Mutige Christen und Christinnen braucht das Land

von | 2. Okt 2021 | Gesellschaft | 4 Kommentare

© francescosgura

Unser Umfeld wird gesellschaftlich, kulturell, weltanschaulich und religiös immer unterschiedlicher. In politischen Debatten, in den Medien und in Gesprächen werden christlich-ethische Überzeugungen, die bis vor wenigen Jahren weitgehend als Allgemeingut galten, in Frage gestellt oder sogar abgelehnt. Stellen wir uns diesen Realitäten! In einer pluralistischen Gesellschaft müssen wir damit leben, dass wir nicht immer die Mehrheitsmeinung vertreten. Dies ist kein Grund, uns zurückzuziehen. Im Gegenteil: Wir bleiben eine selbstbewusste Stimme auf dem „Markt der Weltanschauungen“.

Die folgenden vier Punkte (die Reihenfolge bringt keine Wertung zum Ausdruck) beschreiben nach meiner Überzeugung eine Haltung und Denkweise, die uns hilft, weiterhin mutig für christliche Werte und die christliche Botschaft einzustehen:

Christliche Werte sind eine Grundlage unserer freiheitlichen Demokratie

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ (Ernst-Wolfgang Böckenförde). Unsere liberale Gesellschaft fusst zu grossen Teilen auf dem Fundament einer christlich geprägten Kultur. Ein Grossteil unserer Bevölkerung bezeichnet sich nach wie vor als „christlich“. Es ist ein Risiko, diese bewährte Grundlage zu verlassen.

Wir werden christliche Werte auch in Zukunft beherzt hochalten. Wir tun dies nicht, weil wir sie immer für mehrheitsfähig erachten, sondern weil wir sie für aufbauend halten. Wir vertreten die christlichen Werte im demütigen Bewusstsein, dass auch wir diesen nicht immer gerecht werden. Wir benennen christliche Werte deshalb nicht in einem moralisierenden, belehrenden Sinn, sondern auf Augenhöhe als unsere Stimme in aktuellen Diskussionen.

Als Christinnen und Christen sind wir konstruktive Mitgestalter der Gesellschaft

Freiwilligenarbeit und soziales Engagement sind nachgewiesene Wesensmerkmale der Freikirchen („Studie zum Gesellschaftlichen Engagement der Freikirchen Schweiz 2020“). Durch unser Engagement im Kinder- und Jugendbereich, in Seelsorge, Ehe- und Familienförderung und Diakonie tragen wir zur gesellschaftlichen Stabilität bei. Wir ermutigen und fördern unsere Mitglieder darin, sich sozial, politisch und wirtschaftlich zum Wohl der Gesellschaft zu engagieren.

„Überzogene Erwartungen“ an den Staat führen oft zu „Staatshörigkeit“ oder „Staatsverdrossenheit“ (Reiner Mayer), was wir beides kritisch sehen. Wir anerkennen die primäre Aufgabe des Staates, lebensförderliche Strukturen zu unterhalten und unterstützen ihn dabei. Wir anerkennen den Rechtsstaat der Schweiz mit seinen Institutionen und Behörden.

Der christliche Glaube bleibt eine lebensfördernde, attraktive Weltanschauung

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, christliche Werte im Alltag auszuleben und konkret werden zu lassen. Gleichzeitig halten wir die christliche Botschaft aus der Bibel hoch, die hinter den christlichen Werten steht und uns motiviert, entsprechend zu leben. Es ist die Botschaft, dass Jesus Christus uns voraussetzungsfreie Liebe, unantastbare Würde, befreiende Versöhnung, inspirierende Zuversicht und wirksames Potenzial schenkt – in einer Welt mit viel Lieblosigkeit, Entwürdigung, Krieg und Misstrauen, Hoffnungslosigkeit und Machtlosigkeit.

Innerhalb des religiösen und weltanschaulichen Pluralismus unserer Gesellschaft bezeugen wir auch zukünftig die Schönheit und Bedeutsamkeit der christlichen Botschaft. Wir tun dies durch unser Leben und Reden. 

Die christliche Botschaft reagiert auf gesellschaftliche Trends, wird aber nicht von ihnen bestimmt

Der Zeitgeist unterliegt Pendelbewegungen, das christliche Bekenntnis bleibt in seinen Grundsätzen gleich. Die Kirche hat den Auftrag, in Taten und Worten auf aktuelle Fragen und Nöte zu antworten. Gleichzeitig ist es der Kirche nicht möglich, „die Gestalt ihrer Botschaft […] ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen [zu] überlassen“ (Barmer Theologische Erklärung, These V). Wir verstehen uns nicht als „Verkäufer“ des christlichen Glaubens, sondern als seine „Botschafter“ (Josua Hunziker).

