Wir sind Credo-Christen

Wir sind Credo-Christen

Wir sind Credo-Christen

© Goran Zivanovic, Pixabay

Ich glaube, jeder Christ sollte das Apostolische Glaubensbekenntnis lieben und hochachten. Seine Zeit ist noch nicht abgelaufen! Auch in einer Zeit, in der immer mehr Lebensbereiche, Werte und Normen als veränderlich, unsicher, komplex und ambig (V.U.K.A.) erlebt werden, gibt es Dinge, die bleiben. Ich meine, eines davon ist eben dieses.

Dies aus 5 Gründen:

1. Das Christentum war von Anfang an eine Bekenntnis-Bewegung

Schon in den neutestamentlichen Texten ist von „bekennen“ die Rede. Laut Matthäus 10,32 erklärt Jesus: „Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ Paulus erklärt in Römer 10,9-10: „Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.“ In 2. Korinther 9,13 ist vom „Bekenntnis zum Evangelium Christi“ die Rede und in Philipper 2,11 davon, dass alle „bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist“.

Irenäus beschreibt in seinem Werk Gegen die Häresien (Irrlehren) bereits zirka 180 n.Chr., was ein „rechtgläubiger“ Christ grundsätzlich glaubt. Diese „Richtschnur des Glaubens“ umfasst so gut wie alle Inhalte des späteren Apostolischen Glaubensbekenntnisses:

 

„Richtschnur des Glaubens“ gemäss Irenäus Apostolisches Glaubensbekenntnis
Den Glauben an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde und der Meere und alles was in ihnen ist, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
und an den einen Christus Jesus, Und an Jesus Christus,
den Sohn Gottes, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
der, um uns zu erlösen, Fleisch angenommen hat, empfangen durch den Heiligen Geist,
und an den heiligen Geist, der durch die Propheten die Heilsordnung Gottes verkündet hat, die zweifache Ankunft des Herrn, (unten genannt)
seine Geburt aus der Jungfrau, geboren von der Jungfrau Maria,
sein Leiden (unter Pontius Pilatus), gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
seine Auferstehung von den Toten am dritten Tage auferstanden von den Toten,
und die leibliche Himmelfahrt aufgefahren in den Himmel.
unseres lieben Herrn Christus Jesus Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
und seine Wiederkunft vom Himmel in der Herrlichkeit des Vaters, von dort wird er kommen,
um „alles wiederherzustellen“ [Eph 1,10] und alles Fleisch der ganzen Menschheit wiederzuerwecken, damit vor Jesus Christus, unserm Herrn und Gott, unserm Heiland und König, nach dem Wohlgefallen des unsichtbaren Vaters, „jedes Knie sich beuge derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind, und jegliche Zunge ihn preise“ [Phil 2,10-11]. Dann wird er ein gerechtes Gericht über alle halten. Die Geister der Bosheit und die ungehorsamen Engel, die von Gott abfielen, und die Gottlosen und Ungerechten und Frevler und Gotteslästerer wird er in das ewige Feuer schicken. Den Gerechten aber und Frommen und denen, die seine Gebote beobachtet haben, und die in seiner Liebe verharrt sind teils von Anfang, teils seit ihrer Bekehrung, denen wird er das ewige Leben in Gnaden schenken und mit ewiger Herrlichkeit sie umkleiden. zu richten die Lebenden und die Toten.
(oben genannt) Ich glaube an den Heiligen Geist,
(einziger nicht-genannter Aspekt) die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
(oben genannt) Vergebung der Sünden,
(oben genannt) Auferstehung der Toten
(oben genannt) und das ewige Leben. Amen

 

Das Apostolische Glaubensbekenntnis geht inhaltlich auf die „Richtschnur des Glaubens“ zurück, wie sie spätestens seit 200 n.Chr. formuliert war. Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist eine Variante dieser „Richtschnur des Glaubens“.

2. Das Glaubensbekenntnis und der neutestamentliche Kanon kommen aus derselben Hand

Die neutestamentlichen Schriften und das Apostolische Glaubensbekenntnis (als Variante der „Richtschnur des Glaubens“) wurden in derselben Zeit festgelegt. Wir empfangen beides aus derselben Hand der Alten Kirche. Im Grundsatz ist auch der neutestamentliche Kanon ein Bekenntnis und eine „Richtschnur des Glaubens“. „Kanon“ bedeutet auf Griechisch „Regel“ oder „Richtschnur“.

