Die Akteurin für Heilung

Die Akteurin für Heilung

Die Akteurin für Heilung

© MIchele Cammarano / Public Domain

Die Ermordung des afroamerikanischen Staatsbürgers George Floyd durch einen weißen Polizisten in den Vereinigten Staaten hat uns alle erschüttert und eine Welle des Protests gegen Rassismus in Nordamerika und auf der ganzen Welt ausgelöst. Es versteht sich von selbst, dass das Thema Rassismus ein sehr komplexes Thema ist, denn es ist uralt und systemisch verwurzelt in unserer Gesellschaft. Diskriminierung und Rassismus sind nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Im Gegenteil, was in Nordamerika geschieht, hat seinen Ursprung hier in Europa. Wir leben heute mit den Folgen dieser Realität, mit den Folgen von Kolonialisierung und Sklaverei.

In der Schweiz nimmt der Rassismus oft eine sehr subtile, indirekte Form an. Sie manifestiert sich in kleinen Sätzen, die von Vorurteilen herkommen und die wir täglich hören. Es beginnt mit kleinen Bemerkungen wie „aber dieser Name kommt doch von einem anderen Land? Ich meine, sie sind nicht wirklich Schweizer“ oder „das ist unglaublich, sie haben wirklich keinen Akzent, woher kommen sie denn?“ bis hin zu rassistischen Witzen, die sich hinter einem „Verstehen Sie das nicht falsch, es ist nur ein Witz, wir sind keine Rassisten“ verbergen. Oder „das passt ganz zu ihnen“, denn, ja, beim Rassismus geht es auch darum, eine Rasse zu stereotypisieren und Verhaltensweisen zu verallgemeinern.

Als Christen, die das Reich Gottes aufbauen, wollen wir sicherstellen, dass wir respektvoll und gerecht agieren. Es liegt in unserer Verantwortung, aufzustehen, wenn Ungerechtigkeit geschieht, weshalb wir der Ungerechtigkeit der Unterdrückten besondere Aufmerksamkeit schenken wollen. Wenn in unseren Gemeinden Menschen ihre Erfahrungen oder Leiden im Zusammenhang mit Rassismus zum Ausdruck bringen, sollten wir das Thema nicht bagatellisieren. Wer kennt nicht schon das berühmte „Ach du übertreibst, heute gibt es in der Schweiz keinen Rassismus mehr“ oder „in der Schweiz ist Rassismus nicht so schlimm“. Diese ungerechtfertigten Überlegungen minimieren die Schwierigkeiten, denen Menschen tagtäglich ausgesetzt sind. Wie könnten wir es wagen, mit einer schwierigen Erfahrung, die Leid verursacht, nicht einverstanden zu sein, nur weil wir diesen gewöhnlichen Rassismus nicht in unserem täglichen Leben erleben? Und schließlich: Wie offen sind wir für Menschen, die täglich Rassismus erleben?

Wir müssen uns als Einzelne, aber auch als Kirche, der rassistischen Ungerechtigkeiten bewusst sein, mit denen viele Menschen hier in der Schweiz und manchmal auch in unseren Gemeinden konfrontiert sind. Die Kirche hat ihre Rolle als Akteurin des Wandels, der Heilung und der Wiederherstellung wahrzunehmen, besonders auch dann, wenn sich die Medien plötzlich einem anderen aktuellen Thema zuwenden. Wir wollen als Christen dafür bekannt sein, dass unsere Kirchen Orte sind, in denen ein konstruktives Zusammenleben jeglicher ethnischen Gruppe oder Hautfarbe möglich ist. Dieser Mentalitätswandel darf uns gerne noch ein bisschen beschäftigen.

Fabienne Fuchser

Gastautorin

Fabienne hat in Lausanne und Genf Recht studiert (Master of Law) und die Anwaltsschule absolviert. Momentan arbeitet sie am eidgenössischen Strafgericht in Bellinzona. In ihrer Freizeit spielt sie Klavier und singt in einem Gospelchor

Die Stunden mit unseren Kindern

Die Stunden mit unseren Kindern

Die Stunden mit unseren Kindern

© iStock.com/MartenBG

Jetzt sind alle Kinder zuhause und die Eltern auch häufiger. Hoffen wir, dass es nur eine Phase ist und Corona wieder verschwindet. Hoffen wir aber auch, dass wir die Chancen dieser Zeit nutzen. Allen Eltern rufen wir zu: Wenn ihr die Möglichkeit habt, euch in dieser Zeit besonders in eure Kinder zu investieren, dann tut es. Investiert in Qualitäts-Zeiten mit euren Kindern.