Eine Kirche, die ihre Botschaft, Überzeugungen und Werte zu stark der Gesellschaft anpasst, verliert ihr Profil, ihr Unterscheidungsmerkmal und schlussendlich ihre Relevanz und Bedeutung für die Gesellschaft. Aus diesem Grund werden wir unsere weltanschaulichen Überzeugungen, die biblische Botschaft, das Evangelium von Jesus Christus weiterhin bekennen und äussern.

 

Diese vier Punkte wurden am 26. September 2021 auf freikirchen.ch als Medienmitteilung «Weiterhin mutig für christliche Werte einstehen» veröffentlicht.

Christian Haslebacher

Christian Haslebacher

Regionalleiter Ostschweiz und Vorsitzender

Christian ist verheiratet mit Annette, hat drei Kinder und lebt im Thurgau. Er ist neben seinem Job als Regionalleiter auch Vorsitzender des Leitungsteam von Chrischona Schweiz. Er liebt gute Diskussionen.

4 Kommentare

  1. Etwas seltsam: viva heisst doch es soll hochleben
    Viva la Grischa senza camischa…schmunzeln wir über die Bündner.
    Aber viva Kirche? Das lateinischdeutsch gefällt mir nicht.

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    • Viva Beliebigkeit, viva Marketingagentur, viva Haslebacher. Lebe wohl Chrischona.

      Antworten
      • Guten Tag Frau Niederberger,
        es tut mir sehr leid, dass wir sie offenbar verärgern.
        Wenn sie mich persönlich schon ansprechen, kann ich nur wiederholen, dass Chrischona mir nach wie vor wichtig ist: https://blog.chrischona.ch/2021/09/ich-liebe-st-chrischona/
        Wir beabsichtigen in keinster Weise, unsere Chrischona-Wurzeln zu verleugnen oder abzuschneiden. Wir arbeiten als «Chrischona Schweiz» und «Theologisches Seminar St. Chrischona» nach wie vor eng als Netzwerkpartner zusammenarbeiten und investieren viel in dieses Netzwerk und das theologische Seminar. So sind wir in diversen Leitungsgremien nach wie vor vertreten und investieren viel Zeit und Herzblut ins tsc und ins tsc-Netzwerk.
        Trotzdem würde bei einem Namenswechsel auch ein Schmerz entstehen.

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    • Guten Tag Frau Niederer, gerne nehme ich kurz Stellung:
      «Viva» bedeutet auf Rätoromanisch nicht «Prosit», sondern «Leben» oder «lebe». Man benutzt dieses Wort auch, wenn jemand geniest hat. So wie man auf Schweizerdeutsch sowohl beim Anstossen als auch nach dem Niessen «Gsundheit» sagen kann, so eben im Rätoromanischen «viva». Im Hebräischen entspräche das in etwa dem «Lechaim», was «auf das Leben» bedeutet.
      Wir haben bei insgesamt vier Personen aus dem rätoromanischen Sprachraum nachgefragt, wobei die Rückmeldung einhellig war: Der Name «Viva Kirche» würde auch in diesem Sprachraum sehr gut funktionieren. «Viva» wird dort nicht primär mit «Prost» oder «Prosit» in Verbindung gebracht, sondern mit Leben. Der Name würde bei der breiten Masse der rätoromanischen Schweiz funktionieren und positive Assoziationen auslösen.
      «Viva» steht für Leben. Wir glauben, dass dies ein wichtiger Bestandteil der christlichen Botschaft ist: ewiges Leben, Leben mit Bedeutung, Leben mit Gott, aus dem Geist, aus dem Wort Gottes, Leben die Fülle usw. Durch die lateinische Form funktioniert es auch drei- bzw. viersprachig, was für uns als schweizweite Bewegung hilfreich und wichtig ist.
      Nebenbei bemerkt: Sie antworteten mit ihrer Kritik gegen „Viva Kirche“ auf einen Text, in dem es gar nicht um diese Frage geht. Im obigen Text geht es ganz grundsätzlich darum, dass wir uns in unserer Gesellschaft nicht zurückziehen, sondern mutig zu unserem Glauben stehen sollen. Der Name kommt im ganzen Text nie vor und den Text habe ich auch nicht im Hinblick auf den Namen verfasst. Aber, ja, vielleicht dürfen wir auch bezüglich unseres Namens mutig sein.

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