Sehnsucht nach Einfachheit und Klarheit

von | 10. Jul 2020 | Persönlich | 0 Kommentare

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Mitten in diesen unsicheren Tagen steigt die Sehnsucht nach klaren und einfachen Lösungen, die uns Antworten auf ungelöste Fragen geben können. Die Spannung nicht zu wissen, was übermorgen passiert oder die Angst zwischen den Fronten stecken zu bleiben, hat manchen von uns schon etwas (un)ruhig gemacht.

Die Spannung der grossen ethisch-moralischen Herausforderungen in unserem Land und die Komplexität der aktuellen weltpolitischen Lage hat die unangenehme Nebenwirkung, dass der eine oder andere unter uns sich zurückzieht oder nach Predigten, Personen oder Leitern sucht, die schnell eine einfache Antwort auf schwierige Fragen geben. Und es ist verständlich. Für jeden von uns, besonders auch für Christen. Die Herausforderungen sind vielfältig. Wie sollen wir uns zum Beispiel in die aktuelle Diskussion rund um Rassismus (BLM) einbringen? Eigentlich ist die Kirche ja der Ort, wo alle Menschen aller Nationen Gott anbeten können und sich durch Christus verbunden wissen (Jesaja 56,7). Unsere Kirchen sollten hier ein Beispiel gelebter Interkulturalität sein. Doch wenn wir uns dann noch mutig mitten auf die Strasse zu Menschen hinstellen, die gegen Rassismus kämpfen, stehen wir plötzlich mit radikalen extremen Kräften dort, die andere staatsfeindliche Ziele verfolgen. Was ist nun unser Auftrag? Ähnlich kompliziert wird es bei der Diskussion rund um die Ehe für alle. Wollen wir als Christen unsere Meinung ausdrücken, weil wir ja in einem Land mit freier Meinungsäusserung leben, merken wir sehr schnell, dass es Kräfte in diesem Land gibt, die biblische Werte nicht nur nicht hören wollen, sondern aktiv mit Drohungen bekämpfen. Also halten wir uns aus der Diskussion raus und lassen die Experten sprechen. Ist das die Lösung? Dann kommt da noch die Wiedereinführung der Gottesdienste mit den diversen Schutzkonzepten, welche sich dauernd ändern. War es nicht schön, als wir zuhause im Pyjama ein schönes Sonntagsprogramm angeboten bekamen? Warum sollen wir wieder in die Gemeinde gehen?

Wenn Lebenssituationen schwieriger und Fragestellungen komplexer werden, wenn wir unsicher werden, wenn wir aus der Komfortzone herauskommen, passieren eigentlich genau die wichtigen Dinge, die zeigen, was tief in uns steckt.

Mögliche Reaktionen, die ich gelegentlich beobachte, die aber nicht weiterhelfen sind:  

  • Vereinfachungen: einfache Erklärungen suchen, wie z.B. „das sind die Wehen der Endzeit“ oder „wir müssen uns zurückziehen“ oder „wir müssen radikaler evangelisieren“
  • Theorien: theologische oder konspirative Theorien entwickeln, um alle Phänomene dieser zu Zeit zu interpretieren und in der Gemeinde damit noch mehr Verwirrung stiften.
  • Angst: erstarren vor Angst und Schrecken. Nicht mehr wagen zu eigenen Überzeugungen zu stehen.  

Jesus gibt uns einen ganz anderen Hinweis, wie wir in bedrohlichen Zeiten agieren sollen. Er sagt in Lukas 21,28: Wenn sich dies alles zu erfüllen beginnt, dann seid zuversichtlich mit festem Blick und erhobenem Haupt! Diese prophetische Aussage von Jesus zeigt die enorme Kraft christlichen Glaubens in schweren Zeiten. Zuversicht, fester Blick, erhobenes Haupt! Warum? Weil er der Erlöser unseres Lebens und der Erbauer und Bräutigam seiner Gemeinde ist, die er zu sich ruft. Von wegen Rückzug und Angst, sondern Aufbruch und Mut, denn unser Schöpfer und Erlöser ist näher als wir denken. Ich fordere die Christen auf, nicht nur zu reagieren, sondern zu agieren, weil wir nichts zu verlieren haben, sondern nur zu gewinnen. Wir agieren in der Kraft des Heiligen Geistes:

  • Mit Hoffnung und Einsatz für die Gemeinde Gottes: Wir setzen jetzt erst recht alles ein, damit die Gottesdienste, die Anbetungszeiten, die Kleingruppen in unseren Gemeinden wieder voll in Fahrt kommen, nach der Corona Krise, weil es nicht unsere, sondern Gottes Kirche ist.
  • Einmischen: Wir denken mit und zeigen dieser Welt, dass unser Herr auch intelligente Antworten auf komplexe Fragen hat, weil er der Schöpfer ist und schöpferische Idee und Lösungen kennt.
  • Konstruktiv: Mithelfen und Mitbeten, ganz praktische Hilfe anbieten, in der Nachbarschaft und in der Gemeinde Hand anlegen, so wie es unsere pietistischen Väter machen würden, denn wir stehen auf ihren Schultern. Anstelle von Kritik- und Wutkultur, besser lösungsorientierte Aufbaukultur, denn nur miteinander entwickeln wir in dieser Welt Gottes Reich.

Genauso ist Gottes Wort: Es bleibt nicht ohne Wirkung, sondern erreicht, was es will. Und führt das aus, was ich ihm aufgetragen habe. Jesaja 55,11

Stefan Fuchser

Stefan Fuchser

Regionalleiter Romandie/Basel/Ticino und Leiter Gemeindepflanzungsteam

Stefan ist verheiratet mit Prisca und hat drei erwachsene Kinder. Er ist für die flächenmässig grösste Chrischona-Region zuständig und macht sich in unserem Team für Gemeindegründungen, Weiterbildung der Pastoren und die Mehrsprachigkeit unseres Movements stark.

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