Zurzeit gibt es viele Tipp-Beiträge im Internet, wie man die Zeit zuhause meistern kann. Dass es eine Tagesstruktur braucht, dass Langeweile durchaus auch mal ok ist. Über all das müssen wir daher nicht weiter reden bzw. schreiben. Über was wir aber reden möchten, ist unsere Überzeugung, dass diese Zeit neben aller Herausforderung eine einmalige Chance ist für die Eltern, in die Beziehung zu ihren Kindern zu investieren. Eltern haben normalerweise 3000 Stunden pro Jahr, um ein junges Leben zu beeinflussen. Im 2020 werden es wohl ein paar Stunden mehr sein. Lasst sie uns nutzen als Chance, um mit unseren Kindern auch Glaubensgespräche zu führen. Die besten Gespräche entstehen da, wo sie nicht verkrampft gesucht werden. Konstruiere also keine künstlichen Szenen, um deine heimlich vorbereitete Spontan-Andacht zu platzieren. Sei stattdessen mit dir selbst ehrlich und rede über deinen eigenen Glauben, so wie er dich selbst beschäftigt und wie du den Eindruck hast, dass er dein Kind beschäftigt. Suche aktiv Chancen, gerade auch in der Natur (Ja du darfst mit deinem Kind raus, du sollst einfach andere Leute meiden) bieten sich in dieser Frühlingszeit viele Chancen, um über die Schöpfung und Gott zu staunen. 

Im Internet gibt es schon viele coole Clips für kleinere und ältere Kinder und in den nächsten Tagen werden wohl noch viele produziert. Auch das Fernsehprogramm wird laufend an die Kinder angepasst. Du könntest deine Kinder also den ganzen Tag mit Online- und Fernsehkonsum unterhalten. Hab kein schlechtes Gewissen, dass auch ab und zu so zu machen, aber definiere es als begrenzte Zeit und wo möglich, setze dich dazu und sprich anschliessend mit deinem Kind über die eben gesehene Geschichte. 

Die derzeitige Solidaritätswelle in der Schweiz ist beeindruckend – und auch für euch eine Chance. Entscheidet euch für eine Aktion, die ihr mit euren Kindern umsetzen könnt. Beachtet dabei aber die Vorschriften des Bundes, den Kontakt auf den engsten Kreis zu beschränken und Live-Kontakt nur mit den immer gleichen Personen zu haben. Solidarität kann auch ohne Live-Kontakt geschehen, bspw. mit Postkarten schreiben. 

Und in allem: Bald steht die Osterzeit an. Lasst uns dies zu einer besonderen Zeit machen. Lest gemeinsam in der (Kinder-)Bibel, schaut euch biblische Bilder- oder Wimmelbücher an, und so weiter. Entdeckt in dieser Osterzeit den Glauben gemeinsam neu, macht sie zu einer einmaligen Familienzeit. Diese Chance haben wir nur dieses Jahr. Betet auch gemeinsam, viele Kinder lieben es Fürbitte zu tun. Kurz: Pflegt die ganz normalen christlichen Rituale. Dabei können auch wir Eltern wieder ganz neu lernen, den Glauben im Alltag zu leben. Gottes Segen euch allen!

Und alle Eltern, die jetzt umso intensiver arbeiten – und gerne auch mehr Zeit mit ihren Kindern hätten: Vielen, vielen herzlichen Dank für das, was ihr für unser Land tut! Möge Gott euch jeden Tag die nötige Kraft geben. Und möge er euch und eure Kinder reich segnen! Er kennt viele Wege, dies zu tun.

Josias Burgherr

Josias Burgherr

Leiter Young Generation und Kommunikation

Josias ist verheiratet, lebt im Aargau und hat zwei Kinder. Er fördert und unterstützt mit seinem Young Generation Team die Kinder-, Teenie- und Jugendarbeit in den Chrischona Gemeinden. Zudem schreibt und gestaltet er für Chrischona Schweiz.