3. Das Glaubensbekenntnis und der neutestamentliche Kanon bestätigen einander

Irenäus sieht in den neutestamentlichen Schriften und in der „Richtschnur des Glaubens“ zwei Zeugen, die sich gegenseitig bestätigen und gegen beide sich die Irrlehrer seiner Zeit stellen. Das Glaubensbekenntnis und das Neue Testament bestätigen sich gegenseitig. Noch heute gilt, dass eine liberale Haltung bezüglich Bibel und Apostolischen Glaubensbekenntnis in der Regel einhergehen. Eine liberale Theologie ist schlussendlich eine Theologie, die sich dem Apostolischen Glaubensbekenntnis nicht verpflichtet sieht.

Nach dem Motto, „Wie kann ich verstehen, was ich lese, wenn mich nicht jemand anleitet?“ (vgl. Apg 8,30-31), will das Apostolische Glaubensbekenntnis uns in unserem Verständnis der biblischen Schriften leiten. So schreibt auch das Evangelische Gemeinschaftswerk der Schweiz (EGW) in seinen Statuten: „Wegweisend für die Auslegung der Heiligen Schrift sind das Apostolische Glaubensbekenntnis und die Bekenntnisse der Reformation in ihren Grundaussagen.“

4. Das Glaubensbekenntnis führte zur Entstehung zahlreicher Freikirchen

In den 1870er-Jahren wurde im Zuge des sogenannten „Apostolikumsstreits“ in den schweizerischen evangelischen Landeskirchen die Verpflichtung auf das Apostolische Glaubensbekenntnis aufgehoben. Dies führte dazu, dass bekenntnistreue Pfarrer und Gläubige sich von den Landeskirchen distanzierten und neue Gemeinschaften gründeten: unter anderem Chrischona Gemeinden. Die ersten selbstständigen Chrischona Gemeinden und andere Freikirchen entstanden in Abgrenzung zu einer Theologie, die sich vom Apostolischen Glaubensbekenntnis loslöste.

Angesichts dieser Entstehungsgeschichte würde es vielen Freikirchen gut anstehen, das Apostolische Glaubensbekenntnis neu zu entdecken und in ihre Gottesdienste zu integrieren.

5. Das Glaubensbekenntnis ist ein zeitloser „Klassiker“

Bei Autos fährt man einen Klassiker im Bewusstsein: Neuere Vehikel sind vielleicht bequemer, schneller, sparsamer und hipper, aber wenn jene einmal zu Kühlschränken und Waschmaschinen recycelt sein werden, wird diese Kostbarkeit weiterhin Freude und Inspiration vermitteln. In meinem Glauben halte ich mich an Christus, das bewährte Evangelium, die biblischen Schriften und die alten Bekenntnisse: den Klassiker. Neuere sogenannt „christliche Strömungen“ sind vielleicht bequemer, schneller, sparsamer und hipper, aber wenn jene einmal bereits verschwunden sein werden, wird diese Kostbarkeit weiterhin Freude und Inspiration vermitteln.

Ich halte mich lieber an eine über 1800jährige Tradition und stehe lieber auf dem Boden der alten Kirche, als dass ich meine, ausgerechnet wir seien die Generation, die zu Recht feststellt, dass die alten Wahrheiten nicht mehr wahr sein sollen. Wir würden damit gegen zweitausend Jahre Kirchengeschichte inklusive Reformation wetten. Mathematisch gesehen wären unsere Chancen, richtig zu liegen, sehr klein.

Im Blick auf das Apostolische Glaubensbekenntnis erkläre ich mit einem alten Spiritual:

Give me that old time religion. It’s good enough for me.
It was good for Paul and Silas and it’s good
enough for me.
It was
tried in the fiery furnace and it’s good enough for me.
Makes me love everybody and it’s good
enough for me.
Give me that old time religion. It’s good
enough for me.

Frei übersetzt:

Gib mir den traditionellen Glauben, er ist für mich voll in Ordnung.
Er war gut für Paulus und Silas und ist auch für mich voll in Ordnung.
Er wurde im feurigen Ofen geprüft und ist auch für mich voll in Ordnung.
Er gibt mir Liebe für alle Menschen und ist auch für mich voll in Ordnung.
Gib mir den traditionellen Glauben, er ist für mich voll in Ordnung.

