits verschwunden sein werden, wird diese Kostbarkeit weiterhin Freude und Inspiration vermitteln.

Ich halte mich lieber an eine über 1800jährige Tradition und stehe lieber auf dem Boden der alten Kirche, als dass ich meine, ausgerechnet wir seien die Generation, die zu Recht feststellt, dass die alten Wahrheiten nicht mehr wahr sein sollen. Wir würden damit gegen zweitausend Jahre Kirchengeschichte inklusive Reformation wetten. Mathematisch gesehen wären unsere Chancen, richtig zu liegen, sehr klein.

Im Blick auf das Apostolische Glaubensbekenntnis erkläre ich mit einem alten Spiritual:

Give me that old time religion. It’s good enough for me.
It was good for Paul and Silas and it’s good
enough for me.
It was
tried in the fiery furnace and it’s good enough for me.
Makes me love everybody and it’s good
enough for me.
Give me that old time religion. It’s good
enough for me.

Frei übersetzt:

Gib mir den traditionellen Glauben, er ist für mich voll in Ordnung.
Er war gut für Paulus und Silas und ist auch für mich voll in Ordnung.
Er wurde im feurigen Ofen geprüft und ist auch für mich voll in Ordnung.
Er gibt mir Liebe für alle Menschen und ist auch für mich voll in Ordnung.
Gib mir den traditionellen Glauben, er ist für mich voll in Ordnung.

Diesen Blog-Artikel gibt es in ausführlicherer Form auf danieloption.ch

 

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.