Was kommt nach dem Einhorn?

Was kommt nach dem Einhorn?

Was kommt nach dem Einhorn?

Credit: iStock.com/Mimadeo

Jedem sein Einhorn, am liebsten in weiss-pink und auf einer saftigen grünen Wiese. Und beides gehört mir, die Wiese und das Einhorn. Und falls ich das Einhorn nicht will, kann ich es einfach umtauschen. Kostenlos. Über die letzten Jahre und Jahrzehnte hinweg war die Suche nach Individualität das grosse Ideal unserer Gesellschaft. Die Idee dahinter: jedem stehen alle Türen offen, jeder ist etwas ganz Besonderes.

Auch in christlichen Kreisen haben wir das gepredigt: Jesus wäre auch am Kreuz gestorben, wenn du der einzige Mensch auf der Welt wärst. Oder: Gott hat einen ganz besonderen, einzigartigen und individuellen Plan für dich, perfekt auf dich zugeschnitten und in der gesamten Menschheitsgeschichte nicht wiederholbar. Alles mit einem Kern Wahrheit, aber halt auch etwas übertrieben und von der Sehnsucht nach Individualität mitgeprägt. Dass die meisten schönen Verse, die wir aus dem Alten und Neuen Testament zitieren, an ein ganzes Volk oder eine Gruppe gerichtet waren und nicht an eine einzelne Person, übersehen wir dabei gerne.

Ich will die Individualität nicht gänzlich schlecht reden. Jeder hat das Bedürfnis, gesehen und anerkannt zu werden. Das ist okay. Wir haben den Massstab, wie dieses Bedürfnis gestillt werden soll, aber sehr hoch gesetzt. Zu hoch. Ja, Gott hat etwas ganz Besonderes mit mir vor. Aber das kann sich auch im völlig unspektakulären Alltag zeigen. Dafür brauchst du kein Einhorn.

Nun neigt sich diese Individualitäts-Zeit langsam dem Ende zu. Die Menschen – insbesondere die Jugendlichen – suchen vermehrt nach Stabilität. Das hat Folgen: Von den Firmen wird beispielsweise nicht mehr primär Erfolg und Wachstum gefordert, sondern verantwortungsvolles Handeln. Als Reaktion darauf haben immer mehr Firmen einen eigenen Ehrenkodex veröffentlicht, der definiert, nach welchen Kriterien ihr Umgang mit ihren Mitarbeitern, Kunden und Zulieferern geschehen soll. Dies ist nur ein Beispiel davon, das zeigt: Wertorientiertes Handeln wird wichtiger. Über Werte wird Stabilität gesucht. Die Werte sollen der Individualität einen Rahmen geben, an dem man sich messen und orientieren kann. Sprich, die Individualität wird nicht verdrängt, aber begrenzt. So zumindest der Wunsch.

Diese Neuorientierung nach Werten ist in vollem Gange und bedeutet für unsere (Frei-)Kirchen eine riesen Chance. Wir sollten es nicht versäumen, diese Werte mitzuprägen. Denn sie kommen so oder so. Die Frage ist nur, wie „christlich“ sie sind…

Aber wie sollen wir uns in diese Debatte einklinken? Wie sollen wir prägen? Und wie schaffen wir es, dass wir nicht Trend-Werte weitertragen, die im Kern unseren Glauben gar nicht fördern? Zwei Fragen können helfen dabei:

  1. Was ist an den Werten, die die Gesellschaft aktuell propagiert, das spezifisch Christliche?
  2. Wenn wir die Bibel vorbehaltlos lesen: Für welche Werte würde unser Glaube einstehen?