Diesen Blog-Artikel gibt es in ausführlicherer Form auf danieloption.ch

 

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Wir sind dynamisch

Wir sind dynamisch

Wir sind dynamisch

© denamorado

Kürzlich sprach ich an einer Konferenz (Forum Kommunikative Theologie) über die „fromme Szene“, zu der wir als Chrischona Schweiz gehören. Ich gebrauchte dafür augenzwinkernd die Wortschöpfung „pietistisch-evangelikal-charismatische Christenheit„. Die meisten Zuhörenden reagierten mit leichtem Schmunzeln und wussten in etwa, was ich damit meinte. Trotzdem ist diese Bezeichnung natürlich kein zukunftsfähiges Label.

Gläubige Christen der verschiedenen Traditionen und Prägungen sind dadurch miteinander verbunden, dass sie zum Beispiel an die Inhalte des Apostolischen Glaubensbekenntnisses glauben. Die verschiedenen Traditionen sind dabei nicht als Schubladisierungen und Abgrenzungen zu verstehen – auch wenn sie zum Teil als solche missbraucht werden – sondern als Reichtum der gesamten Christenheit. Es macht durchaus Sinn, diese verschiedenen Traditionen und Prägungen benennen zu können, ihnen Labels zu geben, damit man weiss, wo das Gegenüber seine kirchlichen und theologischen Wurzeln hat. Dies im Bewusstsein: Zuerst sind wir mal Christen, dann lange nichts mehr und danach evangelische Christen, lutherische Christen, orthodoxe Christen, anglikanische Christen und so weiter. Die Frage lautet: Wie bezeichnen wir unseren ungefähren Mix an „pietistisch-evangelikal-charismatischer“ Tradition und Prägung? Welcher Begriff wäre für unsere Bewegung charakteristisch?

Ich glaube, wir sind dynamische Christen, oder wollen und sollten es sein!

Dynamisch im Sinn von EVANGELIUMSGELADEN

„Wir schämen uns des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft (Dynamis) Gottes, die jeden rettet, der glaubt.“ (nach Röm 1,16; 15,18-19)

Wir glauben an das ganze und volle Evangelium, wie es in der Bibel steht. Wir glauben an die Lebensverändernde Kraft dieser Botschaft und wollen sie immer tiefer verstehen und immer wieder neu entdecken.

Hier geht es darum, was wir glauben: What we BELIEVE.

Dynamisch im Sinn von GEISTERFÜLLT

„Wir wollen die Kraft (Dynamis) des Heiligen Geistes empfangen.“ (nach Apg 1,8; Eph 5,18)

Wir wollen eine lebendige Spiritualität leben und das Wirken von Gottes Geist an uns und in uns immer wieder suchen.

Hier geht es um unseren Charakter: What we BECOME.

Dynamisch im Sinn von BEFLÜGELT

„Durch unsere Worte und Taten wollen wir in der Kraft (Dynamis) des Geistes das volle Evangelium weitergeben.“ (nach Röm 15,18-19; Apg 1,8; 2Kor 5,20)

Wir wollen durch unser Leben und Reden unsere Mitmenschen einladen, durch den Glauben an Jesus ein sinnerfülltes und bedeutungsvolles Leben zu finden. Dies soll kreativ, beweglich, inspiriert, begeistert, beflügelt oder eben dynamisch geschehen.

Hier geht es um unseren Lebensstil: How we BEHAVE.

Diese drei Aspekte „Bekenntnis zum Evangelium“, „lebendige Spiritualität“ und „authentische Sucherorientierung“ waren übrigens von Anfang an entscheidende Merkmale echter Chrischona Gemeinden und sind es heute noch.

Dynamisch – unser neues Label?

Dynamische Christen sind solche, die sich dadurch speziell charakterisieren, dass sie sich dem vollen Evangelium verpflichtet fühlen, dass sie aus der Kraft des Geistes leben wollen und dass sie durch ihre Worte und Taten Menschen zu einem Leben mit Jesus einladen.

Würden wir uns anstatt als „pietistisch-evangelikal-charismatisch“ als „dynamische“ Christen bezeichnen, würden wir damit anderen Christen die Dynamis übrigens nicht absprechen! Evangelische Christen sprechen ja Katholiken und Anglikanern auch nicht ab, dass sie das Evangelium wichtig finden.

„Dynamisch“ – vielleicht noch zu früh für unsere neue Selbstbezeichnung. Ich hätte eine noch bessere Idee: Wie wäre es, wenn wir unser Christsein so dynamisch lebten, dass andere uns dieses Label geben würden?

Soweit einige unfertige Gedanken von mir. Was denkst Du dazu? Schreibe es mir!

