Auf ins V.U.K.A.-Erlebnis!

von | 15. Sep 2020 | Gemeindebau | 1 Kommentar

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Für viele Leute sind Traum-Skipisten frisch planiert, bequem zu fahren, ohne jegliche unwillkommene Überraschung. Pisten, wo man noch die Rillen des Pistenfahrzeuges sieht. Andere Leute träumen von Skipisten, auf denen einige Zentimeter unberührten Neuschnees liegen, man wie auf Watte fährt und sich fühlt, als würde man schweben. Und dann gibt es Skipisten, die sind V.U.K.A.

V: veränderlich (volatility)

Eisflächen, leichter und nasser Schnee wechseln sich ebenso ab wie ebene Bereiche und veritable Buckel.

U: unsicher (uncertainty)

Man weiss nicht genau, was einem wo erwartet. Scheinbar schöner Schnee entpuppt sich als Eisfläche, die mit minimal wenig Schnee bedeckt ist, der sofort wegrutscht, wenn man mit dem Ski Kante gibt.

K: komplex (compexity)

Die Reaktion des Schnees unter den Skiern kann nicht genau vorhergesagt werden. Nur weil der Schnee in der einen Kurve gut hält, muss das noch lange nicht bedeuten, dass er es in der nächsten Kurve noch tut und nicht doch wegrutscht, auch wenn er eigentlich gleich aussieht.

A: ambig (ambiguity)

Ambiguität steht für Mehrdeutigkeit und Widersprüchlichkeit. Selbst wenn man sich auf der Skipiste die Zeit nehmen und über jeden Schwung nachdenken könnte, gäbe es verschiedene mögliche Überzeugungen, welche Route die beste ist.

 

 

Solche Skipisten findet man oft an sonnigen Frühlingsnachmittagen, nachdem Sonne und Massen von Skifahrern ihnen schon stark zugesetzt haben. Viele Leute fühlen sich von V.U.K.A.-Skipisten überfordert und meiden sie wenn möglich. Aber wenn man sich darauf einlässt, die nötigen Grundsätze beherrscht und genügend fit ist, können solche Pisten sehr positiv sein.

Nicht nur Skipisten können V.U.K.A. sein. In verschiedenerlei Hinsicht wird die gesamte westliche Welt und das Lebensgefühl darin (auch unabhängig von Corona) immer mehr V.U.K.A.: Dauernde Veränderungen (V) werden zur einzigen Konstanten. Unsicherheit (U) macht sich breit und man weiss je länger je weniger, was einem in einem Monat, Jahr oder Jahrzehnt erwartet. Die Komplexität (K) des Lebens steigt und der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung wird immer schwieriger zu erkennen. Informationen und Sachverhalte scheinen mehrdeutig oder gar widersprüchlich, sprich ambig (A).

Eine V.U.K.A.-Skipiste souverän hinunterzufahren oder sich in einer V.U.K.A.-Welt zu bewegen braucht ähnliche Kompetenzen, die sich ebenfalls mit „V.U.K.A.“ zusammenfassen lassen, allerding in einem anderen Sinn:

V: Vision

Wer sich souverän bewegen will, braucht eine möglichst klare Vision davon, nach welchen Werten und Zielen er leben will. Auf der Skipiste wähle ich zum Beispiel in der Regel: Kurzschwünge im Zwei-Sekunden-Rhythmus.

U: Understanding (Verständnis)

Man braucht ein Verständnis von der Umwelt, die man als gegeben akzeptiert und nicht nostalgisch der Vergangenheit nachtrauert. Auf der V.U.K.A.-Skipiste auf das Pistenfahrzeug mit seiner Planierraupe zu warten, ist keine Option. Die V.U.K.A.-Welt scheint wie eine ausgefahrene Skipiste vielleicht weniger bequem als die gehabte, aber wenigstens durch die Begriffe „veränderlich, unsicher, komplex, ambig“ einigermassen verstehbar.

K: Klarheit

Auf einer ausgefahrenen Skipiste braucht es wie in einer V.U.K.A.-Welt eine gewisse Fokussierung und ein gewisses Selbstvertrauen mit leichtem Hang zur Sturheit. Ich halte meine Linie.

A: Anpassungsfähigkeit und Agilität

Bei aller nötigen Klarheit und gewissen Sturheit braucht es auf ausgefahrenen Skipisten und in unserer heutigen Welt die Fähigkeit, spontan und entspannt auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Klarheit, Fokussierung uns Selbstvertrauen müssen gepaart sein mit entspannter Anpassungs- und Adaptionsfähigkeit.

 

 

Sicher scheint mir: Die V.U.K.A.-Welt ist Realität und diese wird nicht mehr so schnell verschwinden. Für wohl 80 Prozent der Menschen dieses Planeten ist die V.U.K.A.-Welt schon längst Realität und diese Menschen haben wohl auch überhaupt kein Erbarmen mit uns. Und das brauchen auch wir nicht mit uns selbst zu haben, denn das Positive ist: Wenn so viele Menschen schon längt in einer V.U.K.A.-Welt leben, dann können auch wir es lernen! Vielleicht wirst du nie lernen, eine V.U.K.A.-Skipiste zu geniessen, aber du kannst lernen, eine V.U.K.A.-Welt zu lieben! Wenn du dich darauf einlässt, die nötigen Grundsätze beherzigst und geistlich genügend „fit“ bist, kann das Leben in der V.U.K.A.-Welt sehr positiv sein!

Wir können lernen, in einer V.U.K.A.-Welt dort, wo wir sind, Leitungsverantwortung wahrzunehmen.

Wir können lernen, in einer V.U.K.A.-Welt Kirche zu sein und zu bauen

Die V.U.K.A.-Welt bietet sogar ausgeprägte Chancen für beides. Schreibe mir doch, welche Chancen du siehst! Was sind die positiven Tugenden, mit denen wir auf „veränderlich, unsicher, komplex und ambig“ antworten können? Welche Herzenshaltungen, Denkweisen und Strategien könnten uns helfen?

 

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

1 Kommentar

  1. Ich wünsche mir deutschsprachige Evangelisten, die sich wagen biblische Profetien klar und deutlich auszulegen, damit wir uns auf d Endzeit vorbereiten können.

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