Zu beiden Fragen ein paar Gedanken:

 

Das spezifisch Christliche der Werte

 Nehmen wir zwei aktuelle Werte: Toleranz und Umweltschutz. Die Gesellschaft definiert Toleranz etwa so: Alles muss sein dürfen, wer das nicht so sieht, muss bekämpft werden. Die Toleranz, die unser Glauben vermitteln möchte, betont etwas anderes: Unterschiedliche Ansichten hindern mich nicht daran, dich zu lieben. Oder nehmen wir den Umweltschutz. Die Gesellschaft ist von einem angstgetriebenen Handeln geprägt: Es scheint erwiesen, dass die Welt sich zerstören wird, wenn wir nicht Handeln. Wir haben uns an ihr schuldig gemacht und müssen sie nun mit allen Mitteln vor dem Untergang bewahren. So die vorherrschende Meinung. Aber was sagt die Bibel zu Umweltschutz? Dass wir es auch tun sollen, aber aus einer anderen Haltung heraus. Wir glauben an einen Gott, der in 1. Mose 8,22 versprochen hat:

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Und ebenso steht in Matthäus 24,36:

Von dem Tage [wo Himmel und Erde werden vergehen] aber und von der Stunde weiss niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.

 Wir wissen also zwei Dinge:

  1. Der Jahresrhythmus wird nicht aufhören, solange es die Erde gibt
  2. Bis wann es die Erde gibt, weiss allein Gott

Was also bleibt, ist das Wissen, dass Gott alles in der Hand hat, auch die Schöpfung. Und was ebenso bleibt, ist der Wunsch, dieser Schöpfung Sorge zu tragen, aus Respekt und Liebe zu Gott, der sie geschaffen hat.

Umweltschutz ja, aber aus einer ganz anderen Motivation heraus.

Toleranz ja, indem sie aushält und nicht bekämpft.

Wer die Werte, die in der Gesellschaft hoch angesehen sind, mit der Frage nach dem explizit Christlichen prüft, findet schnell heraus, wie er die Werte mitprägen kann. Dies ein paar Gedanken in aller Kürze zur ersten Frage. Kommen wir zur zweiten.

 

Die „Original-Werte“ des Glaubens

Würden wir ungeachtet von allem, was uns im Heute prägt, die Bibel aufschlagen und Gott fragen, welche Werte er uns aufs Herz legen würde – was würde er sagen? Würden Umweltschutz und Toleranz dazugehören? Vielleicht schon… Oder nicht? Stell ihm die Frage mal. Mir ist dabei der folgende Vers wichtig geworden:

Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.

Galater 55,22-23a

Nicht alle diese Werte sind gleich zeitgemäss. Aber weil sie zeitlos sind, spielt das nicht so eine Rolle. Die Leute um uns herum sehnen sich nach Werten, die ihnen helfen, ihr Leben gut zu leben. Und es könnte uns gut anstehen, dabei auch auf Werte zu setzen, die nicht im Trend sind.
Man kann sagen, dass wir uns in einem nachchristlichen Europa befinden. Kann man. Man kann aber auch sagen, dass wir uns in einem vorchristlichen Europa befinden. Ein Kontinent, der darauf wartet, Werte und Orientierung zu bekommen.

Josias Burgherr

Josias Burgherr

Leiter Young Generation und Kommunikation

Josias ist verheiratet, lebt im Aargau und hat zwei Kinder. Er fördert und unterstützt mit seinem Young Generation Team die Kinder-, Teenie- und Jugendarbeit in den Chrischona Gemeinden. Zudem schreibt und gestaltet er für Chrischona Schweiz.

Nur so hat Kirche Bedeutung

Nur so hat Kirche Bedeutung

Nur so hat Kirche Bedeutung

Sorasak Butdee © 123RF.com

„Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist.“

Diese bekannte Aussage von Dietrich Bonhoeffer bedeutet mindestens zwei Dinge:

  1. Kirche ist Teil der Gesellschaft und hat einen Auftrag an der Gesellschaft. Sie ist FÜR andere da.
  2. Kirche unterscheidet sich von der Gesellschaft. Sie ist für ANDERE da.

In der Geschichte der Kirche wurde immer wieder einer dieser zwei Aspekte auf Kosten des anderen überbetont. Es handelt sich dabei aber eigentlich um Polaritäten, die aufeinander bezogen sind. Wir brauchen immer beide Seiten dieser Polaritäten, denn darin liegt wie bei einer Batterie mit ihren zwei Polen die Energie. Mit nur einem Pol wird man wirkungslos, sowohl als Batterie als auch als Kirche.