 

 

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

Ihr werdet sein wie Gott

Ihr werdet sein wie Gott

Ihr werdet sein wie Gott

Credit: iStock.com/bpperry

Als Mensch so sein, wie Gott ist – ist das unsere tiefste Berufung oder die grösste Sünde oder irgendetwas dazwischen?

Im Osten taucht die Sonne die Wolken in sanftrotes Licht. Glitzernd tropft der Tau von den Fäden der Gerstenhalme. In gegenseitigem Echo trällern die Singvögel ihren Morgengruss. Paradiesisch. Schöpferische Schönheit. Göttliche Herrlichkeit. Unverdorben. Im Morgendunst werden drei unverhüllte Gestalten sichtbar. Die Menschin und der Mensch mit Gott im Gespräch. Die Beiden sind ihm gleich, unterschiedlich als Mann und Frau geschaffen. Zum einen ist alles auf Beziehung angelegt, zum anderen haben die Beiden einen klaren Auftrag. Sie verwalten, was Gott geschaffen hat. Sind seine Geliebten, Stellvertreter, Berufenen, Eingesetzten und Angestellten. Was immer damit für Aufgaben verbunden waren.

In dieser Szene befinden wir uns. Gemäss den beiden Schöpfungsberichten in 1. Mose 1 und 2 «schuf Gott den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie» (1,27) und «bildete Gott, der HERR, den Menschen aus dem Staub vom Erdboden und hauchte Atem des Lebens in seine Nase; so wurde der Mensch eine lebende Seele» (2,7). Der Mensch sagt später von sich selbst:

«Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Atem des Allmächtigen belebt mich»

Hiob 33,4

Gott schaut sich selbst an und formt ein Wesen, so wie er ist –

«in seinem Bild … und es ward der Mensch zu einem Leben-Atmenden»

1. Mose 2,7; Hebräisch-Deutsche Bibel, Sinai-Verlag, Tel-Aviv

Das ist die Ausgangslage – einige tausend Jahre zurück.

Wir wechseln ins Jahr 2019. In diesem Sommer gestalte ich im paradiesischen Berner Oberland eine Stille Woche. An jedem Tag lese ich Römer 8. Neben anderen Erkenntnissen bleibe ich hier kleben:

«Schon vor aller Zeit hat Gott die Entscheidung getroffen, dass sie ihm gehören sollen. Darum hat er auch von Anfang an vorgesehen, dass ihr ganzes Wesen so umgestaltet wird, dass sie seinem Sohn gleich sind. Er ist das Bild, dem sie ähnlich werden sollen, denn er soll der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein»

Römer 8,29, Neue Genfer Übersetzung

Wörtlich steht hier «dem Bilde seines Sohnes gleichgestaltet (oder gleichförmig) zu sein». Das ist unsere Berufung und Bestimmung als Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus: So sein, wie ER ist! Das ist in diesem Sommer keine neue Erkenntnis, aber etwas bewegt mich: «So sein, wie er ist» – das sind wir, seit Gott uns seinen Geist eingehaucht hat. Und weil jeder Mensch Gottes Geist (Lebensatem) in sich trägt, ist jeder Mensch Gott gleich. Aber weshalb haben wir denn diese Bestimmung und Berufung verloren und können sie nur in Jesus neu finden?

Wieder einige tausend Jahre zurück: Die Schlange flüstert dem Menschen ins Ohr: «Du wirst sein wie Gott, erkennend Gutes und Böses»! – Aber was ist das für ein Blödsinn?! Der Mensch ist schon wie Gott, als sein Bild (hebr: bezaläm) und nach seiner Gestalt (hebr: demut) geschaffen. Was soll er mehr sein? Er gehört wesensmässig zu Gott, ist Teil von Gott.

Was jetzt geschieht, ist echte Kommunikationskunst. Die teuflische Stimme flüstert dem Menschen ein: Das ist zu wenig! Das reicht nicht! Du kannst mehr sein, als du bist! Du kannst sein, wie Gott ist! – und der Mensch glaubt das! Alles beginnt mit Glauben!

Nochmals: Das ist ja grad von Anfang an Gottes Idee: Wir sollen so sein, wie ER ist, nach seinem Bild und Wesen geschaffen, ein Teil von IHM, seiner Gemeinschaft, seines Umfeldes.

Und jetzt sät uns Satan eine neue Berufung in unser Herz: Was du jetzt bist, ist zu wenig, genügt nicht! Du verpasst das eigentliche Leben! Du kannst mehr sein! Du kannst mehr haben! Rebelliere! Sei mehr! Werde wie Gott! – Und der Mensch hört zwei Dinge:

  1. So wie Gott mich geschaffen hat, bin ich nichts wert!
  2. Sei dein eigener Gott! Sei selbst Gott! Mach, was du willst! Nutze alles zu deinen Gunsten aus. Suche Anerkennung, Beachtung und Anbetung.

