Ich liebe St. Chrischona

von | 28. Sep 2021 | Persönlich | 0 Kommentare

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Als Gemeindeverband Chrischona Schweiz denken wir darüber nach, unseren Namen zu ändern. Dies löst bei mir selbst einen gewissen Schmerz aus. Ich liebe St. Chrischona: den Ort, seine Geschichte und seine Berufung.

Chrischona ist ein Ort grosser Visionen

Als 1840 auf dem Basler Hausberg St. Chrischona die Chrischona Bewegung gegründet wurde, wollte man die Gesellschaft zum Positiven verändern. Der Gründer Christian Friedrich Spittler verstand sich als «Handlanger am Bau des Reiches Gottes» und hinterliess zahlreiche Zitate, die uns noch heute herausfordern, zum Beispiel:

«Was hilft’s, wenn wir beim warmen Ofen und einer Pfeife Tabak die Notstände der Zeit bejammern, Hand anlegen müssen wir, und sei es auch ganz im Kleinen.»

«Es ist nicht genug, durch das Evangelium die Heiden zu Christen zu machen, wir müssen auch sorgen, dass unsere Christen nicht wieder Heiden werden.»

«Ach, ich möchte Blut weinen, wenn Männer, von denen ich zuverlässig weiss, dass sie in Hauptpunkten einig sind, sich in untergeordneten Punkten streiten.»

Christian Friedrich Spittler suchte nach Antworten auf die Not seiner Zeit und gründete etwa 30 christlich-diakonische Werke. Sein Lieblingswerk wurde die 1840 von ihm gegründete Pilgermission St. Chrischona. (blog.chrischona.ch/2020/03/tausendsassa-und-start-up-gruender/)

Auch nach Spittler war der Chrischona Berg immer wieder ein Ort grosser Visionen und gemeinsamer Schulterschlüsse, ein «Handlanger am Bau des Reiches Gottes», der die Gesellschaft zum Positiven verändert. Am Dreiländereck auf der Grenze des deutsch- und französischsprachigen Europas war der Ort Zeuge der schlimmsten Abgründe der Europäischen Geschichte, aber auch ein Leucht- und Sendeturm in notvollen Zeiten. Auf St. Chrischona wurden Menschen ermutigt und inspiriert, in dieser Welt etwas zu bewegen und mutige Schritte zu tun. Auch ich habe auf St. Chrischona viel Ermutigung und Inspiration für meinen Dienst im Reich Gottes und darüber hinaus erfahren, was mich bis heute prägt. Man kann eine solche Dynamik mich machen, aber suchen. Wenn Europa das je brauchte, dann jetzt.

Chrischona ist ein Ort geistlicher Aufbrüche

Ab 1874 wurde St. Chrischona zu einem Zentrum der damaligen «Erweckungsbewegung». Sogenannte «Heiligungskonferenzen» zogen Hunderte an. Rappard schrieb:

«Daß in unseren Kirchen, Versammlungen und Anstalten landauf, landab ein tiefes Bedürfnis ist nach geistlicher Erleuchtung und Kraft, ist nicht zu leugnen … wie denn auch die Prediger es vielfach schmerzlich empfinden, daß das Wort zu wenig wirkt.“ „Werden die Kinder Gottes lebendig, tun wir aufrichtig Buße, lassen wir uns reinigen, und erwacht in uns der Geist des Gebets, so wird Gott antworten. Warum soll das Wort Jesu sich nicht erfüllen, daß von denen, die an Ihn glauben, Ströme lebendigen Wassers fließen sollen?“

„Was wir brauchen, wenn wir Zeiten der Erweckung erleben wollen, das sind nicht neue Methoden und Ausdrücke, sondern es sind geisterfüllte Menschen, in deren Herzen das Feuer des Herrn brennt und die darum dieses heilige Feuer verbreiten“.

St. Chrischona war ein Ort der Erweckung, ein Ort, von dem einen enorme Inspiration in die ganze Welt ausging. Auf dem aktivistischen Boden des Pietismus wirkte die Entdeckung der Liebe von Jesus und der Gegenwart des Heiligen Geistes wie frische Luft für die müden Arbeiter. Ein Aufatmen ging durch die Reihen, vor allem deshalb, weil nicht nur Christus wortreich in den Mittelpunkt gestellt wurde, sondern seine Kraft und seine Gegenwart die müden Herzen tatsächlich berührte und erneuerte. (blog.chrischona.ch/2020/04/carl-heinrich-rappard/)

Auch nach Rappard war der Chrischona Berg immer wieder ein Ort geistlicher Aufbrüche. Menschen erlebten Gott und seinen Geist an diesem Ort überdurchschnittlich oft und überdurchschnittlich intensiv. Auch ich habe an diesem Ort tiefe Gotteserfahrungen gemacht, was mich bis heute prägt. Man kann eine solche Dynamik mich machen, aber suchen. Wenn Europa das je brauchte, dann jetzt.