Weitere Aussagen, die diese Polaritäten beschreiben, lauten:

 

Pol 1 Pol 2
Kirche ist in die Welt gesandt. (Joh 20,21; 17,11; Mat 28,18-20) „Kirche“ bedeutet „die Herausgerufene“. (Mt 11,28-30; Joh 17,14)
Kirche bedarf der ständigen Erneuerung. Kirche steht auf dem Fundament der Bibel und von Christus. (Eph 2,20)
Kirche ist Teil der Gesellschaft und muss sich auf ihr kulturelles Umfeld einlassen. Kirche soll mit ihren Werten und Überzeugungen die Gesellschaft prägen.
Kirche dient sozial-diakonisch. Kirche verkündigt ihre Botschaft, das Evangelium.
Kirche geht auf die gegenwärtigen Probleme ein. Kirche öffnet einen Horizont, der über dieses Leben hinausgeht.
Kirche ist mit ihrem Handeln am Puls der Zeit. Kirche ist mit ihrem Ohr am Herzschlag Gottes.
Kirche trägt ihrem Umfeld in Form, Handeln und Sprache Rechnung. (1Kor 9,19-25) Kirche hat den Mut, auch unpopulär zu sein. (Joh 15,18-20)
Kirche setzt sich mit aktuellen Fragestellungen und gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander. Kirche orientiert sich an der Bibel und ihren ethischen Aussagen.
Kirche wird vom Geist Gottes geprägt, dem Geist der Liebe. Kirche wird vom Geist Gottes geprägt, dem Geist der Wahrheit.
Kirche vertritt die Botschaft, dass wir geliebt und angenommen sind, wie wir sind. Kirche vertritt die Botschaft, dass wir in die uns zugedachte Würde hineinwachsen sollen.
Kirche muss Glaubensaussagen immer wieder neu formulieren. Kirche muss akzeptieren, dass Glaubensaussagen in der Gesellschaft nicht immer mehrheitsfähig sind.
Kirche ist „Salz der Erde“. Salz wirkt aus der Nähe. Kirche wendet sich der Welt selbstlos zu. (Mt 5,13) Kirche ist „Licht der Welt“. Licht wirkt aus einer gewissen Distanz und zeigt die Dinge, wie sie sind. Kirche bekennt sich zum Weg, zur Wahrheit und zum Leben, wie sie dies erkannt hat. (Mt 5,14-16; Joh 14,6)

 

Wie gesagt: Wir brauchen immer beide Seiten dieser Polaritäten. Die ersten Aussagen kommen ohne die zweiten ebenso schief wie die zweiten Aussagen ohne die ersten. Die Energie liegt immer in beiden, nie nur in einer Aussage.

Soweit ich die gegenwärtigen Entwicklungen wahrnehme, sind heute vor allem die ersten Aussagen im Trend. Dass beispielsweise ungeborenes, altes und krankes Leben, Sexualität sowie die Ehe und Familie eine schützenswerte Würde besitzen, scheint altbacken zu sein. Vergisst die Kirche jedoch die zweiten Aussagen, wird es ihr auf Dauer auch nicht möglich sein, die ersten zu leben. Eine Kirche, die Ihre Botschaft, Überzeugungen und Werte zu stark der Gesellschaft anpasst, verliert ihr Profil, ihre Fähigkeit zu prägen, ihr Unterscheidungsmerkmal und schlussendlich ihre Relevanz und Bedeutung für die Gesellschaft. Sucht die Kirche ihre Gesellschaftsrelevanz am falschen Ort, verliert sie ihre Bedeutung leider ganz.

Auf den Einwand, dass sich vor allem freikirchliche Gemeinden zu lange auf die zweiten Aussagen konzentriert hätten, antworte ich: Ob man links oder rechts vom Pferd fällt, spielt im Endeffekt keine grosse Rolle. Das Ziel ist, auf dem Pferd zu sitzen. Wer sich bei den zweiten Aussagen zuhause fühlt, wird sich auf die ersten konzentrieren müssen. Wer vor allem die ersten Aussagen schätzt, wird die zweiten speziell beachten müssen. Reiten kann man nur auf dem Pferd und Energie gibt es nur mit beiden Polen der Batterie.

Die Kirche muss sich gleichzeitig von der Gesellschaft unterscheiden und sich auf sie einlassen. Nur so hat Kirche Bedeutung.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.