Es ist nochmals das Jahr Null. Der Mensch hat sich neu als Gott geschaffen. Alles beginnt von vorne mit einem Wesen, welches sich als Menschgott versteht und sich alles um diesen Menschgott dreht. Das erste, was geschieht ist, dass der eine Bruder den anderen aus Neid umbringt. Bis heute im Jahr 2020 ist das so geblieben. Es dreht sich alles um mich, weil ich nicht genüge, zu wenig bin und meine Bedürfnisse selbst stillen muss.

Nochmals: Gott hat uns so geschaffen, wie er selbst ist und «alles, was er gemacht hatte, war sehr gut» (1. Mose 1,31). Durch unsere Entscheidung, der Lüge zu glauben, dass das zu wenig ist, bleiben wir in einer grausamen Spirale gefangen. Weil ich höre «ich bin nichts wert!» muss ich dauernd dafür sorgen, dass dem nicht so ist – dass andere mich beachten und ich selbst glänze. In dem ich mich selbst darstelle, hoffe ich, möglichst viel Beachtung, Aufmerksamkeit und Anbetung zu finden, schliesslich bin ich Gott, oder?

Mit dieser Auseinandersetzung ringt Paulus im Römerbrief. Er schildert, wie unsere menschliche Natur gegen Gott rebelliert. Paulus benutzt dafür den Ausdruck «Fleisch» und beschreibt den Kampf des Fleisches gegen Gottes Geist, in welchem der Mensch in sich selbst gefangen bleibt.

Doch in allem Leiden von Römer Kapitel 1 bis 7 wird in Römer 8 klar: Schluss damit! Die Lösung ist, dass Jesus uns gleich wird, damit wir ihm gleich werden können:

«Deshalb hat Gott als Antwort auf die Sünde seinen eigenen Sohn gesandt. Dieser war der sündigen Menschheit insofern gleich, als er ein Mensch von Fleisch und Blut war, und indem Gott an ihm das Urteil über die Sünde vollzog, vollzog er es an der menschlichen Natur» Römer 8,3

In Phil 3,10 benutzt Paulus den gleichen Begriff wie in Röm 8,29: «wir werden seinem Tod gleichgestaltet» und in Gal 2,19-20 wird klar, wie intensiv und herausfordernd dieses «gleich wie Jesus» ist. Das ist wirklich ein Herzenswort des Paulus:

«Ich bin mit Christus gekreuzigt. Nicht mehr ich bin es, der lebt, nein, Christus lebt in mir. Und solange ich noch dieses irdische Leben habe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mir seine Liebe erwiesen und sich selbst für mich hingegeben hat.»

So sein wie Gott ist, ist also unsere tiefste Bestimmung. Zu Beginn war uns diese Berufung geschenkt. Dadurch, dass wir uns von Gott lösten, haben wir sie verloren, sind wir bis heute verloren in uns selbst. Dadurch, dass dieser selbst berufene Menschgott mit Jesus am Kreuz stirbt, aufersteht ein Mensch, der wieder gleich ist wie Gott, aber Mensch bleiben darf – davon schreibt Paulus weiter in Römer 8. Der Heilige Geist vertritt uns vor Gott und übersetzt unsere «schwachen Gebete in unaussprechliche Seufzer» (8,26). Wir dürfen endlich Menschen sein, wie Gott es sich gedacht hat – auf dem Weg, im gleich zu werden.

Ich sehe den Apostel Johannes vor mir, wie er von der Wiederkunft von Jesus träumt:

«Wir wissen noch nicht, wie es sein wird… wir wissen aber, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist!»

1Joh 3,1-3

Das ist Gottes Bestimmung für mein Leben! Sie war es von Anfang an. Sie es heute noch! Gott kommt mit mir zu seinem Ziel! Trotz und mit meinen Umwegen!

Beat Ungricht

Beat Ungricht

Regionalleiter Zürich

Beat ist mit Bea verheiratet, die beiden haben drei Kinder und leben in Elsau, Winterthur. In der Region Zürich begleitet er 22 Gemeinden und brennt dafür, dass Jesus durch uns und unsere Gemeinde erlebbar wird. Er liebt es, zu vernetzen, beraten, nah und weit zu denken und mutig zu agieren.