Chrischona ist ein Ort des mutigen Bekenntnisses

In den 1870er-Jahren wurde im Zuge des sogenannten «Apostolikumsstreits» in den schweizerischen evangelischen Landeskirchen die Verpflichtung auf das Apostolische Glaubensbekenntnis aufgehoben. Rappard erklärte 1900:

«Wir sind es, die in der Kirche bleiben, die wir das Bekenntnis festhalten, auf dem die Kirche ruht: ‚Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.‘ Die diesen Felsengrund aufgeben, das sind die ‚unkirchlichen Leute‘.» (blog.chrischona.ch/2020/04/merkmale-echter-chrischona-gemeinden/)

Auch nach Rappard war der Chrischona Berg ein Ort, auf dem das christliche Bekenntnis mutig hochgehalten wurde. Die theologische Ausbildung war immer geprägt durch eine gewisse theologische Breite, wobei man an den Bekenntnissen der Alten Kirche und der Reformation festhielt. Auch ich schätzte im Studium auf St. Chrischona ein Klima, in welchem meine Wurzeln und meine Flügel wachsen durften, was mich bis heute prägt. Es gibt keinen Grund, etwas daran zu ändern. Wenn Europa das je brauchte, dann jetzt.

Chrischona ist ein Ort ständiger Neuhingabe

Ich habe als junger Erwachsener vier Jahre auf dem Chrischona Berg studiert und gelebt. Seit zehn Jahren habe ich an zahlreichen Leitungstreffen teilgenommen, seit einigen Jahren bin ich im Vorstand des Theologischen Seminars St. Chrischona. Ich habe kein verklärtes Bild von diesem Ort und kenne einen Grossteil der täglichen Herausforderungen. Auch auf dem Chrischona Berg geht es zuweilen menschlicher zu, als mir lieb sein kann. Während des Studiums und danach habe ich Verletzungen erlebt und selbst andere verletzt. – Ist es angesichts solcher Zustände nicht naiv und vermessen, vom Chrischona Berg als einem Ort «grosser Visionen», «geistlicher Aufbrüche» und «des mutigen Bekenntnisses» zu reden? Lassen wir dazu nochmals Rappard zu Wort kommen:

«Werden die Kinder Gottes lebendig, tun wir aufrichtig Buße, lassen wir uns reinigen, und erwacht in uns der Geist des Gebets, so wird Gott antworten. Warum soll das Wort Jesu sich nicht erfüllen, daß von denen, die an Ihn glauben, Ströme lebendigen Wassers fließen sollen?»

Auch nach Spittler und Rappard mussten Chrischona-Leute ihre Verfehlungen und Lauheiten bekennen, umkehren, sich Gott neu hingeben, sich neu nach Dingen wie «grossen Visionen», «geistlichen Aufbrüchen» und «mutigem Bekenntnis» ausstrecken. Auch ich werde durch Vorbilder wie Spittler und Rappard ermutigt, aber auch kleinlaut und demütig. Wenn Gott den Chrischona Berg in den letzten bald zweihundert Jahren immer wieder gebraucht hat, dann nicht, weil der Chrischona Berg oder die Chrischona Bewegung so gut gewesen wären, sondern weil Gott so gut ist. Man spricht in diesem Zusammenhang von Gnade. Man kann sie nicht machen, aber suchen. Wenn Europa das je brauchte, dann jetzt.

St. Chrischona – ich liebe diesen Berg und ich wünsche diesem Berg von Herzen, dass seine «besten Zeiten» noch vor ihm liegen. Als Einzelkirchen und Gemeindeverband haben wir unsere Wurzeln zu einem grossen Teil an diesem Ort und wollen weiterhin mit ihm verbunden bleiben. Wenn wir als Gemeindeverband über unseren Namen diskutieren, geht es nicht um unsere Geschichte und um unsere Wurzeln, sondern um unsere Zukunft und unsere Flügel. Wir wollen mit «grossen Visionen», «geistlichen Aufbrüchen», «mutigem Bekenntnis» und «ständiger Neuhingabe» in die Zukunft gehen.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

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