Menschenwürdiges Leben während der Corona-Pandemie

Menschenwürdiges Leben während der Corona-Pandemie

Menschenwürdiges Leben während der Corona-Pandemie

© dusanpetkovic – de.freepik.com

Das Corona-Virus beeinflusst unseren Alltag wieder stark. Während die Infektionszahlen leicht sinken, stagnieren und steigen, diskutieren Politiker, Epidemiologen und andere Experten über mögliche Massnahmen, um auf diese Entwicklungen zu reagieren. Eine solche Diskussion kann grundsätzlich auf zwei Ebenen stattfinden:

Einerseits können konkrete Massnahmen, die die Ausbreitung des Virus aufhalten können, thematisiert und deren Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Dabei wird z. B. über die Maskenpflicht gesprochen und festgelegt, wie genau diese umgesetzt werden muss, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Auch der Lockdown im Frühjahr war eine solche Massnahme, die auch heute wieder in einigen Ländern Europas zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eingesetzt wird.

Andererseits können wir uns als Gesellschaft mit den Leitlinien bzw. der grundlegenden Ausrichtung auseinandersetzen, die uns bei der Reaktion auf die Pandemie, Orientierung geben sollen. Bei diesem Vorgehen werden grundsätzliche Fragen zum Zielhorizont der konkreten Massnahmen gestellt, der aktuelle Umgang mit der Corona-Pandemie kritisch reflektiert und Schlüsse für den Umgang mit vergleichbaren Situationen in der Zukunft gezogen. Mir scheint, dass diese Art der Auseinandersetzung in der öffentlichen Debatte aktuell zu kurz kommt, weshalb ich im Folgenden einige Gedanken dazu ausführen und damit zum gemeinsamen Diskutieren anregen will.

Ein wenig bekanntes Virus, das eine tödliche Krankheit auslösen kann und sich unkontrolliert verbreitet, löst bei vielen Menschen verständlicherweise Unsicherheit und Angst aus. Was liegt da näher als zu überlegen, wie dieses Virus gestoppt werden kann. Wir alle wollen unser Leben behalten und sind deshalb bereit, vieles dafür zu tun. Aus diesem Grund sind wir in einer solchen Situation auch geneigt, sämtliche Anstrengungen auf die Erhaltung unseres Lebens auszurichten. Eine solche Position vernachlässigt allerdings die Frage, was für ein Leben wir erhalten wollen. Mit diesem einseitigen Fokus gefährden wir deshalb letzten Endes genau das Leben, das wir zuvor schützen wollten. Der Theologe und Philosoph Robert Spaemann plädierte deshalb dafür, Lebenserhaltung und Lebensentfaltung stets zusammen zu denken und niemals gegeneinander auszuspielen.

Wie können wir diesem Ratschlag folgend beim Umgang mit der Corona-Pandemie die Entfaltung unseres Lebens wieder stärker in den Mittelpunkt rücken?

Zunächst müssen wir wieder lernen, dass Bedürfnisse im Zusammenhang mit der Gestaltung unseres Lebens legitim sind und geäussert werden dürfen. Wir sollten gemeinsam darüber reden, was das Leben lebenswert macht. Worauf wollen wir als Einzelne und als Gesellschaft nicht verzichten, weil sonst etwas Entscheidendes fehlen würde? Ich kann diese Fragen hier nicht umfassend beantworten, möchte aber einige Vorschläge zur Debatte stellen:

Als Menschen brauchen wir ein Gegenüber und die Gemeinschaft mit anderen, um unser Leben in all seinen Facetten entfalten zu können. Als Christen sind wir davon überzeugt, dass wir für ein gelingendes Leben neben der Gemeinschaft mit anderen, die Verbindung zu Gott brauchen. Beides, die Begegnung mit Gott und Mitmenschen, sollte während der Corona-Pandemie möglich sein dürfen. Dabei sind qualitative Einschränkungen in der Begegnung, wie z. B. Masken und körperliche Distanz, hinnehmbar, da sie das Miteinander unter diesen Rahmenbedingungen erst ermöglichen. Auch eine sinnstiftende Beschäftigung gehört zu einem gelingenden menschlichen Leben, weil wir uns dabei als wirksam, kompetent und wertvoll erleben können. Wird einem Menschen sowohl die Gemeinschaft mit einem Gegenüber als auch die Ausübung einer bedeutungsvollen Tätigkeit erschwert, wie das im Lockdown zu beobachten war, leidet darunter die Entfaltung des individuellen und kollektiven Lebens mit nicht absehbaren Konsequenzen.

Aus diesen Überlegungen darf allerdings auch nicht abgeleitet werden, dass der individuellen Lebensentfaltung keine Grenzen gesetzt werden dürfen. Als Menschen können wir unsere Interessen zurückstellen und die Interessen des Gegenübers als bedeutsamer anerkennen. Weil wir aber diese Fähigkeit besitzen, dürfen wir beanspruchen, dass unsere Interessen bei der Entscheidungsfindung des Gegenübers (oder des Staates) ebenfalls Berücksichtigung finden. Dies gilt ebenfalls oder vielleicht gerade besonders bei der Ableitung von Massnahmen zur Eindämmung einer Pandemie.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich will die Gefährlichkeit des Virus oder gar seine Existenz nicht herunterspielen oder leugnen. Das Virus stellt eine Gefahr für die Gesundheit und das Leben vieler Menschen dar. Covid-19 kann aber auch zu einer Gefahr für wichtige Eckpfeiler einer menschenwürdigen Gesellschaft werden. Wir können dies verhindern, wenn wir anfangen darüber nachzudenken, was uns für unser Leben wirklich wichtig ist. Diesen Schatz können wir dann gemeinsam schützen und pflegen. Auf diese Weise kann diese Pandemie sogar zu einer Chance für uns alle werden.

 

Dietrich  Wagner

Dietrich Wagner

Gastautor

Dietrich Wagner forscht an der Uni St.Gallen zum Thema Wirtschaftsethik. Er liebt es, beim Denken nicht nur an der Oberfläche zu bleiben.

 

Die Akteurin für Heilung

Die Akteurin für Heilung

Die Akteurin für Heilung

© MIchele Cammarano / Public Domain

Die Ermordung des afroamerikanischen Staatsbürgers George Floyd durch einen weißen Polizisten in den Vereinigten Staaten hat uns alle erschüttert und eine Welle des Protests gegen Rassismus in Nordamerika und auf der ganzen Welt ausgelöst. Es versteht sich von selbst, dass das Thema Rassismus ein sehr komplexes Thema ist, denn es ist uralt und systemisch verwurzelt in unserer Gesellschaft. Diskriminierung und Rassismus sind nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Im Gegenteil, was in Nordamerika geschieht, hat seinen Ursprung hier in Europa. Wir leben heute mit den Folgen dieser Realität, mit den Folgen von Kolonialisierung und Sklaverei.

In der Schweiz nimmt der Rassismus oft eine sehr subtile, indirekte Form an. Sie manifestiert sich in kleinen Sätzen, die von Vorurteilen herkommen und die wir täglich hören. Es beginnt mit kleinen Bemerkungen wie „aber dieser Name kommt doch von einem anderen Land? Ich meine, sie sind nicht wirklich Schweizer“ oder „das ist unglaublich, sie haben wirklich keinen Akzent, woher kommen sie denn?“ bis hin zu rassistischen Witzen, die sich hinter einem „Verstehen Sie das nicht falsch, es ist nur ein Witz, wir sind keine Rassisten“ verbergen. Oder „das passt ganz zu ihnen“, denn, ja, beim Rassismus geht es auch darum, eine Rasse zu stereotypisieren und Verhaltensweisen zu verallgemeinern.

Als Christen, die das Reich Gottes aufbauen, wollen wir sicherstellen, dass wir respektvoll und gerecht agieren. Es liegt in unserer Verantwortung, aufzustehen, wenn Ungerechtigkeit geschieht, weshalb wir der Ungerechtigkeit der Unterdrückten besondere Aufmerksamkeit schenken wollen. Wenn in unseren Gemeinden Menschen ihre Erfahrungen oder Leiden im Zusammenhang mit Rassismus zum Ausdruck bringen, sollten wir das Thema nicht bagatellisieren. Wer kennt nicht schon das berühmte „Ach du übertreibst, heute gibt es in der Schweiz keinen Rassismus mehr“ oder „in der Schweiz ist Rassismus nicht so schlimm“. Diese ungerechtfertigten Überlegungen minimieren die Schwierigkeiten, denen Menschen tagtäglich ausgesetzt sind. Wie könnten wir es wagen, mit einer schwierigen Erfahrung, die Leid verursacht, nicht einverstanden zu sein, nur weil wir diesen gewöhnlichen Rassismus nicht in unserem täglichen Leben erleben? Und schließlich: Wie offen sind wir für Menschen, die täglich Rassismus erleben?

Wir müssen uns als Einzelne, aber auch als Kirche, der rassistischen Ungerechtigkeiten bewusst sein, mit denen viele Menschen hier in der Schweiz und manchmal auch in unseren Gemeinden konfrontiert sind. Die Kirche hat ihre Rolle als Akteurin des Wandels, der Heilung und der Wiederherstellung wahrzunehmen, besonders auch dann, wenn sich die Medien plötzlich einem anderen aktuellen Thema zuwenden. Wir wollen als Christen dafür bekannt sein, dass unsere Kirchen Orte sind, in denen ein konstruktives Zusammenleben jeglicher ethnischen Gruppe oder Hautfarbe möglich ist. Dieser Mentalitätswandel darf uns gerne noch ein bisschen beschäftigen.

Fabienne Fuchser

Gastautorin

Fabienne hat in Lausanne und Genf Recht studiert (Master of Law) und die Anwaltsschule absolviert. Momentan arbeitet sie am eidgenössischen Strafgericht in Bellinzona. In ihrer Freizeit spielt sie Klavier und singt in einem Gospelchor

Warum wir die beste Botschaft der Welt schön verpacken sollten

Warum wir die beste Botschaft der Welt schön verpacken sollten

Warum wir die beste Botschaft der Welt schön verpacken sollten

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Eine unserer Hauptaufgaben als Kirche ist ‘Kommunikation’. Wir sind Träger einer guten Botschaft. Wir tragen diese Botschaft mit unseren Worten, mit unserem Leben und unseren Werken zu unseren Mitmenschen. Wir tragen diese Botschaft aber auch vermehrt digital in unsere Umgebung. Dieser praktische Blogbeitrag ist ein kleines Plädoyer für visuelle Kommunikation und bietet einige Hilfestellungen, wie wir die beste Botschaft der Welt schön und ansprechend verpacken können.

Schritt 1 – ein Projekt wählen

Innerhalb der Kirche gibt es viele Projekte, die digital kommuniziert werden. Eine neue Predigtreihe, die mit einem Flyer beworben wird. Das Youtube-Thumbnail für den Livestream. Das Logo für den Jugendgottesdienst. Eine Homepage-Grafik für einen speziellen Anlass (Weihnachten?). Eine Gottesdienst-Einladung auf Instagram oder Facebook. Und so weiter.

Als erster Schritt braucht es diese kleine Entscheidung: Das Projekt X (bspw. Predigtserie) möchte ich grafisch schön darstellen.

 

Schritt 2 – Digitale Gestaltung

Jetzt wird es schon praktisch. Ich muss mich für einen Stil entscheiden. Aber wie? Ist die Google Bildersuche die Lösung? Starte ich mit einem weissen Blatt Papier? Hier ein paar Tipps, Programme und Links, die super hilfreich sind.

Ohne Gestaltungssoftware: Online deine Grafiken erstellen

Bist du etwas überfordert mit all den Grafikprogrammen, die es gibt? Inkscape ist zwar gratis aber zu kompliziert? Photoshop zu teuer? Paint zu schlecht? Kein Problem! Es gibt viele gute Lösungen, für die keine Software nötig sind:

Dein Handy

Unterschätze nicht, was dein Handy kann 😊 Da gibt es tausende von Gestaltungsapps, die dir die Arbeit abnehmen und dich in wenigen Minuten etwas schönes zaubern lassen. WordSwag. Snapseed. Legend. Unfold.

Envato PlaceIt (placeit.net)

PlaceIt ist zwar nicht gratis, bietet aber eine gewaltige Datenbank an Designvorlagen, die du direkt im Internet Browser erstellen kannst. Du brauchst kein Gestaltungsprogramm und keine Vorkenntnisse und designst in wenigen Minuten Flyers, Videos, Logos oder Grafiken.

Adobe Spark (spark.adobe.com/de-DE/sp)

Spark von Adobe baut auf dem gleichen Prinzip auf. Tausende von Vorlagen und Designs, die mit wenigen Klicks für dein Projekt personalisiert werden.

Bildmaterial

Jedes Design lebt von wirklich guten Bildern. Eine riesige Auswahl von kostenlosen, hochauflösenden und lizenzfreien Fotos findest du auf www.pexels.com oder www.unsplash.com. Eine geniale Datenbank von schönen und günstigen Vektorgrafiken ist www.vectorstock.com.

Mit Gestaltungssoftware: Komplettes Designpaket für wenig Geld

Wer eine Gestaltungssoftware hat oder sogar die Creative Cloud von Adobe muss auch kein Profi sein, um mit wenig Aufwand sehr schöne Designs zu erstellen. Für wenig Geld gibt es ganze Design-Bundles, die dir eine geniale Grundlage geben.

CreativeMarket (creativemarket.com)

Diese Homepage bietet unzählige Vorlagen für Illustrationen, Grafiken, Flyer, Logos und Schriftarten. Ein kleines Beispiel: Wir hatten bei uns in der Kirche eine Predigtserie zum Thema «Storyteller». Das ganze grafische Konzept wurde über CreativeMarket für $35 eingekauft. Das Endergebnis findest du auf unserer Homepage. Und hier zum Vergleich die Links zu den gekauften Grafiken:

Schriftart Storyteller

Wasserfarben Design Bundle

Videovorlage für Intro

Einmal heruntergeladen kannst du mit einer Grafiksoftware (idealerweise Adobe Illustrator, Inkscape tut es auch) deiner Kreativität freien Lauf lassen.

Envato (graphicriver.net videohive.net)

Envato baut auf dem gleichen Prinzip auf wie CreativeMarket und ist die wahrscheinlich grösste Desingvorlagen-Datenbank im Internet. Tausende von Vorlagen für Videos, Grafiken, Flyers, Homepages, etc. sind dort zum Kauf bereitgestellt.

Je nach Vorlage braucht es aber etwas fortgeschrittene Kenntnisse und die entsprechende Grafiksoftware (Adobe After Effects oder Premiere Pro für Video / Adobe Illustrator oder Photoshop für Grafiken).

 

Schritt 3 – Über die richtigen Kanäle kommunizieren

Zum Schluss ist es entscheidend, dass die Grafiken/Videos über Kanäle kommuniziert werden, die etwas bringen. Das kann Facebook sein, der Infoscreen im Foyer, Instagram, die Homepage die PowerPoint Präsentation der Predigt, eine gedruckte Einladung – oder alles miteinander.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.